Angelika Millendorfer

Angelika Millendorfer

Angelika Millendorfer: „Emerging-Markets-Börsen – Türkei gehört zu den preiswertesten“

Polen: Trotz schwerer Überflutungen stieg die Inflationsrate nur marginal

Der polnische Zloty und die tschechische Krone waren im Juli die stärksten Währungen der Region, erklärt Millendorfer. In Polen führte zudem die starke Auslandnachfrage, die auch durch den stärkeren US-Dollar begünstigt wurde, zu einem massiven Anstieg der Industrieproduktion. Auch die polnischen Einzelhandelsumsätze entwickelten sich sehr positiv.

Obwohl die schweren Überflutungen in Polen zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führten, stieg die Inflationsrate nur marginal, so die Fondsmanagerin weiter. Der Leitzins, der im Juli bei 3,5 Prozent blieb, wird sich nach Millendorfers Einschätzung auch in den kommenden Monaten nicht ändern. Auch die polnischen Aktien erholten sich im Juli kräftig: So legte beispielsweise der Index der großen börsennotierten Unternehmen um fast 10 Prozent zu.

Tschechien: Exporte stiegen um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Auch die tschechische Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten kräftig erholt, erklärt die Osteuropa-Expertin. Die Industrieproduktion legte zuletzt rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Eine wieder anziehende Nachfrage aus Westeuropa, vor allem aus Deutschland, sorgte dafür, dass die Exporte im Mai mehr als 24 Prozent über dem Vorjahreswert lagen. Analysten gingen zuvor lediglich von einem Anstieg um 18 Prozent aus. Die Inflation blieb stabil auf dem niedrigen Niveau von 1,2 Prozent.

DER FONDS

DER FONDS aktuelle Ausgabe
Aktuelle Ausgabe

Interview: AGI-Manager über die weiteren Aussichten der Börse Bangkok

Crashtest: Die besten Fonds für globale Value-Aktien

>> kostenlos abonnieren

>> aktuelle Ausgabe (PDF)

Seit Juli ist in Tschechien die neue Drei-Parteien-Regierung offiziell im Amt. „Ihre erste und wichtigste Aufgabe dürfte darin bestehen, das Haushaltsdefizit zu senken, das in diesem Jahr rund 5,8 Prozent betragen dürfte“, sagt Millendorfer. Ziel sei eine Reduktion auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2013.

Nach leichten Verlusten im Juni erholte sich der tschechische Aktienmarkt im Juli um über 6 Prozent und machte damit die Juni-Verluste wieder wett. Für Euro-basierte Anleger ergab sich aufgrund der Währungsaufwertung der Krone sogar ein Plus von rund 10 Prozent. Bankaktien zählten zu den stärksten Werten, während defensivere Titel deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückblieben.

Türkei: Trotz des starken Kursanstiegs sind türkische Aktien noch sehr preiswert

Sehr gut stellt sich auch das Bild für die Türkei dar, so Millendorfer weiter. Das Land ist durch eine schnelle Anpassung des Arbeitsmarktes und einem recht stabilen und großen Binnenmarkt bislang gut durch die Krise gekommen. Das Wirtschaftswachstum lag im 1. Quartal 2010 bei 11,7 Prozent. Die Industrieproduktion zeigte sich sehr robust: Die Kapazitätsauslastung liegt fast wieder auf Vorkrisenniveau.

Die Lira wertete im Juli gegenüber dem US-Dollar kontinuierlich auf; gegenüber dem Euro war sie kaum verändert. Türkische Staatsanleihen reagierten auf die verbesserten Inflationsdaten und -prognosen positiv und legten im Monatsverlauf zu. „Längerfristig rechnen wir mit steigenden Renditeniveaus türkischer Anleihen aufgrund zunehmender Inflationserwartungen. Dies wiederum könnte die Währung unterstützen“, prognostiziert die Managerin.

Türkische Aktien gewannen im Juli erneut kräftig um fast 10 Prozent hinzu. Der ISE-100 Index erreichte damit ein neues Allzeithoch und liegt seit Jahresbeginn rund 14 Prozent im Plus. „Trotz des starken Kursanstiegs gehören türkische Papiere – basierend auf den erwarteten Gewinnen 2010 und 2011 – weiterhin zu den preiswertesten Emerging Markets Aktien“, sagt Millendorfer. Risiken für die Türkei könnten allerdings bei einer weiteren Verschärfung der Finanzkrise in Südeuropa drohen, da das Land weiterhin stark von ausländischen Finanzierungsquellen abhängig ist.

Mehr zum Thema
„Was die Staatsfinanzen betrifft, könnte Russland einigen EU-Mitgliedern als Vorbild dienen“ Osteuropa-Fonds: Raiffeisen-Osteuropa-Aktien gewinnt Klassiker-Duell Russland: Aufschwung oder Bärenmarkt-Rally?