Spaß im Fußballstadion: Alibaba-Gründer Jack Ma (obere Reihe, Mitte) am 14. Februar beim chinesischen Superpokal-Spiel Guangzhou Evergrande Taobao gegen Shandong Luneng in Hangzhou. (Foto: ChinaFotoPress/Getty Images)

Spaß im Fußballstadion: Alibaba-Gründer Jack Ma (obere Reihe, Mitte) am 14. Februar beim chinesischen Superpokal-Spiel Guangzhou Evergrande Taobao gegen Shandong Luneng in Hangzhou. (Foto: ChinaFotoPress/Getty Images)

Alibaba gegen Amazon

Eins zu null für den Herrn der Drohnen

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Er hat es geschafft: Jack Ma ist nicht nur einer der reichsten Chinesen und Chef eines der weltweit am schnellsten wachsenden Onlinehändler, sondern auch in der internationalen Prominenz ganz oben angekommen. So sprach der Alibaba-Gründer erst Anfang des Jahres vor der Elite der Staats- und Wirtschaftslenker auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Europa bleibt für Ma ein wichtiges Pflaster: Bei der in Kürze startenden weltgrößten Technikmesse Cebit wird er neben Angela Merkel die Eröffnungsrede halten. Trotz des Trubels um seine Person kommt der chinesische Internet-Tycoon in seiner Freizeit eher normal daher. So hatte er Mitte Februar während des chinesischen Superpokal-Spiels Guangzhou Evergrande Taobao gegen Shandong Luneng in Hangzhou sichtlich Spaß – wenn auch eher am Smartphone seines Sitznachbarn als am Match: Das Team aus Guangzhou, an dem Ma seit vergangenen Sommer zu 50 Prozent beteiligt ist, verlor nach Elfmeterschießen mit drei zu fünf.

Mobiltelefone spielen eine zentrale Rolle bei einem der Hauptthemen der Cebit: Big Data. Das Sammeln und Auswerten von riesigen Datenmengen kommt gerade im Online-Handel immer mehr in Mode, um so die Käufer zu durchleuchten und mehr über sie zu erfahren. Kein Wunder, dass Datenschützer das Thema aufgrund der potenziellen Verletzung von Persönlichkeitsrechten zunehmend kritisch sehen. Was Jack Ma bislang nicht weiter stört: Alibaba setzt voll auf Big Data und will auf Basis der so gesammelten Datenmengen ein eigenes Kredit-Scoring-System entwickeln. Zudem hat die Alibaba-Tochter Ant Financial im Januar mit dem CSI Taojin Big Data 100 sogar einen eigenen Index gestartet: Die Gewichtung der Branchen hängt dabei von den Transaktionen der Unternehmen ab, die über das Alibaba-Bezahlsystem Alipay laufen. Produktanbieter sollen bereits Interesse an einer Lizenz zeigen.

Nicht nur unter Datenschützern genießt Mas Imperium einen zweifelhaften Ruf – gilt doch die Alibaba-Plattform Taobao schon seit längerem als ein Mekka für Produktfälscher. Schätzungen zufolge werden zwei Drittel der dort angebotenen Produkte illegal vertrieben.

Unter Druck bleibt auch die Alibaba-Aktie. Seit dem als Börsengang der Superlative gefeierten Listing im Herbst vergangenen Jahres hat das Papier Anlegern trotz der großen Anfangseuphorie nur wenig Freude bereitet – Anfang März notierte es rund 30 Prozent unter dem im November markierten Höchstkurs. Viele Fondsmanager haben offenbar den richtigen Riecher gehabt und sich nicht in Alibaba engagiert. Insgesamt findet sich die Aktie bislang in nur sehr wenigen Fondsportfolios. Wer sie unter den Top 5-Holdings sucht, wird zum Beispiel im Mirae Asset Asia Great Consumer Equity Fund fündig; dort beträgt ihr Anteil 5,3 Prozent. Im Credit Suisse (Lux) Asia Consumer Equity Fund sind es immerhin 3,5 Prozent, ebenso im Morgan Stanley Global Advantage Fund.

Doppelt so hoch gewichtet wie Alibaba ist im Morgan-Stanley-Fonds die Aktie des Konkurrenten Amazon. Das ist nachvollziehbar. Schließlich konnten Anleger damit in vielen Zeiträumen kräftig verdienen. Als das Unternehmen Ende Januar die Zahlen für ein sehr gutes Weihnachtsquartal vorlegte, legte die Aktie sogar an nur einem Tag fast 14 Prozent zu. Über zehn Jahre beträgt das Plus auf Euro-Basis fast 1.200 Prozent. Allerdings agiert in punkto Sicherheit auch Amazon in einer Grauzone. Weil das Unternehmen in der Produktauslieferung verstärkt Drohnen einsetzt, bekam Gründer Jeff Bezos prompt den Titel Herr der Drohnen verpasst. In den USA, aber auch in Europa, hat das Thema bereits sicherheitspolitische Diskussionen entfacht.

Die meisten Fondsmanager scheinen keine Bedenken zu haben, dass die Amazon-Aktie darüber zur Luftnummer verkommen könnte. Sie ist nach wie vor in sehr vielen Fondsportfolios eine feste Größe. Überwiegend sind es auf Wachstumsthemen fokussierte Fonds für amerikanische oder globale Aktien, aber auch einige eher konservativ aufgestellte Mischfonds-Lenker wie Georg Graf von Wallwitz (Phaidros Balanced) oder Michele Garau (Pioneer Multi Asset Real Return) trauen dem Unternehmen noch viel zu: Im Phaidros Balanced stellt Amazon mit einem Anteil von 2,3 Prozent derzeit sogar die größte Position. Mit 1,9 Prozent liegt Apple, dessen Vorzeigeprodukt I-Phone Jack Ma im Fußballstadion von Hangzhou so in seinen Bann zieht, nur knapp dahinter.

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