Alternative Investments ergänzen klassische Anlageformen wie Aktien und Anleihen. Dazu zählen etwa Immobilien, Private Equity, Rohstoffe und andere Sachwerte. Sie erschließen Anlegern zusätzliche Märkte, folgen aber oft eigenen Regeln. Wer investiert, muss deshalb andere Faktoren prüfen als bei börsengehandelten Wertpapieren. Auch Sammlerstücke rücken in diesem Umfeld stärker in den Fokus.

Oldtimer, Luxusuhren, Kunstwerke oder seltene Münzen werden nicht nur aus Leidenschaft gekauft. Anleger betrachten sie auch als Vermögenswerte. Dabei gibt es jedoch nicht den einen Markt für Sammlerstücke. Jede Kategorie entwickelt sich anders. Selbst innerhalb eines Segments können sich einzelne Marken, Künstler oder Objekte deutlich voneinander unterscheiden.

Auktionshäuser zeigen, was Käufer zahlen

Bei Aktien entstehen Preise fortlaufend an der Börse. Ein Oldtimer oder ein Kunstwerk hat dagegen keinen täglich sichtbaren Marktpreis. Deshalb liefern Auktionen wichtige Anhaltspunkte. Internationale Häuser wie Christie’s, Sotheby’s, Phillips oder RM Sotheby’s bringen regelmäßig hochwertige Sammlerstücke auf den Markt. Ihre Ergebnisse zeigen, welche Objekte Käufer suchen und welche Preise sie dafür zahlen.

Anleger können diese Verkäufe nutzen, um vergleichbare Stücke einzuordnen. Ein einzelner Rekordpreis sagt allerdings wenig über einen ganzen Markt aus. Wer ein Sammlerstück bewerten will, sollte mehrere Verkäufe betrachten. Auch das konkrete Objekt zählt:

  • Bei einem Fahrzeug spielen etwa Modell, Zustand, Produktionszahl und Geschichte eine Rolle.
  • Bei Kunst kommen Künstler, Werkphase und Provenienz hinzu.
  • Bei Uhren können Marke, Referenz und Seltenheit den Unterschied machen.

>> Einen Überblick über Sammlerwerte und ihre Besonderheiten finden Sie in der Bilderstrecke unten >>

Auktionsergebnisse schaffen damit Orientierung. Sie ersetzen aber nicht die Prüfung des einzelnen Assets.

Digitale Plattformen verändern den Zugang

Lange mussten Käufer ein Sammlerstück vollständig erwerben. Bei hochwertigen Uhren, seltenen Fahrzeugen oder Kunstwerken kann das viel Kapital binden. Digitale Modelle verändern diesen Zugang. Durch Tokenisierung lässt sich ein physisches Sammlerstück in digitale Anteile aufteilen. Anleger müssen dann nicht das gesamte Objekt kaufen, sondern können sich  mit kleineren Beträgen beteiligen und ihr Kapital auf verschiedene Stücke oder Kategorien verteilen.

Timeless Investments nutzt dieses Modell unter anderem für Luxusuhren, Oldtimer, Kunstwerke, Whisky und limitierte Sneaker. Das physische Objekt bleibt dabei erhalten, die konkreten Lagerorte sind vertraulich. Die Digitalisierung macht aus dem Sachwert also kein rein virtuelles Investment. Hinter den digitalen Anteilen steht weiterhin ein reales Sammlerstück.

Der Gesamtindex zeigt, wie weit die Märkte auseinanderliegen

Wie unterschiedlich sich die einzelnen Kategorien entwickeln, zeigt der Knight Frank Luxury Investment Index. Er bündelt zehn Sammlerkategorien und verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt ein Minus von 2,7 Prozent.

Hinter diesem Wert stehen deutliche Unterschiede. Uhren legten innerhalb von zwölf Monaten um 44,8 Prozent zu, Münzen um 37,6 Prozent und Oldtimer um 22 Prozent. Kunst verlor dagegen 1,6 Prozent, Wein 0,2 Prozent und Farbdiamanten 2,4 Prozent.

Der Gesamtwert allein erzählt deshalb nur einen Teil der Geschichte. Wer ausschließlich auf einen Index schaut, übersieht die Bewegungen in den einzelnen Märkten. Noch weniger sagt ein solcher Durchschnitt darüber aus, wie sich eine bestimmte Uhr, ein konkretes Fahrzeug oder ein einzelnes Kunstwerk entwickelt.

Genau hier unterscheidet sich der Markt für Sammlerstücke von vielen klassischen Investments. Anleger müssen zunächst das Segment verstehen und anschließend das konkrete Asset prüfen.

Sammlerstücke erfordern Geduld

Der einfachere Zugang über digitale Plattformen verändert die Risiken nicht. Sammlerstücke bleiben weniger liquide als börsengehandelte Wertpapiere. Für eine Uhr, ein Fahrzeug oder ein Kunstwerk muss sich beim Verkauf ein Käufer finden. Das kann Zeit brauchen.

Auch vergangene Wertentwicklungen garantieren keine zukünftigen Gewinne. Das gilt für einen Marktindex ebenso wie für einzelne Rekordauktionen. Anleger sollten daher nicht allein auf hohe Verkaufspreise oder vergangene Wertsteigerungen schauen.

Wichtiger ist die Frage, warum ein bestimmtes Objekt langfristig gefragt bleiben könnte. Dafür zählen Seltenheit, Qualität, Provenienz und ein funktionierender Markt. Auch der mögliche Verkauf sollte bereits bei der Auswahl eine Rolle spielen.

Zur Person

Malte Häusler
Malte Häusler

ist Co-Founder und CEO von Timeless Investments. Er gründete das Unternehmen 2018 zusammen mit Andreas Joebges und Jan Karnath. Die Plattform Timeless startete im Februar 2021. Sie bietet privaten Anlegern den fraktionierten Zugang zu Sammlerstücken wie Luxusuhren, Oldtimern, Kunstwerken, Whisky und limitierten Sneakern. Bislang hat Timeless mehr als 1000 Sammlerstücke mit einem Gesamtwert von über 46 Millionen Euro tokenisiert.

 

Bei Luxusuhren zählt das konkrete Modell
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Luxusuhr von Seiko Prospex | © Imago Images / Eibner
Edle Uhr von Seiko Prospex. Bildquelle: Imago Images / Eibner

Gerade bei Luxusuhren reicht der Blick auf den Markennamen nicht aus. Sammler suchen bestimmte Modelle und Referenzen. Deshalb können sich zwei Uhren derselben Marke preislich sehr unterschiedlich entwickeln.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Nachfrage. Dazu gehören die Seltenheit eines Modells, der Status der Marke und die Qualität der Verarbeitung. Auch die Provenienz kann den Wert prägen. Eine gut dokumentierte Geschichte hebt eine Uhr unter Umständen von vergleichbaren Modellen ab.

Wer den Uhrenmarkt als Anleger betrachtet, sollte deshalb genau prüfen, was ein konkretes Stück besonders macht. Wie selten ist das Modell? Wie stark fragen Sammler genau diese Referenz nach? Und gibt es vergleichbare Verkäufe? Erst diese Fragen helfen dabei, eine einzelne Uhr einzuordnen.