Udo Schindler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung

Udo Schindler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung

Anlagefehler

Der deutsche Senior spart bei der Rendite

Die Hauptsorge unserer älteren Kunden ist, dass sie im Alter pflegebedürftig werden. In diesem Fall möchten sie von ihren Kindern finanziell unabhängig bleiben, zugleich aber sich eine adäquate Pflege leisten können. Das setzt Rücklagen voraus, die „sicher“ angelegt werden sollen.

Pflegekosten werden überschätzt


Unsere Senioren gehen dabei regelmäßig von zwei falschen Annahmen aus: Zum einen ist „der“ Senior des Jahres 2014 nicht zu vergleichen mit seinem Pendant der 1950er Jahre. Laut statistischem Bundesamt beträgt die Lebenserwartung (noch auf Basis 2011) für männliche 60-jährige immerhin 21,3 Jahre. Der Anlagehorizont liegt damit sehr deutlich über der Kündigungsfrist der meist bevorzugten Spareinlagen.

Zum anderen überschätzt diese Altersgruppe die Summe der notwendigen Eigenleistungen und Zuzahlungen bei einer eventuellen Pflegebedürftigkeit. Zwar werden die durchschnittlichen Unterbringungskosten von über 3.000 Euro monatlich in der Pflegeeinrichtung (Pflegestufe III) von der Pflegeversicherung nicht vollständig übernommen. Doch ist die Deckungslücke in der Regel viel geringer als erwartet.

Laut dem Barmer GEK Pflegereport 2012 beträgt der durchschnittliche Eigenanteil über die Lebenszeit bei Männern 21.000 Euro. Anspruchsvollere Privatleistungen können die Kosten natürlich in die Höhe treiben.

Dass die Zuzahlungen eine überraschend geringe Summe ausmachen, hat einen einfachen Grund: Die Senioren verweilen im Durchschnitt nur ungefähr ein halbes Jahr in der Pflegeeinrichtung. Sowohl die Verweildauer wie der zur Absicherung nötige Betrag werden also überschätzt.

Fazit:

Wenn das liquide Vermögen nicht zur Deckung des Lebensunterhalts benötigt wird, sondern der Absicherung im Pflegefall dienen soll, müssen Anlagehorizont und Höhe des notwendigen „sicheren“ Betrages hinterfragt werden.

Für unseren Durchschnittssenior wären Sparguthaben oder der Kauf einer zehnjährigen Bundesanleihe (1 Prozent Zins, Nettorendite per 31.10.14  nur 0,62 Prozent) in Höhe von ungefähr 38.000 Euro erforderlich. Damit wäre der oben genannte (durchschnittliche) Eigenanteil gedeckt, wenn man annimmt, dass die Pflegekosten jährlich um 3 Prozent steigen.

Das weitere Vermögen kann dann zum Beispiel kostengünstig in einen ETF auf Dividendentitel investiert werden. Dass die Kurse der Aktien schwanken, spielt bei einer Anlagedauer von 20 Jahren keine Rolle mehr.

Die zu erwartende Mehrrendite einer ausschüttungsorientierten Aktienanlage wird der Lebenswirklichkeit unserer alternden Gesellschaft gerecht und kann für einen regelmäßig noch sehr aktiven Lebensabschnitt eingesetzt werden.

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