Ab 2027 fördert der Staat das Sparen fürs Alter neu. Das Altersvorsorgedepot löst die Riester-Rente ab – ein Wertpapierdepot mit Zulagen, aber ohne Garantie. Für viele Sparer stellt sich damit eine Frage: Lohnt sich das geförderte Depot mehr als ein gewöhnlicher ETF-Sparplan? Die Antwort darauf hängt von Faktoren wie dem Steuersatz, der Restlaufzeit, dem Familienstand und dem Preis ab.
Was das Altersvorsorgedepot bietet
Beim neuen Altersvorsorgedepot können Anleger ihr Geld ab Januar 2027 am Kapitalmarkt investieren. Bei jedem Anbieter soll es ein Standarddepot geben, dessen Effektivkosten 1,0 Prozent im Jahr nicht übersteigen dürfen. Zu Rentenbeginn lassen sich bis zu 30 Prozent auf einen Schlag entnehmen, der Rest fließt in eine lebenslange Rente oder – neu gegenüber Riester – in einen Auszahlplan mit monatlichen Raten mindestens bis zum 85. Lebensjahr.
Wie hoch die Zulagen ausfallen
Die Förderung knüpft an die Einzahlung an, und sie sinkt mit der Höhe: Für jeden Euro bis zu einer Jahressumme von 360 Euro legt der Staat 50 Cent dazu, für die nächsten 1.440 Euro noch 25 Cent. Aus 1.800 Euro Eigenbeitrag wird so ein Guthaben von 2.340 Euro, die Grundzulage beträgt bis zu 540 Euro. Einzahlen lassen sich bis zu 6.840 Euro jährlich – die Zulage steigt dadurch aber nicht weiter. Für jedes Kind kommen 300 Euro hinzu, die volle Kinderzulage gibt es bereits ab 25 Euro Monatsbeitrag. Wer vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus. Erstmals können auch Selbstständige und Freiberufler die Förderung nutzen.
Der freie ETF-Sparplan – flexibel, aber ohne Zuschuss
Ein gewöhnlicher ETF-Sparplan im eigenen Depot kennt diese Zulagen nicht. Dafür bleibt der Sparer frei: Er kommt jederzeit an sein Geld, kann aus einer unbegrenzten Anzahl an ETFs wählen und braucht bei der Sparrate keine Rücksicht auf Zulagen nehmen. Steuerlich fällt auf Erträge die Abgeltungsteuer an – allerdings bleiben 1.000 Euro Kapitalerträge im Jahr über den Sparerpauschbetrag steuerfrei, und bei Aktienfonds sowie den meisten Aktien-ETFs sind über die Teilfreistellung 30 Prozent der Erträge von vornherein von der Steuer befreit.
Vier Größen entscheiden über den Vorsprung
Ob das geförderte Depot vorn liegt, hängt vor allem an vier Stellschrauben.
- Die Restlaufzeit: Zulagen und steuerfreie Wiederanlage wirken über die Zeit. Je mehr davon Anleger bis zum Ruhestand noch vor sich haben, desto größer fällt der Zinseszinseffekt auf die Zulagen aus.
- Die Kinderzulagen: 300 Euro je Kind und Jahr sind der stärkste Einzelhebel.
- Die Steuersatzspreizung: Entscheidend ist nicht der Grenzsteuersatz heute, sondern sein Abstand zum Satz im Alter – fällt dieser deutlich niedriger aus, wird die nachgelagerte Besteuerung zum Gewinn.
- Die Beitragshöhe: Gefördert werden bis 1.800 Euro. Alles darüber wird ohne Zulagen angelegt.
Wie stark der Zinseszins zieht, zeigt eine Flossbach-von-Storch-Studie. Ein 20-jähriger Berufseinsteiger, der 50 Jahre lang jährlich 2.340 Euro einzahlt, kommt im Median auf rund 550.000 Euro – nach Abzug der Inflation etwa 200.000 Euro heutiger Kaufkraft. Die Rentenlücke ist damit fast geschlossen. Wer erst mit 45 beginnt und dieselbe Summe in 25 Jahren einzahlt, erreicht nur gut 120.000 Euro.
Auch eine Modellrechnung von DAS INVESTMENT zeigt den Hebel für Junge: Ein 18-jähriger Azubi, der 25 Euro im Monat anlegt, käme auf gut 537 Euro zusätzliche Monatsrente.
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Wann der Steuervorteil kippt
Der Steuervorteil ist keine Selbstverständlichkeit. „Grundsätzlich ist das AVD vorteilhafter, wenn während der Erwerbsphase ein hoher Grenzsteuersatz vorliegt und in der Ruhestandsphase entsprechend ein geringer“, erklärt Thomas Wolff vom VZ Vermögenszentrum gegenüber DAS INVESTMENT. In seinem Fallbeispiel zahlt eine 35-Jährige jährlich 1.800 Euro ein. Im freien ETF-Depot summiert sich das Kapital bis zur Rente auf 163.602 Euro, was einer monatlichen Bruttoauszahlung von 1.036 Euro entspricht – netto bleiben je nach Teilfreistellung 912 oder 858 Euro. Dieser Betrag steht fest, unabhängig vom Steuersatz im Alter.
Im Altersvorsorgedepot fällt das Kapital höher aus, weil die Erträge in der Ansparphase unversteuert bleiben und die unversteuerten Beiträge die ganze Zeit mitarbeiten. Bei einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent im Berufsleben – das entspricht einem zu versteuernden Einkommen von rund 50.000 Euro – kommt das Depot laut Musterrechnung bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent pro Jahr und ohne Kinderzuschlag auf 233.873 Euro und damit auf 1.480 Euro Bruttoauszahlung im Monat, bei 42 Prozent sind es 247.927 Euro und 1.569 Euro. Die Auszahlung ist hier aber voll steuerpflichtig, was übrig bleibt, entscheidet der Steuersatz im Ruhestand. Liegt dieser niedrig, ist der Vorsprung beträchtlich: Bei 42 Prozent in der Sparphase und 25 Prozent im Alter zahlt das AVD rund 29 Prozent mehr aus als das freie Depot mit Teilfreistellung. Kehrt sich das Verhältnis um – 35 Prozent im Beruf, 42 Prozent im Ruhestand –, rutscht das geförderte Depot dagegen etwa 6 Prozent oder 53 Euro im Monat unter den freien Sparplan.
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Der Preisunterschied
Ein Unterschied zwischen Altersvorsorgedepot und ETF-Sparplan, dessen Größe bisher noch nicht ganz klar ist, ist der Preis. Beim Altersvorsorgedepot müssen Anbieter per Gesetz ein Standarddepot anbieten, dessen Kosten 1 Prozent nicht überschreiten dürfen. Gängige, weltweit streuende ETFs, wie beispielsweise der SPDR MSCI ACWI IMI ETF (ISIN: IE00B3YLTY66, TER: 0,17 Prozent), der Vanguard FTSE All-World ETF (ISIN: IE00B3RBWM25, TER: 0,14 Prozent) oder auch der iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983, TER, 0,20 Prozent) sind mit 0,14 bis 0,2 Prozent Gebühren pro Jahr jedoch deutlich günstiger. Nun hat Scalable Capital kürzlich als erster Anbieter angekündigt, das Standarddepot künftig kostenfrei anbieten zu wollen. Zahlen müssen Anleger allein die Fondsgebühr. Für diese laufenden ETF-Kosten setzt der Anbieter eine Obergrenze von 0,15 Prozent pro Jahr an und will sie im Startjahr sogar auf null senken. Für Anleger mit einem langen Anlagehorizont kann es sich in jedem Fall lohnen, die Preisentwicklung in der Branche genau zu beobachten, da auch kleine Preisdifferenzen über die Zeit einen großen Unterschied machen können.
Wo das Depot an Grenzen stößt
Der größte Unterschied taucht in keiner Renditezahl auf: die Verfügbarkeit. Ein freies Depot lässt sich jederzeit auflösen, das Altersvorsorgedepot nicht – wer vorzeitig an das Kapital will, verliert hier die Förderung.
Die Lebensphase entscheidet
Ein Patentrezept gibt es nicht. Kurz vor dem Ruhestand, ohne zulagenberechtigte Kinder und mit ohnehin niedrigem Grenzsteuersatz fällt der Vorsprung des geförderten Altersvorsorgedepot klein aus. Auch wer seinen Sparerpauschbetrag ohnehin nicht ausschöpft oder größere Einmalbeträge etwa aus einer Erbschaft anlegen will, fährt mit dem freien Sparplan oft besser. Für junge Sparer und Familien mit langem Anlagehorizont holen Zulagen und Steuerstundung meist deutlich mehr heraus.
Wer flexibel bleiben, größere Summen anlegen oder ohnehin nur wenige Jahre sparen will, ist mit dem freien ETF-Sparplan häufig besser bedient. In vielen Fällen dürfte eine Kombination aus beidem am sinnvollsten sein.