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Aufbruch zum Wachstum

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Aufbruch zum Wachstum

Brexit-Gegner und -Befürworter: Die wirtschaftlichen Auswirkungen des EU-Austritts der Briten verlangsamen Europas Wirtschaftswachstum, erwartet Thomas Kruse, Investmentchef bei Amundi Deutschland. | © Getty Images

Amundi Chefanlagestratege Zurück zu den Fundamentaldaten

Thomas Kruse, Investmentchef von Amundi Deutschland

Während Europa auch Anfang 2019 um sich selbst kreist, ringen die USA mit China weiterhin um die Vorherrschaft in der Welt. Grund genug, sich anzuschauen, wohin sich die Wirtschaft im Jahr 2019 entwickeln wird. Das Wichtigste vorweg: Eine globale Rezession ist kein zentrales Szenario, das wir in diesem Jahr erwarten. Denn nach wie vor zeigt die US-Wirtschaft solides Wachstum und sollte weiterhin zulegen wenn auch mit abnehmender Geschwindigkeit. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sowohl die US-Notenbank (Fed) als auch US-Präsident Donald Trump gravierende politische Fehler vermeiden.

Im Vergleich zu den USA scheint sich das Wirtschaftswachstum in Europa deutlicher zu verlangsamen. Kein Wunder, schließlich trägt die Alte Welt die Hauptlast zahlreicher politischer Themen, darunter der Brexit, Italiens Finanzlage und die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich. Allerdings gibt es einige Risiken, die sich unserer Einschätzung nach abschwächen könnten. So messen wir beispielsweise dem schwächeren Ölpreis und dem Ausgang der Europawahlen Ende Mai inzwischen eine geringere Bedeutung bei. Aus diesem Grund sehen wir durchaus Chancen für eine mögliche Stabilisierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Eurozone im Laufe des Jahres. Zwar wird sich das Wachstum allem Anschein nach verlangsamen, jedoch dürfte es bis 2020 über seinem volkswirtschaftlichen Potenzialwachstum liegen.

US-Notenbank: Pausiert sie oder nicht?

Wir glauben nicht, dass die Fed, trotz verschärfter finanzieller Rahmenbedingungen, im Jahr 2019 die Füße stillhalten wird: Der Lohndruck am US-Arbeitsmarkt wird nicht nachlassen und die Fed würde ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen, wenn der Markt sie gegenüber Trumps politischen Wünschen als nachgebend empfinden sollte. Andererseits gehen wir davon aus, dass die US-Notenbank ihre Straffungsambitionen zurückfahren wird, da höhere Zinsen bereits die Unternehmensgewinne zu schmälern beginnen und die finanziellen Bedingungen für US-Unternehmen schwieriger werden. Dass die Maßnahmen der Fed auch Auswirkungen auf andere Zentralbanken haben, liegt auf der Hand. So wird es für die Europäische Zentralbank (EZB) schwieriger, die Zinsen anzuheben, sollte die Fed ihre Straffung der Geldpolitik aussetzen. Für 2019 und 2020 sehen wir in der Eurozone deshalb keine Normalisierung des Zinsniveaus.

Schwellenländer: Perfekter Sturm oder Erholungsgeschichte?

Ob höhere US-Zinsen oder ein robuster US-Dollar: Die Schwellenländer haben im vergangenen Jahr mehrfach unter kräftigem Gegenwind zu leiden gehabt. Dennoch könnte sich der Ausblick im ersten Halbjahr 2019 stabilisieren und sich im Jahresverlauf verbessern, auch dank einer zurückhaltenden Fed. Unser zentrales Szenario sieht deshalb eine sanfte Erholung in China angesichts des verfügbaren politischen Spielraums als realisierbar an. Entscheidend sind jedoch spezifische Faktoren in den jeweiligen Regionen – besonders in Lateinamerika – sowie die generellen Perspektiven des Welthandels.

Insgesamt sehen wir für die Schwellenmärkte nach wie vor ein günstiges Wirtschaftsszenario, für das Handelsstreitigkeiten und geopolitische Faktoren derzeit die Hauptrisiken darstellen. Dennoch sehen wir im robusten US-Dollar und im verlangsamten Wachstum der US-Wirtschaft gute Zeichen für ein zunehmendes Engagement in Schwellenländern.

Wir empfehlen daher, das Jahr 2019 mit einem vorsichtigen Ansatz bei den eher risikobehafteten Anlagen zu beginnen, und bereit zu sein, mögliche Chancen zu nutzen, die sich aus der aktuellen Neubewertung ergeben. Mit Blick auf die Schwellenländer schlagen wir vor, in kleinen Schritten einzusteigen, während in den Developed Markets der Fokus auf qualitativ hochwertige Assets gerichtet sein sollte, um überschuldete Unternehmen und weniger liquide Marktbereiche zu vermeiden.

Bei den Unternehmensanleihen könnte die jüngste Spread-Ausweitung zwar wieder Chancen eröffnen, jedoch empfehlen wir hier einen selektiven Ansatz, da die Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen, der Refinanzierungsbedarf und die hohe Verschuldung vieler Unternehmen diese Anlageklasse anfällig machen. Langfristige Anleger sollten sich daher wieder auf die essentiellen Grundlagen, also die Fundamentaldaten, besinnen, um in einer volatileren Welt gewinnbringende Vermögenswerte auszumachen.

Multi-Asset-Anleger: Aktien-Engagement begrenzen

Multi-Asset-Anleger sollten aus unserer Sicht aufgrund der schwächeren Wachstumsdynamik und geopolitischer Risiken ihr Engagement in Aktien und Unternehmensanleihen begrenzen. Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Portfolio-Diversifikation mittels regionaler Aktien. Die Schwellenländer ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil die US-Notenbank ihren Straffungszyklus beendet und die Bewertungen günstig sind. Auf der Anleiheseite empfehlen wir das Engagement in US-Staatsanleihen und ein eher vorsichtiges Engagement bei Unternehmensanleihen, mit der Option, diese im laufenden Jahr 2019 zu erhöhen.

Schwellenländeranleihen mit Chancen

Wir halten an einer nahezu neutralen Haltung zur Laufzeit von US-Staatsanleihen fest und sehen wenig Wert in kerneuropäischen Anleihen. Auch bei den Unternehmensanleihen empfehlen wir einen vorsichtigen Ansatz, da die Fundamentaldaten zwar relativ stabil bleiben, die Spreads jedoch aufgrund des steigenden Finanzierungsbedarfs unter Druck bleiben dürften. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir nach wie vor gering verschuldete Unternehmensemittenten. Bei Schwellenländer-Anleihen hingegen sind wir optimistischer, da der Markt trotz des Drucks auf die eher risikobehafteten Investments widerstandsfähiger erscheint.

Auf Einzelaktien statt Sektoren fokussieren

In den USA verlangsamt sich das Wachstum der Unternehmensgewinne aufgrund von Preisdruck und Konjunkturabschwächung. Für europäische Aktien mag das eine Herausforderung sein, für Aktien aus Schwellenländern hingegen ergeben sich aus dieser Entwicklung Chancen. Global betrachtet, halten wir jedoch an unserer Ausrichtung auf qualitativ hochwertige Unternehmen mit starken Bilanzen und chancenreiche Bewertungen fest. Anleger sollten sich vor diesem Hintergrund deshalb eher mit aussichtsreichen Einzelaktien als mit Sektoren befassen.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 20.12.2018. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.

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