Altersvorsorge: Kampf um Prämiengelder

Quelle: Fotolia

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Knifflig wird das kommende Jahr für die deutschen Versicherer laut Branchenverband GDV. Trotz recht guter Ausgangslage – viele Bundesbürger werden durch Konjunkturpaket II und Bürgerentlastungsgesetz 2010 etwas mehr Geld übrig haben – sind viele durch die Finanzkrise nach wie vor verunsichert. Sein Geld langfristig zu binden, fällt da schwer. Für die Branche bedeutet das vor allem eins: Sie muss sich mit Produktinnovationen und Tarifweiterentwicklungen noch stärker auf den Kunden ausrichten und Flexibilität bieten.

Trend 1: Rente plus Pflege

Eine Weiterentwicklung ist die Pflegeoption, Life Care Annuity nennt sich das auf Neudeutsch. Der Bedarf ist da: Derzeit sind laut Statistischem Bundesamt über 2 Millionen Deutsche pflegebedürftig, Schätzungen zufolge soll die Zahl bis 2020 um 40 Prozent steigen.

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Die gesetzliche Pflegekasse hat allerdings jetzt schon Probleme, die Kosten aufzufangen. In der neuen Bundesregierung gibt es deshalb Pläne, die Bundesbürger dazu zu verpflichten, privat für den Pflegefall vorzusorgen.'

Pflicht oder nicht, ein Problem ergibt sich dabei immer: Die frei verfügbaren Mittel der Deutschen sind begrenzt. Altersvorsorge, Gesundheit und Pflegeabsicherung konkurrieren um das gleiche Geld. Deshalb hat die Idee, Altersvorsorge und Pflegefallabsicherung zu verzahnen, ohne einen zusätzlichen Beitrag zu erheben, durchaus ihren Charme.

Pionier auf diesem Gebiet ist die Versicherung Provinzial mit ihrer Pflegerentenoption. Der Kunde bekommt eine höhere Rente, wenn er beim Renteneintritt pflegebedürftig ist – ohne Extrakosten. „Die Pflegerentenoption bietet einen Schutz für Versicherte, die sich eine eigene Pflegefallabsicherung nicht leisten können“ sagt Vorstand Peter Hanus. Kostenlos sei sie, weil sich die zusätzliche Rente durch die geringere Lebenserwartung der Pflegebedürftigen gegenfinanziere (eine Variante dieser Absicherung ist die Extra-Rente der LV 1871, sie bietet eine höhere Rente, wenn Versicherte bei Rentenbeginn an einer schweren Krankheit leiden, siehe Tabelle links). "Vorteilhafter für Versicherte wäre es, wenn Versicherer eine zeitlich unbeschränkte Pflegeoption anbieten würden"

Seit gut einem halben Jahr ist auch die Concordia-Tochter Oeco Capital mit dem Produkt Oeco Futur dabei. Bei Vertragsbeginn weist der Versicherer einen Wert aus, um den sich die Rente bei Pflegebedürftigkeit mindestens erhöht. Ein 35-jähriger Mann, der monatlich 100 Euro in die Police einzahlt, bekommt mit 65 Jahren eine monatliche garantierte Rente von rund 170 Euro. Ist er zum Rentenbeginn pflegebedürftig, gibt es mindestens 310 Euro pro Monat. Diese Option ist immer mitversichert, einen Extrabeitrag kostet sie nicht.

Einen Haken gibt es allerdings: Das späteste Alter für den Rentenbeginn liegt bei Oeco Futur bei 70 Jahren (bei der Provinzial sind es 85 Jahre). Zu früh, sagt Tian Zhou-Richter, die mit Professor Helmut Gründl ein Forschungsprojekt zum Thema Life Care Annuities an der Berliner Humboldt-Uni durchführt. „Mit 65 oder 70 Jahren ist das Pflegerisiko noch nicht so hoch“, sagt die Expertin.

Und die Statistik gibt ihr Recht. In dieser Altersgruppe liegt die Wahrscheinlichkeit, zum Pflegefall zu werden, bei 3 Prozent. Bei 75- bis 85-Jährigen steigt der Wert dagegen schon auf 14 Prozent, bei 85- bis 90-Jährigen auf 37 Prozent. „Vorteilhafter für Versicherte wäre es deshalb, wenn Versicherer eine zeitlich unbeschränkte Pflegeoption anbieten würden“, empfiehlt Zhou-Richter möglichen Nachahmern. Trend 2: Garantie in Ein-Prozent-Schritten

Garantien werden auch 2010 eine entscheidende Rolle im Fondspolicengeschäft spielen. In der Maklertrendstudie 2009/2010, die die Vertriebsservice-Gesellschaft und Deutsche-Ring-Tochter Maklermanagement.ag jedes Jahr veröffentlicht, gaben 85 Prozent der 300 befragten Makler an, Garantieprodukte würden stark von Kunden nachgefragt. Drei Viertel glauben, dass das auch künftig der Fall sein wird. Interessant dabei: Der Großteil der unabhängigen Vermittler schreibt denjenigen Produkten in Zukunft gute Verkaufschancen zu, bei denen der Versicherte das Garantieniveau selbst bestimmen kann.

Die Meinung dieser 75 Prozent deckt sich mit der von rund einem halben Dutzend Versicherern, darunter LV 1871, Württembergische und HDI-Gerling. Sie haben zuletzt Produkte auf den Markt gebracht, bei denen sich das Garantieniveau in Ein-Prozent-Schritten einstellen lässt. Die flexiblen Garantiepolicen sind Drei-Topf-Hybride. Für die Garantien schichten die Versicherer um zwischen klassischem Deckungskapital, Wertsicherungsfonds mit einer monatlichen 80-Prozent-Werterhaltgarantie und einem dritten Fondstopf, der individuell vom Kunden bestückt werden kann.