Das neue Altersvorsorgedepot (AVD) stößt bei Förderberechtigten auf hohe Abschlussbereitschaft – doch die Begeisterung für das ab Januar 2027 verfügbare Produkt dürfte vor allem zu Lasten bestehender Riester-Verträge gehen. Zwei aktuelle Umfragen zeichnen ein übereinstimmendes Bild: Der Markt steht vor einer erheblichen Umschichtung.
Jeder Zweite erwägt Altersvorsorgedepot
Laut einer repräsentativen Online-Befragung des digitalen Vermögensverwalters Quirion, durchgeführt von Puls Marktforschung unter 1.004 förderberechtigten Personen zwischen 16 und 60 Jahren, können sich bereits 52 Prozent der Befragten eine AVD-Eröffnung vorstellen. 46 Prozent der Abschlussbereiten wollen direkt zum 1. Januar 2027 einsteigen.
Das Interesse übertrifft damit laut Quirion die frühen Riester-Werte deutlich: Einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung zufolge wollte bis Ende 2002 nur jeder Sechste die Riester-Rente zum Aufbau seiner Altersvorsorge nutzen.
Unter den von Quirion befragten Riester-Kunden zeigt sich ebenfalls eine hohe Wechselbereitschaft: 22 Prozent planen, ihren aktiven Riester-Vertrag direkt in ein AVD zu übertragen; weitere 26 Prozent wollen den Riester-Vertrag ruhen lassen und parallel ein AVD eröffnen.
Jeder vierte Riester-Kunde will wechseln
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Marktuntersuchung „Altersvorsorge im Aufbruch“ von Sirius Campus und dem Vorsorgespezialisten Aeiforia. In der Online-Erhebung unter 1.013 repräsentativ befragten Förderberechtigten wurde die Abschlussbereitschaft für das AVD unter Riester- und Nicht-Riester-Kunden untersucht.
Demnach sind 26 Prozent der befragten Riester-Kunden bereits fest entschlossen, in das neue Produkt zu wechseln; weitere 57 Prozent sind noch unschlüssig.
Von den 29 Millionen Förderberechtigten ohne bisherigen Riester-Vertrag planen bereits 17 Prozent – rund 5 Millionen Personen – einen AVD-Abschluss. Eine Gesamtquote über alle 44 Millionen Förderberechtigten weist Sirius Campus nicht aus.
44 Prozent der Riester-Kunden unzufrieden
Für bestehende Riester-Anbieter – insbesondere Lebensversicherer – sind die Ergebnisse beider Studien besorgniserregend. Laut Sirius Campus sind derzeit 44 Prozent der Riester-Kunden mit ihrem Vertrag unzufrieden, besonders solche mit einer Riester-Rentenversicherung.
Von den rund 9,7 Millionen Rentenversicherungen (Kapitalstock: rund 128 Milliarden Euro) dürften nach Hochrechnung der Studie 38 Prozent der bereits Entschiedenen ihren Vertrag kündigen und den angesparten Kapitalstock von rund 49 Milliarden Euro in ein AVD überführen.
Ein weiteres Fünftel (19 Prozent) plane die Beitragsbefreiung. In der Summe könnten die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer für Riester-Rentenversicherungen laut Sirius Campus um jährlich 3,4 Milliarden Euro zurückgehen – ein Rückgang von mehr als der Hälfte (57 Prozent).
Auch bei den anderen Riester-Varianten zeichnen sich Abflüsse ab: Fondsgesellschaften müssen demnach mit 5,1 Milliarden Euro, Bausparkassen mit 6,9 Milliarden Euro und Banken mit 2 Milliarden Euro aus ihrem Riester-Kapitalstock rechnen.
64,8 Milliarden Euro werden aus Riester-Verträgen ins AVD fließen
Insgesamt, so Sirius Campus, dürften 64,8 Milliarden Euro – mehr als ein Viertel des rund 225 Milliarden Euro schweren Gesamtkapitalstocks aller Riesterverträge – in das neue Fördersystem überführt werden. Die laufenden Beitragseinnahmen in Riesterverträgen könnten sich von 10,4 Milliarden Euro jährlich auf 4,3 Milliarden Euro mehr als halbieren.
„Lebensversicherer müssen aktiv werden, um Abflüsse aus den Riesterbeständen zu minimieren. Zum Beispiel durch eine qualitativ hochwertige Beratung und Kundeninformation, damit Fehlentscheidungen und unter Umständen auch Haftungsansprüche vermieden werden. Der Teufel steckt im Detail: neues Recht gegen altes Recht, Kosten-, Garantie- beziehungsweise Renditevergleich – und das alles ist immer im Hinblick auf die Situation der Kunden zu bewerten und zu dokumentieren“, sagt Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia.



