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Themen-Experte
Aufbruch zum Wachstum

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Aufbruch zum Wachstum

Unterwegs auf der neuen Seidenstraße: Der „Yuxinou“-Güterzug verkehrt zwischen Chongqing in China und Duisburg. Yerlan Syzdykov von Amundi sieht viele ökonomische Chancen, die durch die neue Seidenstraße entstehen. | © Getty Images

Amundi-Experte im Interview

„Schwellenländer könnten einer der spannendsten Märkte des Jahres werden“

Yerlan Syzdykov, Deputy Head of Emerging Markets und Co-Head of Emerging Markets Fixed Income bei Amundi

Welche Erwartungen haben Sie als Experte für die Emerging Markets in 2019?

Yerlan Syzdykov: Zum Jahresauftakt haben wir bereits wieder einen Aufschwung verzeichnet. Ich bin überzeugt, die Emerging Markets kommen 2019 gut über diese temporäre Krise hinweg. Ich glaube sogar, dass die Schwellenländer einer der spannendsten Märkte des Jahres werden können. Das liegt zunächst an der zurückhaltenden Zinspolitik der US-Notenbank, die alle risikoreicheren Assets unterstützt. Aber auch aus fundamentaler Sicht sehen wir die stärkere Divergenz zu den Industriestaaten als positiv: Wachstum und Liquiditätsniveau in den Schwellenländern bewerten wir als gut – in Kombination mit einem Abschwung in den USA und anderen führenden Developed Markets spricht das für die Anlageklasse. Insbesondere, da eine Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA in Reichweite scheint. Also, nach dem Regenschauer lugt die Sonne wieder hervor.

Gilt das pauschal oder sehen Sie eine Differenzierung hinsichtlich Bonds und Equities?

Syzdykov: Den Erholungstrend sehe ich generell, jedoch deutlicher im Aktienbereich und vorsichtiger bei den festverzinslichen Anleihen. Allerdings waren zu Jahresbeginn an den starken Flows in die Emerging Markets viele Crossover-Investoren beteiligt – wir nennen das „Touristengeld“. Demnach müssen wir die Entwicklung aufmerksam beobachten und uns selektiv im Markt bewegen.

Aber Chinas Wachstum ist auch nicht mehr so hoch wie in den letzten Jahren. Bereitet Ihnen das nicht Sorge?

Syzdykov: Das stimmt zwar, die 6,5 Prozent-Marke werden wir 2019 kaum durchbrechen. Doch die Wachstumszahlen des ersten Quartals belegen die Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft und stützen unser Soft-Landing-Szenario vom Jahresbeginn auch für den Rest des Jahres. China hat den Abschwung nach unserer Auffassung gut gesteuert, etwa mit Steuersenkungen und anderen zielgerichteten Maßnahmen. Insgesamt lässt sich zudem feststellen, dass sich die Emerging Markets insgesamt ausdifferenziert haben. Der Blick allein nach China reicht nicht für eine fundierte Bewertung.

Was meinen Sie damit?

Syzdykov: Wenn man das BIP-Wachstum betrachtet reicht die Palette von Ländern in der Rezession – wie Argentinien und der Türkei – über solides Wachstum in einem breiten Mittelfeld bis hin zu den Philippinen und Indien, die noch stärker wachsen als China. Wir haben Schwellenländer, die unter dem Handelsstreit zwischen China und den USA leiden, etwa die asiatischen Tigerstaaten, aber auch Gewinner des Konflikts wie Mexiko und Vietnam. Diese und viele weitere Unterschiede innerhalb der Emerging Markets bieten uns Portfoliomanagern gute Möglichkeiten, differenziert zu investieren.

Zuletzt sorgte allerdings wieder ein ambitioniertes Projekt Chinas für hohe Aufmerksamkeit: die neue Seidenstraße. Wie bewerten Sie diesen wirtschaftlichen und politischen Expansionskurs?

Syzdykov: Wegen der vielen ökonomischen Chancen sehen wir die neue Seidenstraße positiv, ebenso den Einfluss Chinas in der Region: Die Chinesen haben die Bereitschaft, sich zu engagieren. Die Länder entlang der Seidenstraße haben nun praktisch zwei potente Geldgeber zur Wahl, wenn man die USA hinzunimmt. Das gibt Wettbewerb und wir erwarten sekundäres Wachstum in den betroffenen Staaten. Allerdings versuchen die USA, das Projekt in Misskredit zu bringen, da muss man aufmerksam bleiben.

Sie rechnen mit Chancen in den Schwellenländern, wo sehen Sie Risiken?

Syzdykov: Vorausgesetzt das Soft Landing Chinas klappt und die globale Konjunktur bleibt relativ stabil, beobachten wir vor allem geopolitische Themen. Neben dem Handelsstreit zwischen China und den USA, dem Syrienkonflikt oder der Diskussion um die Gas-Pipelines sind wir vor allem auf den Wahlkalender fokussiert: In der Ukraine hat es bereits einen Wechsel gegeben, auch in Südafrika oder Indien könnten größere Veränderungen anstehen, während sich die jüngsten Probleme in Argentinien nach der Wahl im Oktober wieder auflösen könnten. Im Fall Venezuelas rechnen wir hingegen mit einem länger andauernden Stillstand.

Nach welchen Kriterien selektieren Sie Ihre EM-Portfolios?

Syzdykov: Im Aktienbereich suchen wir vor allem nach günstigen Bewertungen, interessanten Dividenden und überzeugender Corporate Governance, also Unternehmensführung und -kultur. Wir setzen dabei konsequent auf Diversifikation. Insgesamt sehen wir das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Emerging Markets im Vergleich mit den USA oder dem globalen Markt als niedrig und somit attraktiv an. Allerdings bewerten wir einzelne Länder nach einer Vielzahl an Kriterien, etwa den jeweiligen makroökonomischen Daten und auch dem Währungsausblick, und konzentrieren uns dann selektiv auf die Länder mit dem höchsten Score und natürlich den besten Wachstumsdaten: Neben China etwa Indien, die Philippinen, Indonesien oder Peru und Südafrika. Auch die Dividenden vieler Unternehmen haben sich im Vergleich mittlerweile sehr positiv entwickelt. Wir führen das unter anderem auf die stetigen Verbesserungen bei der Corporate Governance zurück. Nebenbei bemerkt ist diese in den Schwellenländern bei Unternehmen mit hohem ESG-Score besonders weit entwickelt, so dass diese nachhaltigen Unternehmen den breiten EM-Markt seit ein paar Jahren klar outperformen.

Und wie beurteilen Sie die Entwicklung im Bereich Fixed Income in den Emerging Markets?

Syzdykov: Insgesamt sehen wir wieder eine bessere Marktstimmung für EM-Bonds, vor allem wegen der zurückhaltenden Politik der US-Notenbank. Die Renditen sind im Vergleich mit den Anleihen der Industrienationen weiterhin attraktiv, aber wir beobachten aufmerksam die Fundamentaldaten und sind hier selektiv. Was die Möglichkeit von Währungsgewinnen angeht sind wir sehr positiv und sehen Rückenwind für EM-Anleihen in lokalen Währungen.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 30.04.2019. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.

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