Analyse: Zertifikatekorb aus Stahlgeflecht

Doch auch die Kurse der anderen Aktien sind derzeit alles andere als stahlhart. Dabei laufen die Geschäfte blendend. Das International Iron and Steel Institute (IISI) rechnet für 2008 mit einem Anstieg des globalen Stahlverbrauchs um 6,7 Prozent und für 2009 um weitere 6,3 Prozent. Und das bei Stahlpreisen auf Rekordniveau. Doch gibt es einen gravierenden Unterschied des russischen Aktienmarktes gegenüber anderen Handelsplätzen. Sobald ihn der stählerne Blick der Regierung trifft, wird er bleiweich. Nach dem Kursrutsch ist das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 8,5 gesunken. 

Neben dem Sorgenkind Mechel besteht der Aktienkorb zu je rund 16,7 Prozent aus den Unternehmen Severstal, Novolipetsk, Evraz, TMK und MMK. Da der Basket vom österreichischen Emittenten nach dem Start nicht mehr angetastet wird, werden sich die Gewichtungen mit den Kursentwicklungen jedoch zwangsläufig verschieben. Ein Klumpenrisiko ist also programmiert. Eine Verwaltungsgebühr verlangt RCB nicht – wofür auch? Träge gibt sich die Bank auch bei den Dividenden, die nicht reinvestiert, sondern komplett einbehalten werden. Nach aktuellem Stand gehen Anlegern so jährlich 3,8 Prozent durch die Lappen. 

Fazit: Die RCB bündelt sechs russische Stahlwerte in einem Zertifikat. Mit einem statischen Ansatz und dem Wegfall der Dividenden wird das Zukunftsthema jedoch nicht zeitgemäß umgesetzt Wegen der starren Konstruktion und der einbehaltenen Dividenden raten wir Freunden des russischen Stahls von einem Kauf des Zertifikats ab, zumal es wesentlich attraktivere Alternativen gibt, wie zum Beispiel das Russia Infrastructure Zertifikat der DWS Go (WKN: DWS0JF). 

Hierbei handelt es sich zwar nicht um eine reine russische Stahlwette, doch ist der Sektor auch im DWS-Basket mit den gleichen Titeln (bis auf Mechel) zu mehr als 50 Prozent vertreten. Dazu kommen weitere Werte, unter anderem aus der Bau-, Transport- und Stromwirtschaft – also allesamt Branchen, die wie die Stahlindustrie von einem Ausbau der Infrastruktur profitieren. Der jährlichen Gebühr von 1,65 Prozent steht eine komplette Anrechnung der Dividenden gegenüber. Laufende Indexanpassungen beugen zudem der Klumpenbildung vor.