Sharon Fay, Aktienchefin bei Alliancebernstein

Sharon Fay, Aktienchefin bei Alliancebernstein

Alliance Bernstein

Zehn Gründe für aktives Aktienmanagement

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Oft fällt es professionellen Anlegern schwer, der Versuchung kostengünstiger passiver Aktienanlagen zu widerstehen. Dabei spricht gerade jetzt sehr viel dafür, im Portfoliomanagement auf einen aktiven Ansatz zu setzen. Die globalen Finanzmärkte sind heute voller Risiken, die sich mit einem benchmarknahen Konzept nur schwer umgehen lassen – und voller Chancen, die man mit einem passiven Portfolio verpasst.

Die folgenden zehn Punkte sind gute Gründe, warum sich der Einsatz vorausdenkender Investmentexperten lohnt.

1. Teure Sektoren meiden: Wenn Aktien oder Sektoren nicht mehr fair bewertet sind, bleiben sie dennoch im Index vertreten. Selbst nach der Korrektur dynamischer Aktien in diesem Jahr sind viele Internet- oder Biotech-Unternehmen noch hoch bewertet.

Ein aktiver Manager kann genau überlegen, ob er in eine Aktie mit einem – auf Basis ihrer erwarteten Gewinne – sehr hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) investiert. Oder er beschränkt sich auf Unternehmen, deren Potenzial eine hohe Bewertung rechtfertigt.

2. Auf steigende Zinsen reagieren: Was passiert, wenn die zurzeit historisch niedrigen Zinsen steigen? Aktien aus vermeintlich sicheren weil dividendenstarken Sektoren wie Tabak und Telekommunikation geraten normalerweise unter Druck. Zyklische Werte sollten sich hingegen gut halten, weil steigende Zinsen einen Aufschwung signalisieren. Aktive Manager können auf diese Situation reagieren, indem sie ihre Portfolios entsprechend anpassen.

3. Politische Risiken managen: Kein passiv gemanagter Fonds kann auf eine politische Krise reagieren, egal ob diese in Europa, Asien oder im Nahen Osten ausbricht. In vielen Schwellenländern nehmen zudem die Regierungen Einfluss auf das Schicksal ihrer Unternehmen. Ein aktiver Investor kann beurteilen, wann die politischen Risiken zu hoch sind, um ein Investment zu rechtfertigen.

4. Auf Strukturveränderungen reagieren: Der technische Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran. Manche Unternehmen fegt das hinweg, sie versinken in Bedeutungslosigkeit. Schlimmstenfalls rutschen sie sogar in die Insolvenz, wie die Beispiele Kodak und der Blockbuster Video Verleih zeigen. Welchen Gesellschaften steht morgen ein ähnliches Schicksal bevor? Die Benchmark kann das nicht erahnen, der aktive Fondsmanager schon.

5. Preisblasen meiden: Preisblasen sind möglicherweise die wichtigste Schwachstelle aller Benchmarks. So bestand der US-Index S&P 500 im Jahr 1999 zu 29 Prozent aus Technologieaktien. Japanische Aktien machten Ende der 1980er Jahre sogar rund 44 Prozent des MSCI World aus – das jeweilige Ende ist bekannt. Aufgabe aktiver Investoren ist es, Preisblasen zu erkennen und Konsequenzen zu ziehen.

6. Am technischen Fortschritt partizipieren: Benchmarks sind von Natur aus rückwärtsgewandt. Mit ihnen wird niemand vom starken Wachstum aufstrebender Unternehmen profitieren. Lukrative Börsentrends erkennen – die Benchmark ist damit überfordert, spezialisierte Fondsmanager nicht.

7. Auf eine Konjunkturerholung reagieren: Jeder Staat befindet sich in einer anderen Phase des Konjunkturzyklus. Ein internationales Portfolio kann hieraus Profit ziehen. Es legt den Anlageschwerpunkt genau auf jene Branchen und Regionen, denen das jeweilige Bruttoinlandprodukt (BIP)-Wachstum nutzt. Aktive Manager eines Länderfonds können derweil in Wertpapiere umschichten, die vom regionalen Aufschwung am stärksten profitieren.

8. Unternehmen mit steigenden Gewinnen finden: Eine Zeit mit Druck auf die Gewinnmargen verschafft Wachstumsunternehmen Vorteile. Ein Indexfonds kann nicht gezielt auf Unternehmen setzen, deren Gewinne auch in schwierigen Marktphasen Steigerungs-Potenzial aufweisen. Aktive Fondsmanager können das sehr wohl. 9. Von Chancen außerhalb der Benchmark profitieren: Abseits der Indizes lassen sich immer wieder gute Investmentchancen finden. So entwickelten sich die Aktienmärkte der Schwellenländer zuletzt unterdurchschnittlich. Die weniger entwickelten Frontier-Märkte – in den Emerging-Markets-Indizes bedeutungslos – hielten sich jedoch deutlich stabiler. Oder denken Sie an die zahlreichen kurstreibenden Fusionen und Übernahmen im Pharmasektor. Ein aktiv agierendes Fondsmanagement kann diesen Schatz heben.

10. In vielversprechende, aber oft übersehene Aktien investieren: Kleinere und mittlere Unternehmen sind ein gutes Revier für aktive Manager, weil sie in der Regel von weniger Analysten beobachtet werden. Alliancebernstein hat einen sogenannten „Mind Share Index“ entwickelt, um zu messen, wie stark eine Aktie beachtet wird. Dies wird gemessen an den von Analysten veröffentlichten Einschätzungen und Neueinschätzungen.

Dabei wurde festgestellt, dass hochkapitalisierte Unternehmen drei Mal mehr Aufmerksamkeit erfahren als niedrigkapitalisierte. Das gleiche Konzept lässt sich auch auf Emerging Markets anwenden. Frontier-Märkte sind „weiße Flecken“ auf der Landkarte vieler Analysten. Dennoch gibt es hier unzählige spannende Unternehmen mit viel Ertragspotenzial, die man in keiner Benchmark findet.

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