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in Kfz-VersicherungLesedauer: 4 Minuten

Nachhaltige Reparaturen? Allianz setzt auf gebrauchte Ersatzteile in der Kfz-Versicherung

Werkstattreparatur
Werkstattreparatur: Nicht alle Teile lassen sich durch gebrauchte Komponenten ersetzen. | Foto: Pexels

Seit April lässt die Kfz-Versicherung der Allianz Fahrzeuge auch mit gebrauchten Ersatzteilen reparieren. Darüber berichtete man Freitag zunächst die Deutsche Presseagentur. Ein Sprecher des Unternehmens bestätige nun die Meldung gegenüber DAS INVESTMENT.

Fahrzeuge zwischen drei und acht Jahren im Fokus

Die Nummer Zwei im deutschen Kfz-Versicherungsmarkt verweist auf England, die Niederlande und Frankreich, wo es demnach bereits seit einigen Jahren Vorgaben zur Förderung wiederverwendbarer Teile in Kfz-Werkstätten gibt. Infrage kommen demnach Fahrzeuge im Alter zwischen drei und acht Jahren. Im Moment sei dies die Zielgruppe – jüngere Fahrzeuge sind nach Angaben des Versicherers meist finanziert oder geleast, bei älteren lohne sich oftmals auch eine Reparatur mit gebrauchten Ersatzteilen nicht mehr.

Bisher kaum ein relevanter Markt vorhaben

Problem: Es ist gängige Praxis, dass Versicherer Totalschadenfahrzeuge auch international vermarkten, um einen maximalen Erlös zu erzielen. Daher haben sich die Münchener jetzt entschlossen, ab sofort die Verwertung geeigneter Totalschadenfahrzeuge nur noch mit in Deutschland zertifizierten Verwertern durchzuführen. Dieser hätten sich wiederum verpflichtet, die Fahrzeugteile bevorzugt dem heimischen Reparaturmarkt und mit kurzen Transportwegen wieder zur Verfügung zu stellen.

Doch der Status Quo sieht so aus, dass die für eine Unfallreparatur üblicherweise benötigten Karosserieteile in Deutschland noch nicht in der benötigten Menge zur Verfügung, sodass interessierten Fahrzeughaltern bisher oft gar kein Angebot für eine nachhaltige Reparatur mit gebrauchten Ersatzteilen gemacht werden kann. Aus diesem Grund ist das Vorhaben laut des Allianz-Sprechers auch eher langfristig angelegt.

Nur unbedenkliche Teile sollen verwendet werden

Wiederverwenden will die Allianz Teile wie Türen, Front- und Heckklappen, aber auch Spiegel, Scheinwerfer oder Rückleuchten. „Sicherheitsrelevante Teile wie Lenkungen, Achsteile oder Räder werden nicht verwendet“, so Sommerfeld. Auch Motoren, Getriebe und Aggregate könnten nach einer Funktionsprüfung wiederverwendet werden.

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Kfz-Versicherer in der Krise

Die Nachricht passt in eine Zeit, in der Branche heftig zu kämpfen hat. Gut ablesen lässt sich das anhand der sogenannten Schaden-Kosten-Quote. Diese lag 2023 nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft bei 111. Das heißt, für jeden Euro Beitrag mussten 1,11 Euro aufgewendet werden, um Schäden zu regulieren. So verwundert es nicht, dass der Verlust aller Autoversicherer hierzulande insgesamt 3,2 Milliarden Euro betrug. Auch für dieses Jahr erwartet der Verband einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro. 

 

Ersparnis bei Finanzen und Emissionen 

Mit dem Konzept will die Allianz nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger sein. „Alle Expertinnen und Experten sind sich einig: Reparieren ist nachhaltiger, als Neuteile einzusetzen“, sagt Frank Sommerfeld, der Chef der Allianz Versicherung, die das Sachversicherungsgeschäft in Deutschland betreibt. Nach eigenen Angaben gibt die Konzerntochter jährlich rund sechs Milliarden Euro aus, um Schäden zu beseitigen.

Als Beispielrechnung führt der Manager die Reparatur der Windschutzscheibe eines VW ID.3 an, bei der der Verzicht auf eine neue Scheibe demnach 1200 Euro weniger kostet. Die CO₂-Emissionen wären in diesem Beispielfall laut Allianz Zentrum für Technik 99 Prozent niedriger. Dies liege daran, dass bei der Produktion von Autoteilen Treibhausgase entstehen, die beim Einbau eines gebrauchten Ersatzteils naturgemäß nicht noch einmal anfallen.

Potenzial auch bei E-Autos

Einige Fahrzeughersteller hätten schon reagiert und böten auch gebrauchte Ersatzteile in ihrem Händlernetz an. Zudem sehe man gerade mit Blick auf das Recycling von Elektrofahrzeugen und deren Batterien einen wachsenden Markt für Teile aus der Demontage von Alt- und Unfallfahrzeugen. Gefordert sei hierbei die deutsche Politik, durch gesetzliche Rahmenbedingungen die Entwicklung schneller voranzubringen, so Sommerfeld. Aber auch die Versichere seien in der Verantwortung, den Markt für gebrauchte Ersatzteile mit aufzubauen.

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