Altlasten der Commerzbank

Wolfgang Schäuble und der lange Schatten der Steuersünder

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Wolfgang Schäuble hat es derzeit nicht einfach. Die nicht enden wollenden Diskussionen zwischen der neuen griechischen Regierung und den anderen Euro-Mitgliedern um weitere Finanzhilfen und die Umsetzung von Reformen lassen den deutschen Finanzminister nicht zur Ruhe kommen. Immerhin ist Deutschland mit Bürgschaften über gut 53 Milliarden Euro größter Gläubiger Athens.

Vertrauen spielt bei den Verhandlungen mit den Griechen eine große Rolle. Vertrauen muss Schäuble auch gehabt haben, als er Ende 2008 im Bundeskabinett als damaliger Innenminister der Rettung der Commerzbank zustimmte. Insgesamt 18,2 Milliarden Euro hatte der Bund daraufhin über den staatlichen Rettungsfonds Soffin in die Bank gepumpt. Daher ist es mehr als brisant, dass die Commerzbank einer Reihe von Kunden über eine Luxemburger Tochter mit Briefkastenfirmen in Panama zum Steuerbetrug verholfen haben soll. Dem Bund als nach wie vor größtem Aktionär wird es auch nicht schmecken, dass die Commerzbank im Rahmen eines Vergleichs mit der US-Justiz 1,45 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen hat. Hintergrund war ein Verstoß gegen US-Sanktionen durch die Abwicklung von Geschäften für iranische und sudanesische Kunden. Der Jahresgewinn der Bank fällt damit um 56 Prozent geringer aus als ursprünglich angekündigt.

Geringer als manch einer vielleicht erwarten würde ist auch das Gewicht der Commerzbank-Aktie im größten europäischen Bankenindex. Gerade einmal 1,1 Prozent macht sie deshalb in Indexfonds wie dem I-Shares Stoxx Europe 600 Banks ETF oder dem Lyxor ETF Stoxx Europe 600 Banks aus. Größter Wert mit 14 Prozent ist die britische Großbank HSBC, die mit einer Schweizer Tochtergesellschaft unlängst ebenfalls wegen Steuerhinterziehung auffiel. Mit 3,9 Prozent deutlich niedriger gewichtet, aber dennoch zu den Top-Werten gehörend, ist die HSBC-Aktie unter anderem im LVM Europa-Aktien-Fonds zu finden. Mit Barclays (4,8 Prozent), BNP Paribas (3,5 Prozent) und der Deutschen Bank (4,1 Prozent) zählen darin noch drei weitere europäische Banken zu den Top-5-Positionen.

Obwohl auch die Deutsche Bank derzeit eher mit Negativ-Schlagzeilen auffällt, setzen viele Fondsmanager weiter auf den deutschen Branchenprimus, etwa Paul Vrouwes mit 3,3 Prozent im ING Invest Banking & Insurance. Auch Markus Stillger, Geschäftsführer der Limburger Fondsboutique MB Fund Advisory, favorisiert die Deutsche Bank-Aktie. Mit über 8 Prozent ist sie zweitstärkster Wert im von ihm gemanagten HAIG MB Max Value. Stillger sieht ein „riesiges Potential“ in der Vermögensverwaltung, das im Kurs der Aktie noch nicht enthalten sei.

Die skandinavische Großbank Nordea macht derweil im Kreditbereich von sich reden: Sie versüßt Häuslebauern den Traum von Eigenheim, indem sie Hypothekendarlehen mit einem Zinssatz von minus 0,03 Prozent vergibt. Schuldner müssen also weniger als die aufgenommene Kreditsumme zurückzahlen. Was auf den ersten Blick wie ein schlechtes Geschäft für die Bank aussieht, ist auf den zweiten Blick eine Win-win-Situation: Würde Sie etwa ihr Geld bei der dänischen Notenbank parken, müsste sie noch deutlich mehr berappen. Denn dort liegt der Leitzins derzeit bei minus 0,75 Prozent. Insgesamt scheint Nordea mit seiner Strategie auf dem richtigen Weg zu sein: Für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014 schüttete die Bank jetzt eine Rekord-Dividende von 0,62 Euro pro Aktie aus. Kein Wunder, dass sie im M&G Pan European Dividend Fund mit 4,4 Prozent drittstärkster Wert ist. Und als sogar größter Wert steckt sie im BGF European Equity Income Fund (3,5 Prozent).

In punkto Steuern haben skandinavische Banken wie Nordea, SEB und Swedbank bislang noch weiße Westen. Davon kann Wolfgang Schäuble nur träumen. Das leidige Thema verfolgt ihn bis in die Griechenland-Gespräche. Immer wieder betont er, das Land müsse im Rahmen seiner Reformen deutliche Zeichen setzen im Kampf gegen Steuerbetrüger. Es sieht so aus, als sollten auch die Griechen noch viel lernen von einem seiner vielen Zitate: „Manchmal ist die Phantasie des Steuerzahlers größer als die Regelungskraft des Gesetzgebers.“

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