Binnenschifffahrt in Dortmund Foto: klaas hartz / pixelio.de

Versicherungen und Investitionen

„Allianz holt auf beim Klimaschutz“

Die Allianz verfolgt seit ihrem medienwirksamen Divestment-Beschluss aus dem Jahr 2015 das Ziel, sich langfristig von Firmenkunden zu trennen, die Kohlekraftwerke und -minen betreiben oder bauen. Kurz vor seiner Hauptversammlung am Mittwoch hat der Versicherer nun angekündigt, diese Kohlerichtlinie zu verschärfen: Ab 2023 können sich Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke bauen, demnach generell nicht mehr bei der Allianz versichern.

Bereits heute sollen Unternehmen von einer Versicherung ausgeschlossen werden, wenn sie mindestens 25 Prozent ihres Stroms aus Kohle genegieren und mindestens 5 Gigawatt installierte Kohle-Kraftwerkskapazität betreiben. Mit der aktuell bekannt gegebenen Verschärfung der internen Regeln aber reicht nun bereits eines der beiden Kriterien aus, um einen Firmenkunden ausschließen zu können.

Kontroverse Kohlekraft in Tschechien

Die zweite neue Regel werd spürbare Folgen für Geschäfte der Allianz mit dem Energieunternehmen Seven in Tschechien haben, das zwei 40 bis 50 Jahre alte Kohlekraftwerke betreibt. Sev.en hat einen Kohleanteil an der Energieerzeugung deutlich über 50 Prozent, hat jedoch weniger als 5 Gigawatt installierte Kapazität, rechnen die Umweltschützer von Urgewald vor.

Nach den bisherigen Kriterien wäre das Unternehmen damit weiter versicherbar. Nun jedoch nicht mehr. Die tschechische Allianz-Tochter kündigte am Donnerstag in einer Pressemitteilung an, ihre noch bestehenden Versicherungen für die beiden Kraftwerke Počerady und Chvaletice zum Jahresende zu beenden. Dieser Schritt sei laut Urgewald auch ein Erfolg für die tschechische Klimaschutzorganisation Reset, welche die Allianz hierfür zuvor scharf kritisiert hatte.

Den Kohleausstieg wasserdicht machen

Weitere Neuerungen in der neuen Allianz-Kohlerichtlinie: Bisher mögliche Ausnahmen zur Versicherung einzelner Kohlekraftwerke entfallen. Unternehmen können jedoch weiter auf eine Versicherung zählen, wenn sie die aktuellen Kriterien nicht erfüllen, aber einen Kohle-Ausstiegsplan haben, der mit dem 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Klimaabkommens vereinbar ist.

„Die Allianz wird mehr Kohleunternehmen von der Versicherung ausschließen als bisher, das ist positiv“, kommentiert die zuständige Urgewald-Sprecherin Regine Richter. „Mit diesen Kriterien ist der Kohleriese RWE nun endlich nicht mehr versicherbar.“ Gleichzeitig eröffne das komplexere Regelwerk neue Ausnahmefälle. „Hier hat die Allianz eine Chance verpasst ihren Kohleausstieg wasserdicht zu machen.“

Zudem will die Allianz jetzt erstmals nicht mehr Firmen aus dem Ölsand-Sektor versichern. Entsprechende Förderprojekte und neue Pipelines werden ebenso ausgeschlossen wie Unternehmen, die mehr als 20 Prozent Umsatzes mit Ölsanden machen. „Ein Ausschluss von Ölsand-Unternehmen ist überfällig, viele andere Versicherer haben dies schon in den vergangenen Jahren umgesetzt“, erklärt Richter. „Für die Allianz ist es ein erster Schritt, bei dem es nicht bleiben darf.“

Mehr zum Thema
ANZEIGEStromversorgung mit erneuerbaren EnergienPer schlanker Entenkurve zum Netto-Null-Ziel Nachhaltigkeit„Fondsindustrie darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen“ Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen5 Anbieter nachhaltiger Fondspolicen ausgezeichnet