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Federal-Reserve-Chef Jerome Powell (links) und US-Präsident Donald Trump: Die steigenden Leitzinsen in den USA beeinflussen den Aktienmarkt | © Getty Images

ABN-Amro-Anlagechef Reinhard Pfingsten Die Aktienmärkte hängen von den Zinsen ab

Wenn man sich die zurückliegenden zwanzig Jahre anschaut, wird eins sehr deutlich: Gemessen am S&P 500 erlitten die amerikanischen Aktienmärkte immer dann die größten Kursverluste, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession schlitterte. Das war Anfang der 90er Jahre so, sehr ausgeprägt in den Jahren 2000 bis 2003 und dann noch einmal während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009. Im Vorfeld waren jeweils entsprechende Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank zu beobachten.

Kein Wunder, dass die Börsianer derzeit vor allem ein mögliches Rezessionsszenario diskutieren. Mehr noch: Durch die zuletzt zum Teil herben Kursverluste bewegen sich nicht wenige Aktien auf einem Niveau, das bereits eine schrumpfende Wirtschaft, oder - wie es Börsianer gerne ausdrücken - ein negatives Wachstum einpreist.

Zinsstruktur ist entscheidend

Als einer der zuverlässigsten Indikatoren für eine sich abzeichnende Rezession gilt die Zinsstrukturkurve. In allen Rezessionen der vergangenen 40 Jahre war sie mit einem Vorlauf von ein bis zwei Jahren invers, das heißt: Langlaufende Staatsanleihen rentierten niedriger als Kurzläufer. Frei nach dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton könnte man sagen: „It is the yield, stupid.“

Genau von diesem Sachverhalt sind wir derzeit nicht weit entfernt: In den Vereinigten Staaten, und auf die kommt es an, verläuft die Zinsstrukturkurve mittlerweile extrem flach. US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren nur noch 0,15 Prozent höher als zweijährige Bonds. Zwischen fünf- und zweijährigen US-Staatsanleihen gibt es im Prinzip gar keinen Zinsunterschied mehr. Dennoch gehen wir davon aus, dass wir keine nachhaltig inverse Zinsstrukturkurve sehen und es nicht zu einer Rezession kommt.

Ein wesentlicher Grund ist die geldpolitische Wende der Fed, die sich zunehmend abzeichnet. Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, rückt immer weiter von den ursprünglich einmal in den Raum gestellten zwei bis drei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr ab. Möglicherweise drehen die amerikanischen Währungshüter 2019 gar nicht mehr an der Zinsschraube. Das würde den Aufwärtsdruck bei den Renditen der kurzen Laufzeiten spürbar senken.

Und die Zinsen am langen Ende dürften sich zumindest stabilisieren, nachdem sie sich von ihrem Hoch von 3,3 auf zuletzt 2,7 Prozent zurückgebildet haben. Grund ist, dass die US-Konjunktur zwar an Dynamik verliert, die amerikanische Wirtschaft aber dennoch 2019 und auch 2020 weiter wachsen wird. Davon werden auch die Firmen profitieren.

Effekte der US-Steuerreform lassen nach

Bei den US-Unternehmen ist im vergangenen Jahr rund ein Drittel der Gewinnsteigerungen auf das staatliche Doping, sprich die Steuersenkungen, zurückzuführen. Dieser Effekt wiederholt sich 2019 nicht. Gleichzeitig werden die Umsatzzuwächse und das Margenwachstum dieses Jahr schwächer ausfallen. Vor diesem Hintergrund rechnen wir damit, dass sich das Gewinnwachstum der Unternehmen in den USA abflacht, die Firmen werden aber weiterhin ihre Profite steigern.

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