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Aufbruch zum Wachstum

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Aufbruch zum Wachstum

Naturparadies Cannes in Südfrankreich: Amundi will mit einem ambitionierten Dreijahresplan in möglichst alle hauseigenen Anlagen nachhaltige Aspekte einbringen. | © Getty Images

Amundi managt 275 Milliarden Euro in nachhaltigen Anlagen Europas Branchenführer lebt Verantwortung

Stanislas Pottier, Chief Responsible Investment Officer bei Amundi

Herr Pottier, was steckt hinter verantwortungsvollem Investieren?

Stanislas Pottier: Verantwortungsvolles Investieren folgt einer Grundidee: Das konkrete Investment – beispielsweise in eine Aktie oder Anleihe – wird nicht nur finanzwirtschaftlich und mit Blick auf kurzfristige Renditechancen und -risiken bewertet. Weitere Kriterien, etwa ökologischer, sozialer oder organisatorischer Art, werden bei der Analyse des Emittenten berücksichtigt.

Natürlich gilt nach wie vor: Die Prüfung eines Investments nach fundamentalen wirtschaftlichen Kriterien gehört zum Handwerkszeug eines Vermögensverwalters. Wer aber verantwortungsvoll investiert, erweitert den Prüfkatalog um ethische und nachhaltige Aspekte. Erst wenn auch dieser Check zu einem günstigen Ergebnis kommt, darf der Einzeltitel überhaupt für einen Investmentfonds berücksichtigt werden. Hinzu kommt: Verantwortungsvolles Investieren geht heute weit über die bewusste Auswahl nachhaltiger Einzeltitel hinaus. Denn nachhaltig orientierte Investoren können ihren Einfluss auf den jeweiligen Emittenten gezielt ausüben, etwa über die Stimmrechte als Aktionär.

Wie können sich Anleger mit ihrem Kapital für eine lebenswerte Welt einsetzen?

Pottier: Verantwortungsvolle Geldanlage kann durchaus einen ganz entscheidenden Beitrag leisten. Etwa durch gezielte Investitionen in Projekte, die zur CO2-Reduzierung beitragen. Oder durch Investitionen in Unternehmen, die ihre Mitarbeiter fair behandeln. Oder durch Portfolios, die umstrittene Waffenproduzenten ausschließen – um nur einige Beispiele zu nennen. Infolgedessen nimmt die Bedeutung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) im Finanzsektor rasant zu.

Wie prägt Amundi dieses Megathema?

Pottier: Amundi steht als einer der Pioniere für verantwortungsvolles Investieren schon seit langem mit an der Spitze der Entwicklung nachhaltiger Kriterien, Konzepte, Strategien und Produkte – für einen wachsenden Markt ökologisch und ethisch sensibler Investoren. Verantwortungsvolles Investieren ist sogar eines der Gründungsprinzipien von Amundi.

Zeigt sich der hehre Anspruch auch in Zahlen?

Pottier: Amundi verwaltet rund um die Welt 1,425 Milliarden Euro an Kundengeldern. Davon managen wir rund 275 Milliarden Euro in nachhaltigen Anlagen. Eine eigene Abteilung mit aktuell 24 Nachhaltigkeitsspezialisten widmet sich bei Amundi ausschließlich diesem Thema. Das ESG-Team erstellt die ESG-Analyse zu über 5.500 Emittenten von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. Diese Analyse setzt auf interne Vergleichswerte zu insgesamt 36 relevanten Kriterien, etwa zum Energieverbrauch, zu CO2-Emissionen, Arbeitnehmerrechten und Antikorruptionsmaßnahmen. Dabei nutzen wir die Expertise von acht renommierten Datenanbietern aus dem Nichtfinanzbereich sowie intern entwickelte Rating-Instrumente. Das Ergebnis der Analyse mündet in ein globales Rating, das von „A“, höchste Bewertung, bis „G“, niedrigste Bewertung, reicht.

Wie können die Kunden von diesen Ergebnissen profitieren?

Pottier: Mit unserer großen Expertise können wir unseren Kunden eine Vielzahl an verschiedenartigen, nachhaltigen Produktlösungen für alle Bedürfnisse anbieten. Dazu zählen Aktien-, Anleihen- und Mischstrategien, aber auch Themeninvestments und Passiv-Strategien. Darüber hinaus verfolgen wir eine aktive Engagement-Politik, um Unternehmen bei der Verbesserung der ESG-Praktiken durch Empfehlungen, Aktionärsdialog und Stimmrechtsausübung auf der Hauptversammlung zu unterstützen.

Amundi sieht sich dem Gedanken „Handeln statt Reden“ verpflichtet. Was verbirgt sich dahinter?

Pottier: Wir sind einer der Vordenker des nachhaltigen Wandels zu mehr Verantwortung in der Finanzbranche. Mit einem ambitionierten Dreijahresplan haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis Ende 2021 sollen die ESG-Kriterien und verantwortungsvolles Investieren für das gesamte Fondsmanagement gelten und vollständig in unsere Abstimmungspolitik und den Dialog mit den Aktionären integriert werden. Die ESG-Analyse auf Grundlage von ESG-Kriterien ergänzt systematisch unser klassisches Research. Dieser Nachhaltigkeits-Check soll – wann immer technisch möglich – auf das gesamte aktive und passive Fondsmanagement ausgedehnt werden.

Wie lassen sich die Bemühungen überprüfen?

Pottier: Für alle aktiv gemanagten Fonds wird verlangt werden, dass ihre ESG-Bewertung besser ausfällt als das ESG-Rating im Vergleich zur Benchmark. ESG-Anlagen mit passivem Management sollen massiv ausgebaut werden. Dazu wurde bereits eine neue SRI-ETF-Palette aufgelegt. Mit dem Aktionsplan „Ambition 2021“ unterstreichen wir von Amundi unser Engagement als verantwortungsbewusster Investor. Wir verpflichten uns, treuhänderische und soziale Verantwortung zu übernehmen.

Wir wollen nichts weniger als neue Branchenstandards setzen, die den Erwartungen unserer privaten und institutionellen Kunden heute und in Zukunft gerecht werden.

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