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Wird Moody’s Brasiliens Bonität herabstufen?

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Die Flut an Herunterstufungen steht sinnbildlich für die sich verschärfende Krise in Brasilien, mit dem sich ausweitenden Bestechungsskandal und der stärksten wirtschaftlichen Schrumpfung von Lateinamerikas größter Volkswirtschaft seit einem Vierteljahrhundert. Die Ratingsenkungen haben dazu geführt, dass Anleiheinvestoren brasilianische Unternehmen meiden, was wiederum zu einem Anstieg der Finanzierungskosten bei den Firmen geführt hat.

„Moody‘s wird Brasilien mit Sicherheit herunterstufen“, erklärte Juan Carlos Rodado, Direktor der Lateinamerikaanalyse bei Natixis North America in New York, per E-Mail. „Es wird auch weitere Herunterstufungen bei Unternehmen geben.“

Der trübe Ausblick für die brasilianischen Unternehmen wird deutlich im Markt für Dollar-denominierte Anleihen: Die durchschnittliche Rendite ist nach Angaben von JPMorgan bis an ein Dreimonatshoch bei 7,27 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Rendite von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern liegt bei 5,52 Prozent. Die gestiegenen Finanzierungskosten haben auch zu einem Rückgang bei Brasiliens Auslandsanleiheemissionen von 80 Prozent in diesem Jahr geführt.

Moody‘s benotet Brasilien derzeit mit „Baa2“ auf der zweitniedrigsten Investmentgrade-Stufe und mit einem negativen Ausblick. Die Ratingagentur, die Brasilien in der vergangenen Woche einen Besuch abgestattet hatte, erklärte am Donnerstag, es habe sich dabei um einen regulären technischen Besuch gehandelt, wie er bei allen Ländern, die von Moody‘s benotet würden, periodisch durchgeführt werde.

Als Moody‘s im September Brasiliens derzeitige Kreditwürdigkeit mit einem negativen Ausblick versah, begründete die Ratingagentur dies mit den wirtschaftlichen Problemen und einer sich verschlechternden Finanzlage. Am Donnerstag sagte Moody‘s in einer Studie voraus, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 1,8 Prozent schrumpfen werde. Das ist pessimistischer als die Prognose der Analysten, die von der Zentralbank befragt wurden und mit einem Minus von 1,5 Prozent rechnen.

Die Untersuchungen über Korruption beim staatlichen Ölkonzern Petroleo Brasileiro haben sich in den letzten Monaten auf immer mehr brasilianische Unternehmen und Politiker ausgeweitet. Es kam bereits zu Rufen nach einer Amtsenthebung der Präsidentin Dilma Rousseff.

„Brasilien klammert sich mit den Fingerspitzen an seinem Investmentgrade-Status fest“, sagte Nicholas Spiro, Managing Direktor bei der Beratungsgesellschaft Spiro Sovereign Strategy in London. „Es ist in einem Teufelskreis gefangen, in dem sich die Schwere des Konjunkturabschwungs, die zunehmend angespannte Lage bei den öffentlichen Finanzen, die Auswirkungen des Petrobras-Skandals und das herauffordernde externe Umfeld gegenseitig verstärken.“

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