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Vermögensverwalter schätzen ein All Time Highs wohin man schaut – ist den Märkten zu trauen?

Maik Bolsmann, Marian Henn und Maksym Dundar
Maik Bolsmann, Marian Henn und Maksym Dundar (v. l.): Die drei Anlagespezialisten werfen einen kritischen Blick auf die jüngsten Kurshochs in gleich mehreren Anlageklassen. | Foto: B&K Vermögen, Allington Investors, Rheinische Portfolio Management

Super Stimmung, und das (fast) überall. Zu diesem Fazit kann man aktuell bei einem Blick auf die Aktienmärkte kommen. Es läuft rund, im Kleinen wie im Großen – im Dax ebenso wie im US-Barometer S&P 500 oder dem MSCI World. Der japanische Aktienmarkt läuft aufwärts, und selbst im kriselnden China haben die Märkte zuletzt wieder ins Positive gedreht. 

Auch bei anderen Asset-Klassen jagt ein Hoch das nächste: Gold hat kürzlich einen historischen Höchststand gesehen, und auch die Ur-Kryptowährung Bitcoin boomt. 

 

Bereits im vergangenen Jahr haben die großen Notenbanken angedeutet, dass mit der eingehegten Inflation die Leitzinsen bald wieder sinken könnten. Die Hoffnung darauf trieb umgehend die Aktienmärkte in die Höhe. Sie hat sich jedoch bislang nicht bewahrheitet – die Zinswende lässt weiter auf sich warten. Trotzdem ist die Party in vollem Gange. Die Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund diverser geopolitischer Konflikte: in der Ukraine wie in Nahost, rund um Taiwan wie im Roten Meer

Es heißt, dass die Euphorie dann am größten ist, wenn alles kurz vor dem Absturz steht. Sollten Anleger der Feierstimmung an den Märkten also misstrauen – oder steht der allgemeine Optimismus vielmehr auf einem gesundem Fundament?

Wir haben Vermögensverwalter gebeten, die Situation aus ihrer Sicht einzuschätzen. So viel vorweg: Die Ausblicke sind insgesamt optimistisch. Allerdings halten die Anlagespezialisten auch nicht mit Warnungen hinter dem Berg. Was sie zuversichtlich stimmt und wo die Vermögensprofis raten, wachsam zu bleiben, steht auf den folgenden Seiten.

„Die Hausse nährt die Hausse“

Maksym Dundar ist Senior Quantitative Analyst bei Rheinische Portfolio Management. 

Maksym Dundar, Rheinische Portfolio Management:

An den Aktienmärkten herrscht Euphorie, ebenso wie bei Gold und Bitcoin. Ist der Optimismus gerechtfertigt, oder könnte ein Wendepunkt erreicht sein?

Im Moment nährt die Hausse die Hausse. Das kann angesichts der steigenden Einkommen und der hohen Zuflüsse von Pensionsfonds und Sparplänen noch eine Weile so weitergehen. Für eine Wende erscheint die Euphorie noch nicht ausgeprägt genug.

Wovon hängt die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten ab?

Derzeit interpretiert der Markt beinahe jede Nachricht positiv. Jeder kleine Einbruch wird für Nachkäufe genutzt. Dennoch wäre ein reinigendes Gewitter wünschenswert. Im Moment spricht jedoch vieles für weitere Gewinne.

Wie positionieren Sie sich aktuell?

Der Markt hat immer recht! Demut ist auch in einer solchen Phase angezeigt. Wir versuchen, die Gewinne laufen zu lassen, verfolgen unsere Risikoindikatoren wie selten zuvor. Außerdem nutzen wir auch sich bietende Möglichkeiten, um attraktive Zinsen zu vereinnahmen. 

„Deshalb kann es positiv weitergehen“

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Marian Henn ist Anlagemanager und Partner beim Vermögensverwalter Allington Investors.
Marian Henn ist Anlagemanager und Partner beim Vermögensverwalter Allington Investors. © Allingotn Investors

Marian Henn, Allington Investors:

An den Aktienmärkten herrscht Euphorie, ebenso wie bei Gold und Bitcoin. Ist der Optimismus gerechtfertigt, oder könnte ein Wendepunkt erreicht sein?

Euphorie ist ein Gefühl und kein Gefühl währt ewig. Die Frage ist, ob es wirklich Euphorie ist, die den Markt treibt, oder es gute fundamentale Gründe für die Höchststände gibt. Die Bewertungen in den USA sind zwar hoch, die Firmen aber auch sehr profitabel und wachstumsstark. Europa dagegen ist günstig bewertet und die Anleger sind derzeit überwiegend pessimistisch für unseren Kontinent gestimmt. Hier sehen wir das größere Wertaufholungspotenzial, wenn sich das konjunkturelle Bild aufhellt. Für die globale Konjunktur erwarten wir keine bösen Überraschungen, weil die Erwartungen der Anleger durch die Diskussionen um die Schuldenkrise in China und eine potenzielle Rezession in den USA bereits niedrig sind. Unseres Erachtens kann sich das Jahr deshalb positiv weiterentwickeln, insbesondere wenn es zu den ersten Zinssenkungen kommt.

Wovon hängt die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten ab?

Die Frage, wann und wie oft die Zinsen gesenkt werden, ist derzeit die Gretchenfrage am Markt. Der Markt nimmt derzeit noch zwei bis drei Zinsschritte in den USA an, beginnend im Juni. Wird diese Erwartung drastisch verfehlt, kann es holprig am Markt werden. Durch ihre hohe Konzentration in den großen Indizes sind auch die Tech-Werte entscheidend für den Verlauf der Aktienmärkte. Die gemeinsame Marktkapitalisierung der Magnificent 7 ist größer als die Marktkapitalisierung aller Länder mit Ausnahme der USA! Bislang konnten die Magnificent 7 (beziehungsweise 4) die hohen Erwartungen übertreffen. Sie haben den Großteil der Aktiengewinne in den Indizes getragen. Die Frage ist, wie lange sie die steigenden Erwartungen noch übertreffen können. Verfehlen sie die Erwartungen, wird der Rückschlag wehtun. 

Wie positionieren Sie sich aktuell?

Wir ergänzen unsere globalen Kern-Aktienpositionen um mehrere Märkte, die aktuell durch den Tech-Fokus im Schatten stehen. Dadurch sind sie preiswert, obwohl sie fundamental überzeugen und langfristig große Chancen bieten. Dazu zählen europäische Nebenwerte, Emerging Markets und Healthcare. Hier ist das Risiko nicht ein potenzieller Kursverlust, sondern dass die Märkte günstig bleiben, während die US-Tech-Werte Allzeithoch nach Allzeithoch erklimmen. Das Risiko muss man eingehen wollen und richtig dosieren. Den Markt kann man aber nur schlagen, wenn man ihn nicht kopiert. 

„Stecken mitten in Zugewinn-Phase“

Maik Bolsmann ist Mitgründer der Vermögensverwaltung B&K Vermögen.

Maik Bolsmann, B&K Vermögen:

An den Aktienmärkten herrscht Euphorie, ebenso wie bei Gold und Bitcoin. Ist der Optimismus gerechtfertigt, oder könnte ein Wendepunkt erreicht sein?

Die Börsenhistorie belegt, dass nach starken Verlustjahren in der Regel einige Jahre mit hohem Zugewinn folgen. Wir stecken mitten drin.

Wovon hängt die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten ab?

Die Gewinndynamik muss den Markt weiter tragen. Geopolitische Störfeuer könnten das Kartenhaus zum Zusammenstürzen bringen. Die Immobilienwirtschaft steht weiter mit dem Rücken zur Wand, Zinssenkungen müssen her, damit hier nicht noch mehr Unheil geschieht. Ein Flächenbrand ist immer noch möglich und würde auch die Kapitalmärkte erreichen.

Wie positionieren Sie sich aktuell?

Wir halten den einen Fuß auf dem Gas, suchen aber mit dem anderen bereits die Bremse. 

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