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Senior in der eigenen Wohnung: Umkehrhypotheken haben hierzulande kaum Bedeutung als Instrument zur Altersvorsorge.  | © Rainer Sturm / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Altersvorsorge in Deutschland Immobilien haben hierzulande hohen emotionalen Wert

In den USA und Großbritannien sind Umkehrhypotheken (Englisch: Reverse Mortgages) weit verbreitet, um beispielsweise die Altersvorsorge zu ergänzen. Dazu können Immobilieneigentümer ihre schuldenfreie Wohnung im Alter beleihen. Ihr bislang gebundenes Vermögen wandeln sie so in monatliche Auszahlungen um. Die Zins- und Tilgungsleistungen sind erst am Vertragsende aus dem Wert der Immobilie zu begleichen. Bis zu ihrem Tod oder Umzug in ein Pflegeheim bleiben die Bewohner Eigentümer der Immobilie.

Dieses Modell stößt in Deutschland jedoch auf viel Widerstand. Und daran dürfte sich in Zukunft auch wenig ändern, erwarten die Teilnehmer einer aktuellen Umfrage des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Für seinen Finanzmarkttest befragt das ZEW monatlich bis zu 200 Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen nach ihren Einschätzungen zu Markttrends und bittet sie um Prognosen wichtiger internationaler Finanzmarktdaten.

Hoher emotionaler Wert der Immobilie

Weniger als 30 Prozent der Befragten erwarten einen starken beziehungsweise sehr starken Bedeutungsgewinn von Umkehrhypotheken als Altersvorsorgeinstrument in Deutschland. Rund 45 Prozent gehen von keinem oder nur geringen Zuwachs aus. Den deutschen Finanzmarktexperten zufolge hemmt vor allem der hohe emotionale Wert der Immobilie die Nachfrage nach Umkehrhypotheken hierzulande: Insgesamt 88 Prozent der Befragten schätzen dies als starkes bis sehr starkes Hindernis für das Produkt ein.

Karolin Kirschenmann, ZEW

Der zweitwichtigste Grund für eine geringe Akzeptanz von Umkehrhypotheken sei ihre Komplexität: 79 Prozent der Befragten stellen Verständnisprobleme auf der Nachfrageseite fest. Wenig Einfluss auf die potenzielle Nachfrage nach Umkehrhypotheken dürften hingegen ihre Kosten haben, sagen die befragten Finanzexperten. Ebenso sehen die Verantwortlichen auf der Anbieterseite künftig lediglich einen eher geringen Bedarf an Umkehrhypotheken aufgrund mangelnder Liquidität deutscher Seniorenhaushalte.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass Umkehrhypotheken zur Absicherung im Alter als nicht sehr bedeutend eingeschätzt werden“, kommentiert Karolin Kirschenmann, stellvertretende Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement und Ko-Autorin der Auswertung. Es überrasche sie daher nicht, dass nur rund 10 Prozent der Unternehmen, in denen die Teilnehmer unseres Finanzmarkttests beschäftigt sind, über die Einführung eines solchen Produkts diskutierten.

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