Seit letztem Sommer hat sich die Stimmung in der Venture-Capital-Branche (VC) deutlich eingetrübt: VC-Investitionen sind um mehr als 50 Prozent zurückgegangen, mehr als zwei Drittel der Investoren bezeichnen die Situation als schlecht bis sehr schlecht. Aber das Thema Künstliche Intelligenz (KI) widersetzt sich dem allgemeinen Trend. Etwa 40 Prozent aller Venture-Investitionen in 2023 flossen an KI-Unternehmen. Und wir stehen - trotz des Siegeszugs generativer KI wie ChatGPT - immer noch am Anfang der KI-Revolution. Führende Unternehmensberatungen erwarten ein mittleres Wachstum im KI-Bereich von 40 Prozent pro Jahr bis 2030. Das ist rekordverdächtig.

In Deutschland gibt es jedoch eine Investitionslücke, für innovative Ideen ist viel zu wenig Kapital vorhanden.

Das betonten auch die Wirtschaftsweisen in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresgutachten. Dadurch sind KI-Unternehmen hierzulande deutlich günstiger als in den USA oder Asien. Was wiederum interessante Chancen für Wagniskapitalgeber bietet: Wer heute in KI investiert, steigt bei niedrigen Bewertungen in eine Branche mit außergewöhnlichen Wachstums- und Renditechancen ein.

An KI kommt niemand vorbei

KI ist aktuell das dominierende Investment-Thema im Technologiesektor und darüber hinaus. Die Veröffentlichung von ChatGPT vor rund einem Jahr hat der Technologie zum Durchbruch in der öffentlichen Wahrnehmung und der Finanzwelt verholfen.

Auch in den deutschen Führungsetagen steht das Thema KI oben auf der Tagesordnung. McKinsey sieht in seiner neuesten Studie generative KI als Produktivitäts-Booster und schätzt das wirtschaftliche Wertschöpfungspotenzial durch KI auf 35 bis 70 Prozent.

 

Jede Branche und jeder Unternehmensbereich wird in unterschiedlicher Weise davon profitieren - durch bessere Produkte und Services, mehr Effizienz sowie neue Geschäftsmodelle. Ergebnis: geringere Kosten und mehr Umsatz.

Von den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt haben sieben KI als wesentliche Komponente in ihrem Geschäftsmodell: Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Tesla und Meta.

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Aber nicht nur in der Wirtschaft spielt KI eine große Rolle. Auch in anderen elementar wichtigen Feldern wie Klimaschutz, Ernährung, Bildung und Gesundheit wird die Technologie gebraucht und ist damit auch für Impact-orientierte Anleger und Investoren relevant. 

KI ist Tech im Turbo-Tempo 

Und das ist erst der Anfang, denn KI dringt in immer neue Gebiete vor - und ein Ende ist nicht absehbar. Mit fortschreitender Digitalisierung steigen auch die Datenmengen. Cloudbasierte Rechenkapazitäten sind kein Engpass mehr, und immer bessere KI-Modelle und -Tools machen die Entwicklung von Anwendungen zunehmend leichter. Die Folge ist exponentielles Wachstum in der KI-Adaption.

Für Investoren haben Technologiewerte - zusammen mit Gesundheits-, Finanz- und Nachhaltigkeits-Werten - schon lange die Charts der attraktivsten Investment-Themen angeführt. Und KI ist Tech im Turbo-Tempo - durch das schnelle Wachstum, die beinahe universelle Einsetzbarkeit und die hohe Skalierbarkeit überflügeln KI-Werte andere Sektoren in puncto Ertragserwartung und Rendite. Für Anleger und Investoren, die langfristig an dem Wachstum partizipieren wollen, ist jetzt also der richtige Zeitpunkt zum Einstieg.

 

KI in Europa - zu wenig Wagniskapital, aber viel Humankapital

Wenn man sich ansieht, wo in KI investiert wird, ist die Lage klar: Die USA investieren bei Weitem am meisten in KI, gefolgt von China. Europa rangiert weit abgeschlagen auf dem dritten Platz, mit nur etwa einem Zehntel der Investitionen in KI, die in den USA pro Kopf getätigt werden.

Noch extremer ist das Bild, wenn man nicht schaut, woher die Investitionen kommen, sondern wohin sie fließen. Hier ist der Vorsprung der USA noch größer. Erstaunlich ist, dass auch ein kleines Land wie Israel trotz seiner geringen Größe und schwierigen Situation in der Lage ist, hinsichtlich KI in der Premier League mitzuspielen. Pro Kopf wird dort sogar mehr in KI investiert als in den USA.

Es geht also nicht nur um Größe, sondern auch um Innovationskraft und -willen. Hier müsste sich Deutschland dazu aufraffen, statt auf Verwaltung und Bürokratie wieder deutlich mehr auf Innovationen zu setzen.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Tatsächlich steht Europa im Bereich Humankapital in KI deutlich besser da, als es den meisten bewusst ist. Sieht man sich die Herkunft der Code-Beiträge an, die auf der Softwareplattform Github veröffentlicht werden, steht Europa sogar auf Platz zwei hinter China. Darüber hinaus kommen laut OECD-Zahlen etwa 50 Prozent der KI-Experten in OECD-Ländern aus Europa. Wobei China als Nicht-OECD-Land in dieser Analyse nicht berücksichtigt ist. Europa stellt somit etwa doppelt so viele KI-Experten wie die USA.