Analyse von HQ Trust Auch spätere Super-Aktien haben es anfangs schwer

Ein Glückspilz, wer von Anfang an dabei gewesen und dann einfach am Ball geblieben ist: Am 15. Mai 1997 begann das US-Unternehmen Amazon, seine Anteile an der Börse zu verkaufen. Aus dem ehemaligen Online-Buchhändler ist seither eine international erfolgreiche Handelsplattform und gleichzeitig ein gigantischer Datenkrake geworden. Die Aussicht auf zusätzliche Geschäftsfelder, die sich Amazon auf dieser Basis schon erschlossen hat, aktuell erschließt und noch erschließen kann, ist schwindelerregend.

Allein, wer hätte das 1997 schon gewusst.

Fondsmanager Sven Lehmann aus dem Bad Homburger Multi Family Office HQ Trust hat sich einige solcher Super-Aktien angesehen. Und zwar konkret jene Titel, die ihren Index, den internationalen Aktienindex MSCI ACWI, seit dem Jahr 1994 im Schnitt um zehn Prozent übertroffen haben – und zwar pro Jahr und das zehn Jahre lang in Folge.

Beim Blick in den Rückspiegel entdeckte Lehmann ganze 1.665 solcher Super-Aktien. Deren Outperformance gegenüber dem Index sei jedoch keineswegs linear verlaufen, relativiert Lehmann den Erfolg. Vielmehr seien auch viele spätere Super-Titel anfangs schwer aus den Startlöchern gekommen. Nach dem ersten Jahr hatten immerhin zwei Drittel den breiten Markt hinter sich gelassen. Das bedeutet umgekehrt aber auch, dass das jedem dritten eben nicht gelang. Laut der Analyse lagen sogar rund 12 Prozent der heutigen Super-Aktien nach einem Jahr mindestens 25 Prozent relativ hinter ihrem Vergleichsindex, 3 Prozent der Papiere sogar um mehr als 50 Prozent.

Nach drei Jahren konnten immerhin schon 84 Prozent der späteren Durchstarter ihren Vergleichsindex übertrumpfen. Doch auch hier wiederum: Jede sechste dieser Aktien lag auch nach drei Jahren noch zurück.

Es lohnt sich nicht, Unternehmen vorschnell als Rohrkrepierer zu betrachten, gibt Lehmann Investoren auf den Weg: „Selbst ein gutes Unternehmen läuft nicht konstant besser als der Markt.“ Bei Aktieninvestments, findet der Anlageprofi, komme es vielmehr auf Vertrauen an – und auf Durchhaltevermögen.

Aktien, die über 10 Jahre den MSCI AWCI mit mehr als 10 Prozent jährlich geschlagen haben, hatten teils erhebliche Startprobleme

*Untersucht wurden alle Aktien, die sich aktuell im ACWI befinden. Die Berechnungen fanden immer zum Start eines Kalenderjahrs statt. Quellen: Datastream, HQ Trust

Als Beispiel, wie auch Super-Aktien Durststrecken durchleben können, nennt Lehmann den US-Technologieriesen Apple. Seit Ende 1985 hätte der Titel in 15 Zeiträumen über je zehn Jahre den Index um mehr als 10 Prozent übertroffen. Allerdings lag er dabei in fünf Fällen im ersten Jahr jeweils hinter der Benchmark.

Dem langfristigen Erfolg von Apple hat das indessen nicht geschadet. Bei HQ Trust man nachgerechnet: „Hätte man Ende 1999 sowohl 100 Euro in Apple als auch in den MSCI ACWI investiert, wäre Ende 2002 das Apple-Investment nur noch 26,63 Euro wert gewesen. Das Investment in den ACWI aber 56,01 Euro. Ende 2009 hätte man dafür aber 572,87 Euro bei Apple und nur 76,35 Euro beim ACWI zurückbekommen.“

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