30 Jahre bei einer Bank: In einer Branche, in der Lebensläufe immer schneller getaktet sind, ist das bemerkenswert. Alice Neumann hat bei der Commerzbank ihre Ausbildung gemacht, Verantwortung übernommen, viele Jahre in Mitteldeutschland gearbeitet und ist schließlich nach Hamburg gekommen. Beständigkeit gehört für sie zum Bankgeschäft. Denn gerade dort, wo es um große Vermögen und persönliche Entscheidungen geht, braucht Vertrauen vor allem eines: Zeit.

Dabei hat Neumann sehr unterschiedliche Vermögenswelten kennengelernt. Im Osten häufig Unternehmer, die ihr Vermögen in den vergangenen Jahrzehnten selbst aufgebaut haben, in Hamburg stärker das über Generationen gewachsene Kaufmannsvermögen. Doch die Unterschiede sind kleiner, als man vermuten könnte. Irgendwann geht es überall um Familie, Nachfolge und die Frage, was mit dem eigenen Lebenswerk passieren soll.

Und trotz KI und Digitalisierung bleibt Wealth Management für Neumann ein Geschäft zwischen Menschen. „Hightech und Hightouch“ nennt sie dieses Spannungsfeld. Dazu gehört für sie auch, einem Kunden einmal von einem Geschäft abzuraten, obwohl die Bank daran verdienen könnte. Im Gespräch geht es deshalb weniger um Produkte als um Vertrauen, Loyalität, Empathie und die Kunst, Menschen mit sehr viel Geld über viele Jahre zu begleiten.