Angesichts QE-aufgeblähter Märkte

Währungsfonds wieder attraktiv

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Millennium Global Investments erhielt in diesem Jahr 1,7 Milliarden Dollar für seine Fonds, die Währungspositionen managen, während im selben Zeitraum von 2014 keine Neugelder angelockt wurden. Adrian Lee & Partners, ein anderer Spezialist für so genannte Overlay-Strategien, steigerte seine Fonds in den vergangenen zwölf Monaten um 50 Prozent auf 6 Milliarden Dollar.

Der Grund liegt auf der Hand: Anleger schauen sich nach einem Gegengewicht für die negativen Anleiherenditen und überteuerte Aktien um, während beispiellose geldpolitische Impulse die Preise von Vermögenswerten antreiben. An den Devisenmärkten gibt es derweil vielfältige Gelegenheiten für Gewinne, da die Volatilität im Schnitt dieses Jahres auf dem höchsten Stand seit 2011 liegt. Grund dafür sind überraschende Entscheidungen von Zentralbanken gewesen sowie die Absicht der Federal Reserve, ihren Leitzins im Jahresverlauf anzuheben.

“An den Märkten für festverzinsliche Anlagen, Kredite und Aktien ist kaum noch Wert übrig”, sagt Mark Astley, Chef von Millennium mit Sitz in London. “Wir haben ein stark zunehmendes Interesse unter unseren Kunden verzeichnet, mithilfe von Währungen zusätzliche Erträge zu generieren.”

Mehr als die Hälfte der Anleger hatten in einer Umfrage von Bank of America Corp. im April Aktien und Anleihen als zu teuer bezeichnet. Das war der höchste Anteil seit 12 Jahren.

Die Erträge aus Devisen-Strategien sind höher als vor einem Jahr, als die Volatilität ein Rekordtief erreicht hatte. Ein Index von Parker Global Strategies LLC, der die 14 erfolgreichsten Währungsfonds nachbildet, hat seit dem Tief vom vergangenen August um 7,3 Prozent zugelegt und liegt nun weniger als zwei Prozent unter seinem Hoch vom März.

“Der Einsatz von Währungen, um zusätzliche Erträge zu generieren, ist heutzutage extrem wichtig”, erklärt Dirk Aufderheide, Devisen-Chef bei Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH in Frankfurt. “Angesichts der so niedrigen Anleiherenditen und Aktienbewertungen auf überzogenen Niveaus könnten den Anlegern etwa zu Beginn der Fed-Zinserhöhungen stärkere Verluste aus diesen Anlagen bevorstehen.”

Der Aktienindex MSCI All-Country World Index hat in diesem Jahr einschließlich reinvestierter Zinsen zwar einen Ertrag von 5,9 Prozent eingebracht - mehr als im Gesamtjahr 2014. Anleger zahlen aber für das Privileg etwa das 17-fache der erwarteten Unternehmensgewinne, zeigen Daten von Bloomberg. Das ist beinahe das höchste Bewertungsniveau seit 2009.

An den Anleihemärkten weisen Staatsanleihen im Wert von mehr als eine Billionen Dollar mittlerweile negative Renditen auf. Das bedeutet, dass die Investoren den Regierungen - alles in allem etwa ein Dutzend - faktisch Geld zahlen, damit sie ihre Gelder annehmen. Insbesondere im Euroraum hat sich die Lage zugespitzt: In Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, trug die quantitative Lockerung der Europäischen Zentralbank dazu bei, dass die Renditen bei etwa 40 Prozent der von Bloomberg beobachteten Wertpapiere unter null liegen.

Vor diesem Hintergrund wendet sich der Blick der Anleger auf den Devisenmarkt, um die Erträge aufzubessern. Nach Aussage des Währungsstrategen Aufderheide haben sich seine Währungsinvestments in den vergangenen sechs Monaten um bis zu 50 Prozent besser entwickelt als Benchmarks.

Die Gewinne in der Anlageklasse haben für ein Comeback des Devisenmarkts gesorgt, an dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden, nachdem der Markt zuvor noch von schwindenden Erträgen, Skandalen und stärkerer Regulierung in Mitleidenschaft gezogen worden war. Anleger steckten Daten von Bloomberg zufolge in diesem Jahr 35,9 Milliarden Dollar in 40 in den USA börsengehandelte Fonds mit Währungssicherung.

Das Auseinanderlaufen der Geldpolitiken zwischen Zentralbanken, die eine Lockerung vornehmen - wie die EZB und die japanische Notenbank -, und der vor einer Straffung stehenden Fed gehören zu den Gründen, warum Investor Aletti Gestielle SGR SpA aus Mailand wieder verstärkt am Devisenmarkt aktiv ist. Etwa 20 Prozent seiner 16 Milliarden Dollar schweren Fonds stecken in Währungen, doppelt so viel wie vor zwei Jahren.

“Die Politik- und Bilanzunterschiede zwischen den Zentralbanken sind soliden Währungsentwicklungen förderlich”, sagt Fabrizio Fiorini, Investmentchef bei Aletti Gestielle. “Wir betrachten das als eine entscheidende Ertragsquelle.”

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