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Anlagen in den USA, Europa, China Wer Wertzuwächse will, muss flexibel bleiben

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Chinesische Interventionen wollen Unsicherheiten verringern

Die Unsicherheit an den Märkten betrifft auch den chinesischen Markt, berichtet David Chao, Invesco-Kapitalmarktstratege in Hongkong. Zwar fällt die Volatilität in China gering aus, weil die Regierung in Peking die Fiskal-, Geld- und Industriepolitik kontrolliert und zudem ihre wirtschaftspolitische Agenda regelmäßig verkündet. Dennoch verzeichnen die Märkte starke Kursausschläge – wegen der anhaltenden Proteste in Hongkong, des andauernden US-chinesischen Handelskonflikts und der an Schwung verlierenden chinesischen Wirtschaft.

Anlässlich der 70-Jahres-Feier der chinesischen Zentralregierung im Oktober 2019 signalisierte Peking den Märkten bereits, sie werde expansivere Geld- und Fiskalpolitikmaßnahmen ergreifen. Erklärtes Ziel: das Wachstum durch Sachanlageinvestitionen zu unterstützen. Aus diesem Grund sollten Anleger ihr Augenmerk auf die folgenden drei Ankündigungen richten:

  • Die diesjährige Kommunalanleihenquote für Infrastrukturinvestitionen wird voraussichtlich steigen. Wie stark die Anhebung ausfällt, hat die Regierung in Peking indes noch nicht festgelegt.
  • Der Mindestreservesatz, den die Banken bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegen müssen, wird kurzfristig sinken, um die Liquidität der Zentralbank zu erhöhen.
  • Der Zins für die mittelfristige Kreditfazilität für Finanzinstitute und die „Loan Prime Rate“ (der Zins, den die Banken bisher nur ihren besten Kunden berechnen) dürften voraussichtlich beide sinken, um die Kreditvergabe an staatseigene Unternehmen zu fördern.

Obwohl noch unklar ist, wie umfangreich diese Stimuli ausfallen sollen, dürfte von ihnen das bislang stärkste wirtschaftspolitische Signal des Jahres ausgehen: „Voraussichtlich wird das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2019 dem Regierungsziel von 6,0 bis 6,5 Prozent entsprechen. Chinesische Aktien — sowohl inländische A-Aktien als auch die in Hongkong gehandelten H-Aktien — notieren seit einiger Zeit mit einem Bewertungsabschlag“, berichtet Chao. Falls die chinesische Regierung ihre Geldpolitik lockern und die Wirtschaft vor Oktober 2019 gezielt stärken sollte, dürfte das den chinesischen Risikoanlagen zugutekommen.

Fazit: Anleger brauchen Handlungsspielraum für unterschiedliche Wirtschaftsszenarien

Die schwierigen Themen sind und bleiben der US-chinesische Handelskonflikt, der Brexit, der stotternde europäische Wachstumsmotor sowie die Integrationsproblematik in der EU und in der Eurozone. Chinas Stärkungsversuche der eigenen Wirtschaft scheinen derweil nicht die gleichen positiven Impulse wie noch 2009/10 oder 2015/16 für den Rest der Welt zu senden.

Die Unsicherheit an den Märkten dürfte anhalten. Gleichzeitig können geld- und fiskalpolitische Entscheider voraussichtlich die Abwärtsrisiken an den Kapitalmärkten kompensieren. Die Märkte dürften sich daher weder kräftig erholen noch dramatischen Rezessionsrisiken ausgesetzt sein. Die Kapitalmärkte werden vermutlich moderat wachsen – mit wiederholt zu- und abnehmenden Risiken und einer andauernden, allgemeinen Unsicherheit. Daher sind bei Anlagen nach wie vor über verschiedene Anlagenklassen diversifizierte Portfolios das Mittel der Wahl. Dieser Ansatz gibt Anlegern mehr Handlungsspielraum, sobald die Lage klarer wird. Er steht im deutlichen Gegensatz zu einer massiven Umschichtung in Anleihen oder riskantere Anlagen. Erst in einer Rezession wie in den Jahren 2010 bis 2012 oder 2015/16 dürfte es angebracht sein, Depots umzuschichten. Käme es zu einer gleichlaufenden Erholung wie im Jahr 2017, würden Investitionen in Risikoanlagen indes mehr Sinn ergeben als derzeit.

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