Harald Bareit ist Geschäftsführender Gesellschafter der QC Partners GmbH.

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Alternative Investmentstrategien

Aktien sind nicht das Nonplusultra

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Tatsächlich können viele institutionelle Anleger nicht an der erfreulichen Entwicklung am Aktienmarkt teilhaben. Der Grund dafür sind insbesondere regulatorische Bestimmungen. Das Kapitalanlagegesetzbuch sowie die Solvency-Regelungen bewirken, dass Investoren wie Versicherungen nur in einem bestimmten Umfang in Aktien investieren dürfen, abhängig vom vorhandenen Eigenkapital.

Wie viel Eigenkapital vorgehalten werden muss, bemisst sich insbesondere am Risiko der jeweiligen Assetklassen. Aktien müssen mit vergleichsweise viel Eigenkapital unterlegt werden. Der Hintergedanke: Es sollte ein wirksamer Schutzmechanismus gegen Schwankungen an den Finanzmärkten geschaffen werden, denn gerade Versicherungen operieren mit ihrem Angebot in einem sehr sensiblen Bereich. Man denke nur etwa an Lebensversicherungen und andere Altersvorsorgeprodukte – sie sind für viele Menschen ein zentraler Bestandteil für den Lebensabend. Die darin inkludierten Renditeversprechen müssen jedoch erst einmal erwirtschaftet werden.

Regulierung als Damoklesschwert


Ein Schutzmechanismus ist daher sinnvoll, dies hat nicht zuletzt die Finanzkrise erneut unterstrichen. Aber ist er auch verhältnismäßig? Derzeit schwebt der Schutzmechanismus als Damoklesschwert über der Versicherungsbranche und anderen institutionellen Investoren. So hielten etwa die deutschen Lebensversicherer zuletzt ca. 89 Prozent ihres Vermögens in Anleihen und nur rund 3 Prozent in Aktien – auch aufgrund dieser Regelungen.



Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft


Vor dem Hintergrund des aktuellen Kapitalmarktumfelds reicht das nicht für eine Rendite, die das Geschäftsmodell von Versicherern langfristig trägt oder für ihre Kunden akzeptabel ist. Das zeigt sich wie folgt: Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung geht seit Jahren zurück, von 7,1 Prozent im Jahr 2000 auf nur noch 3,4 Prozent im Jahr 2014. Bei Neuverträgen können nur noch niedrige Zinsen angeboten werden, der Garantiezins liegt nun bei lediglich 1,25 Prozent. Damit kommen die negativen Auswirkungen auch bei den Endverbrauchern bzw. Sparern an.


Quelle: Statista

Und nicht nur Versicherer sind betroffen. Auch Altersvorsorgeeinrichtungen wie Pensionsfonds und Versorgungswerke geraten zunehmend unter Druck, ihren Rechnungszins von derzeit etwa 4 Prozent zu erwirtschaften. Zwar zeigen Marktdaten, dass die Aktienquoten je nach Asset Manager signifikant zwischen 3 Prozent und 20 Prozent schwanken. Das reicht vielen dieser Investoren unter dem Strich jedoch nicht aus, um das Dilemma ihres hohen Rentenexposures zu lösen. Die Investmentbranche ist daher schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach neuen Lösungen und Investmentbereichen.

Investmentbranche muss neue Wege gehen

Alternative und unkorrelierte Investmentstrategien dürften zukünftig weiter an Bedeutung erlangen. Einer Studie von McKinsey zufolge wird der globale Markt in den kommenden fünf Jahren um jährlich 5 Prozent wachsen, doppelt so schnell wie die gesamte Asset-Management-Industrie. Im Jahr 2020 sollen alternative Investments einen Anteil von 15 Prozent an den verwalteten Vermögen haben – aber 40 Prozent der Erträge stellen (heute: 12 beziehungsweise 30 Prozent).

Diese Lösungen sind gefragt, denn das Investmentmodell von Versicherern und Altersvorsorgeeinrichtungen wird in der Realität immer auf hohen Rentenpositionen basieren. Doch ist es beispielsweise möglich, Teile solcher Rentenportfolien als Basisportfolio zu verwenden, auf das verschiedene alternative Anlagestrategien im Sinne einer „Open Architecture“ aufgesetzt werden können – ausgerichtet an den Bedürfnissen der Investoren. Einen besonderen Vorteil von alternativen Investmentstrategien sehen wir dabei – je nach Ausgestaltung durch den Anbieter – in ihrer geringen Korrelation zu anderen Märkten sowie in einem gut steuerbaren Risiko. Diese Aspekte sind im volatilen Kapitalmarktumfeld der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen.

So zeigte eine Studie von Absolut Analyse, dass während der globalen Finanzkrise beispielsweise alternative Multi Asset-Fonds mit einem asymmetrischen Rendite-Risiko-Profil im Vergleich zu Aktien signifikant besser abschnitten. Während die Maximum Drawdowns der alternativen Fonds zwischen 3 und 9 Prozent lagen, erreichte etwa der MSCI World Werte von bis zu 54 Prozent. Möglich wird dies exemplarisch durch derivatebasierte Strategien – die als Absolute Return- beziehungsweise Multi Asset-Strategien ausgestaltet werden können – und einem aktiven Risikomanagement durch das Portfoliomanagement. Investiert wird dadurch nur „indirekt“ und mit einer breiten geographischen Diversifikation über mehrere Assetklassen.

Ein erfahrenes Fondsmanagement behält die Chancen und Risiken der jeweiligen Zielmärkte im Auge und reagiert aktiv auf Entwicklungen. Das glättet Verluste über die Zeit und führt zu einer Stabilisierung der Erträge. Dieser Ansatz macht zudem relativ unabhängig von makroökonomischen Entwicklungen und von der Lage am Finanzmarkt – ideal für sensible Investoren wie Versicherungen.

Es kann sich also lohnen, den Blick auch jenseits von Anleihe und Aktie schweifen zu lassen – sie sind nicht mehr die alternativlosen letzte Rettungsanker. Allerdings ist es nicht einfach, den passenden Anbieter zu finden. Bei der Auswahl des Fondsmanagers sollte man vor allem auf den Track Record achten. So sollte etwa das Management-Team bereits verschiedene Marktphasen erfolgreich durchgestanden haben.

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