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Altersvorsorge

Diese Faktoren bestimmen die Lebenserwartung in Deutschland

Wie beeinflussen Faktoren wie Bildung, Einkommen oder Beschäftigungsstatus das Sterberisiko von Arbeitnehmern in Deutschland. Das berechneten jetzt Forscher des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR). „Zum ersten Mal stehen wir auf sicherer Datenbasis, wenn wir die einzelnen Faktoren und ihren Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland bewerten“, sagt Co-Autor Pavel Grigoriev. Ähnliche Studien für Deutschland nutzten wesentlich kleinere Datensätze und waren daher weniger aussagekräftig.

Ost- oder Westdeutschland?
Per se nicht entscheidend

Die neuen Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, einen Job zu haben: Arbeitslosigkeit verdoppelt das Sterberisiko, lautet eines der Ergebnisse, die Grigoriev gemeinsam mit Rembrandt Scholz und Vladimir M. Shkolnikov im Wissenschaftsmagazin BMJ Open veröffentlicht hat. Noch wichtiger sei das Einkommen, vor allem für die Männer: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftels lag um 150 Prozent über dem des am besten verdienenden. Schlechtere Bildung erhöhte das Sterberisiko für Männer um etwa 30 Prozent.

Um die Sterberisiken vergleichbar zu machen, rechneten die Forscher den Einfluss des Alters heraus. So spielt es etwa keine Rolle, dass Arbeitslose im Durchschnitt älter sind als Menschen mit Job, und schon daher häufiger sterben. Vielmehr wurde die Altersstruktur aller Bevölkerungsgruppen statistisch so angeglichen, dass alle die gleiche Zusammensetzung hatten. Die Unterschiede bei der Sterblichkeit seien daher auch nur noch auf die verbleibenden Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen zurückzuführen.

Diese Grafik zeigt das Sterberisiko unter den Einflussfaktoren Einkommensniveau und Bildungsstand für Männer und Frauen in Ost- und Westdeutschland. Dabei ergeben sich 20 unterschiedliche Einkommens- und Bildungsgruppen, die alle zum Referenzwert 1, der Gruppe mit der höchsten Bildung und dem höchsten Einkommen ins Verhältnis gesetzt werden. In Ostdeutschland zählen 14 Prozent der Männer zur Gruppe mit dem niedrigsten Einkommen und der niedrigsten Bildung. Im Vergleich zur Gruppe Männer mit dem höchsten Einkommen und der höchsten Bildung, haben sie ein achtfaches Risiko zu sterben.  Quelle: © MPIDR/Pavel Grigoriev 

„Einen verschwindend geringen Einfluss auf das Sterberisiko hat die Wohnregion“, sagt Grigoriev. Zwar sei das Sterberisiko im Osten etwa für die Männer um ein Viertel höher als im Westen. Rechnet man aber die Einflüsse von Arbeitslosigkeit, Bildung, Einkommen und Nationalität heraus, verschwinde der Unterschied. Dass die Sterblichkeit der Männer im Osten höher ist, liegt also daran, dass es dort einen höheren Anteil an Arbeitslosen, an weniger Gebildeten und an Geringverdiener gebe. „All diese Faktoren erhöhen die Sterblichkeit.“

Höheres Sterberisiko für Männer
mit niedrigstem Status

Andere in Ost und West unterschiedliche Faktoren, wie etwa die medizinische Infrastruktur, scheinen hingegen eine verschwindende Rolle zu spielen. Wie extrem der sozioökonomische Status, vor allem Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung, die Überlebenschancen beeinflusst, zeige die am stärksten benachteiligte Gruppe der Männer im Osten: 14 Prozent zählen hier zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht. Diese Gruppe hat im Vergleich zur höchsten Einkommens- und Bildungsschicht ein mehr als achtmal so hohes Sterberisiko.

In Westdeutschland ist die am stärksten benachteiligte Gruppe unter den Männern mit rund 11 Prozent Bevölkerungsanteil kleiner, und mit einem gut fünfmal so hohen Sterberisiko etwas weniger benachteiligt, erklärt Grigoriev. Zumindest für die Männer sind die Sterberisiken im Osten also deutlich ungleicher verteilt als im Westen, so der Studienautor weiter. Trotzdem beeinflussen demzufolge auch im Westen Einkommen und Arbeitslosigkeit das Sterberisiko erheblich.

Bei den Frauen sind die Unterschiede vor allem beim Einkommen weniger stark ausgeprägt. Arbeitslosigkeit und Bildung wiegen gleich schwer wie bei den Männern. Ihre für Deutschland gültigen Erkenntnisse für die sozialen Zusammenhänge von Sterberisiken gewannen die MPIDR-Forscher, indem sie Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmern hierzulande auswerteten. Sie fassten anonymisierte Informationen von allen Rentenversicherten in Deutschland zusammen, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren.

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