Analystentreff mit Loys: Pampe und Pappe

Investoren besichtigen zusammen mit Loys-Vorstand und -Fondsmanager Christoph Bruns (rechts) die Kartonmaschine im Werk von Mayr-Melnhof in Frohnleiten bei Graz, Österreich (Foto: DAS INVESTMENT.com)

Investoren besichtigen zusammen mit Loys-Vorstand und -Fondsmanager Christoph Bruns (rechts) die Kartonmaschine im Werk von Mayr-Melnhof in Frohnleiten bei Graz, Österreich (Foto: DAS INVESTMENT.com)

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Nur mühsam lernt die Lunge, wieder zu atmen. Die Luft besteht aus einem warmen Polster, das den Brustkorb bis in die kleinsten Winkel ausfüllt. Genauso riecht es in einer Reinigung, wenn alle Bügeleisen mit Hochdampf laufen.

Die Maschinen würden ein zweistöckiges Haus überragen. Zwischen Rädern und Walzen saust etwas Helles hindurch. Breit und flach wie ein Förderband. Es ist Karton im Rohformat. Er wird später Entkalker, Waschmittel und Cornflakes verpacken. Hier ist er noch feucht, endlos und alles andere als bunt. In einem Bottich, groß wie drei Betonmischer, rührt eine unappetitliche Pampe. Altpapier, zerkleinert und mit Wasser aufgeschwemmt.

Die Maschinen stehen in einer Fabrik in Österreich, eine halbe Autostunde von Graz entfernt. Berge mit diesigen Dunstglocken umrahmen das Tal. Schornsteine pusten weißen Dampf in die Luft, die Fabrik hat ihr eigenes Heizwerk – Karton muss schließlich auch trocknen. Ein energiereiches Unterfangen.

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Die Fonds-Boutique Loys hat zum Ortstermin geladen. Ziel ist ein Unternehmen, das dem Namen nach nur wenige kennen. Dessen Produkte aber in jeder Küche und in jedem Bad zu finden sind. In einem Karton von Mayr-Melnhof (MM) steckt alles, was täglich rund um den Globus in Einkaufswagen landet. Produkte von Nestlé, Danone, Henkel. Die stellen es her, MM sorgt für die passende und stabile Ummantelung. Die Tochter MM Karton ist Weltmarktführer bei Recycling-Karton, MM Packaging ist Europas größter Produzent von Faltschachteln.

Die Aktien des Unternehmens sind seit einigen Jahren Bestandteil von Loys‘ Vorzeigefonds, dem Aktienfonds Loys Global. Und vor Ort gibt Fondsmanager Christoph Bruns Einblicke, wie er und seine Kollegen Firmen auseinander pflücken und deren Aktien bewerten. „Wir wollen uns ganz tief in die Karten gucken lassen“, sagt Bruns.

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Geladen sind etwa 15 Zuschauer, Großinvestoren aus Banken, die meisten kommen aus Österreich. „Ein Teil von ihnen ist schon lange in unseren Fonds engagiert“, sagt Loys-Vorstandsmitglied Frank Trzewik. Die Kunden hören Bruns aufmerksam zu, während der Projektor eine Excel-Tabelle zeigt, die an die Matrix im gleichnamigen Science-Fiction-Film erinnert. Sie zeigt Mayr-Melhnhof in all seinen finanziellen Facetten. Zeitreihen über Jahre mit Gewinnen, Umsätzen, Dividenden, Renditen. Wie viel Schulden hat der Karton-Produzent? Keine. Was hat er Cash auf dem Konto? 160 Millionen Euro.

Und wo hat Bruns das alles her? Es ist alles frei zugänglich im Bloomberg-Terminal. Das Excel-Blatt zieht die Daten automatisch. Es ist eine reine Fleiß- und Programmierarbeit. Exklusiv ist nur der Geist Bruns‘, der dahinter steckt und zeigt, was denn ein Unternehmen wert ist. Und genau das, diese Rechnung, ist ein Reigen aus abgezinsten erwarteten Gewinnen, einer vorausgesetzten Rendite und weiteren Zahlen. Erst wenn die Aktie 30 Prozent unter dem berechneten Unternehmenswert liegt, wird Bruns aktiv und die Aktie ein Kauf.