Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten in Deutschland kennen bereits 58 Prozent das neue Altersvorsorgedepot (AVD). Das geht aus der Marktuntersuchung „Altersvorsorge im Aufbruch“ von Sirius Campus und dem Vorsorgespezialisten Aeiforia hervor. Für die Studie wurden 1.013 repräsentativ ausgewählten Förderberechtigte befragt.
Unter denjenigen, die das AVD bereits kennen, könne sich ein Drittel (34 Prozent) den Abschluss bestimmt oder wahrscheinlich vorstellen. Unter Berücksichtigung des sogenannten Intentions-Umsetzungs-Gaps – wonach erfahrungsgemäß nur rund ein Drittel der geäußerten Absichten in tatsächliches Verhalten münde – seien für 2027 rund 4,5 Millionen Abschlüsse realistisch. Bei einem durchschnittlichen Sparbeitrag von rund 1.100 Euro zuzüglich staatlicher Förderzulagen ergibt sich laut Sirius Campus ein jährliches Sparvolumen von 7 Milliarden Euro, das sich auf die Anbieter verteilen dürfte.
Progressive Prognose: bis zu 10 Millionen Abschlüsse möglich
Im Unterschied zum trägen Start der Riester-Rente steige die Abschlussbereitschaft beim AVD mit intensiverer Auseinandersetzung deutlich an – auf rund 54 Prozent. Sowohl eigenständige Internetrecherche als auch aktive Ansprache durch Finanzdienstleister wirkten sich positiv aus. Sollten Anbieter bereits in diesem Jahr intensiv vermarkten und Kunden aktiv ansprechen, sei in der Spitze sogar ein Marktstart mit 10 Millionen Abschlüssen denkbar, so die Studie.
„Viele Indikatoren in unserer Untersuchung zeigen ein gewisses Begeisterungspotenzial für das Altersvorsorge-Depot. Dabei wird es von Bedeutung sein, bestehende Kunden mit Informationen zum neuen Fördersystem und Beratungsangeboten zu versorgen. Denn Kunden vertrauen ihren bestehenden mehr als neuen Anbietern“, erklärt Oliver Gaedeke, Geschäftsführer von Sirius Campus.
Aktienmarkt-Skepsis bremst das Standarddepot
Trotz der grundsätzlichen Aufgeschlossenheit zeigt die Untersuchung eine ausgeprägte Risikoscheu: Bei der Wahl zwischen drei Garantievarianten (0, 80 oder 100 Prozent) bevorzugen 44 Prozent der Befragten eine 80-Prozent-Garantie mit mittleren Renditechancen, 32 Prozent die vollständige 100-Prozent-Garantie. Nur 9 Prozent entscheiden sich für eine garantiefreie Anlage, also die Vollanlage im Aktienmarkt. 15 Prozent sind noch unentschlossen. Das kostengünstige Standard-AVD ohne Garantie stoßt damit laut Studie trotz niedriger Gebühren auf wenig Resonanz.
Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia, sieht darin eine Chance für den Vertrieb: „Das Altersvorsorge-Depot ist für viele Kunden ein Beratungsprodukt. Das ist eine große Chance für die Vertriebspartner von Lebensversicherern, Sparkassen, Banken und Bausparkassen.“ Wichtig sei jetzt, die Kompetenz bei Vermittlern und Bankberatern schnell aufzubauen, so Gattung weiter. „Denn viele Kunden könnten bereits nach der Sommerpause ihren bevorzugten Vermittler oder Berater nach einer Empfehlung fragen.“
Methodischer Hinweis
Die Untersuchung „Altersvorsorge im Aufbruch“ basiert auf Selbstauskünften der 1.013 Befragten; tatsächliche Abschlussquoten können erheblich abweichen. Die Prognose von 4,5 Millionen Abschlüssen gilt als konservativer Schätzwert nach Anwendung des Intentions-Umsetzungs-Korrekturfaktors.
Zu beachten ist zudem: Sirius Campus und Aeiforia vermarkten die vollständige Studie kommerziell – als Online-Workshop, Bericht und KI-Sparringspartner. Die Untersuchungsergebnisse dienen damit auch der Bewerbung eines kostenpflichtigen Produkts; eine unabhängige Überprüfung der Methodik liegt nicht vor.
Altersvorsorgedepot bedroht Riester-Verträge
Unterdessen weisen Sirius Campus und Aeiforia auf das erhebliche Wechselpotenzial bei bestehenden Riester-Kunden hin. Demnach könnten bis zu 64,8 Milliarden Euro – mehr als ein Viertel des rund 225 Milliarden Euro schweren Riester-Gesamtkapitalstocks – in das neue Fördersystem überführt werden.
Das Wechselpotenzial des Kapitalstocks bezifferten die Autoren auf 28 Prozent. Die laufenden Beitragseinnahmen in Riester-Verträgen könnten sich von 10,4 Milliarden Euro jährlich auf 4,3 Milliarden Euro mehr als halbieren.

