Der Allianz-Vorstandsvorsitzende Oliver Bäte hat bei der heutigen virtuellen Hauptversammlung des Versicherers das Ziel ausgerufen, das Potenzial des Unternehmens in den nächsten drei Jahren „noch stärker auszuschöpfen“. „Lifting Ambitions“ ist der Name des Startegieprogramms des Marktführers in Deutschland. Die Pläne waren bereits durch das vorab veröffentlichte Redemanuskript von Bäte bekannt geworden.

Kundenwachstum soll verdoppelt werden

Während die Allianz in den vergangenen Jahren ihr Wachstum häufig über Prämienerhöhungen erzielt habe, wolle man sich künftig auf das organische Kundenwachstum konzentrieren. „In den nächsten drei Jahren wollen wir [...] es verdoppeln. Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel“, sagte der Vorstandsvorsitzenden. Erreicht werden soll dies durch Neukundengewinnung, bessere Betreuung bestehender Kunden und die Reduzierung von Kündigungen. „Allein über diese Hebel wollen wir bis zu 30 Prozent mehr Kundenwachstum generieren“, so Bäte weiter.

Schon am Kapitalmarkttag im vergangenen Dezember hatte Bäte angekündigt, in Zukunft auf ein stärkeres Gewinnwachstum und eine bessere Kundenbindung zu setzen. 

Produktivitätssteigerungen und Kostensenkungen

Im Bereich der Produktivitätssteigerungen will der Konzern den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Seit 2017 habe man die Kostenquote in der Schaden- und Unfallversicherung Jahr für Jahr um 0,3 Prozentpunkte gesenkt. Dieser Kurs solle nun mit verstärktem Einsatz modernster Technologien fortgeführt werden. „Wir wollen neue Maßstäbe in der Vereinfachung von Prozessen setzen – auch durch den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette“, kündigte Bäte an.

Besonderes Potenzial sieht der Allianz-Chef bei den Vertriebskosten. Insbesondere auf digitalen Kanälen könnten bei steigender Nachfrage die Kosten für die Neukundengewinnung gesenkt werden. Gleichzeitig sollen die Schnittstellen mit Agenturen und Vertriebspartnern weiter digitalisiert, wodurch mehr Zeit für den Service am Kunden und für weiteres Wachstum bleibe. Aber auch die Verwaltungskosten sollen weiter gesenkt werden.

„Wir wollen unser Unternehmen vor allem von einem erstklassigen Produktanbieter zu einer wirklich kundenorientierten Organisation weiterentwickeln“, sagte der Vorstandschef.

Mehr Resilienz gefordert

Ein dritter strategischer Hebel betrifft die Widerstandsfähigkeit des Konzerns. „Kundenwachstum und Produktivitätssteigerungen werden wir nur erreichen, wenn unsere Kunden uns ihr volles Vertrauen schenken“, betonte Bäte. Hierfür müsse man die Kapitalanlage robust ausrichten. Die aktuelle Weltlage sei geprägt von einem Auf und Ab an den Kapitalmärkten und starken Währungsschwankungen.

Auch wegen sich schnell verändernder Risiken wie Cyberattacken, Naturkatastrophen und volatiler Kapitalmärkte bestehe die Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassungen. Bäte mahnte, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen. Dabei will der Versicherungskonzern seine Rolle als aktiver Risikomanager im Kontext des Klimawandels und geopolitischer Unsicherheiten weiter ausbauen. 

Produkt- und Serviceportfolio im Wandel

In seiner Rede ging Bäte auch auf die Veränderungen im Produkt- und Dienstleistungsangebot der Allianz ein. Der demografische Wandel und die Herausforderungen staatlicher Sicherungssysteme führten zu einer verstärkten Nachfrage nach privaten Lösungen für Alters- und Gesundheitsvorsorge. Die Allianz reagiere darauf, indem sie ihren Kunden „renditestarke alternative Anlageklassen wie Immobilien, Infrastrukturprojekte und erneuerbare Energien zugänglich“ mache.

Zudem würden Versicherungsprodukte zunehmend durch Dienstleistungen ergänzt – von Schadenprävention über Schadenmanagement bis hin zu Concierge-Services. Im Gesundheitsbereich übernehme die Allianz beispielsweise in vielen Tarifen die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen und helfe bei der Suche nach geeigneten Ärzten. „Das erspart unseren Kunden lange Arzt-Odysseen und verbessert den Behandlungserfolg. Und ganz nebenbei sparen wir unnötige Kosten“, so Bäte.

 

Zufriedene Aktionäre

Was die Anlgeer angeht: Die Dividende soll um 12 Prozent steigen, ein Aktienrückkauf in Höhe von zwei Milliarden Euro wurde bereits im Februar angekündigt. Zudem soll bis 2027 das Ergebnis je Aktie jährlich um 7 bis 9 Prozent verbessert werden. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll auf über 17 Prozent steigen, während die Ausschüttungsquote „auf hohem Niveau“ gehalten werden soll. „Im Dreijahresdurchschnitt sollen mindestens 75 Prozent des auf die Anteilseigner entfallenden Jahresüberschusses an Sie zurückfließen“, versprach Bäte den Aktionären.

Diese zeigten sich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf des Versicherers. Die Manager erhielten während der Hauptversammlung von den professionellen Anteilsvertretern viel Lob. Bäte und seinen Vorstandkollegen erhielten bei der Abstimmung zu ihrer Entlastung jeweils Ja-Werte von über 95 Prozent der Stimmen. Kritik gab es allerdings, wie bereits im Vorfeld durch den Stimmrechtsberater ISS, am neuen Vergütungssystem für den Vorstand aufgrund hoher Pensionszahlungen. Hier lag die Zustimmung der Investoren schließlich bei vergleichsweise niedrigen 70,9 Prozent.

Rekordergebnis im Jahr 2024

Die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr waren bereits bekannt. Bäte sprach in seiner Rede von einem Rekordergebnis. Das Geschäftsvolumen stieg im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf rund 180 Milliarden
Euro. Damit wurde ein operativer Gewinn von 16 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die mit Spannung erwarteten Zahlen für das erste Quartal nannte Bäte nicht. Sie sollen am 15. Mai verkündet werden.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Bäte das Ziel eines operativen Ergebnisses von 15 bis 17 Milliarden Euro.  „Unsere Allianz ist widerstandsfähig. Und sie ist bestens aufgestellt, um in einem herausfordernden Umfeld weiterzuwachsen.“ 

Im kommenden Jahr soll die Hauptversammlung der Allianz wieder in Präsens stattfinden. Digitale Hauptversammlungen hätten zwar Vorteile gebracht und mehr Aktionären eine Teilnahme ermöglicht. Eine Präsenzveranstaltung ist laut Bäte für viele aber auch ein Zeichen der Wertschätzung.