Anlagestrategie: Comstage gegen AGI, passiv gegen aktiv

//
Ingo Mainert, Leiter der Multi-Asset-Sparte Europa bei Allianz Global Investors, sieht einen klaren Vorteil bei aktiv gemanagten Fonds. Bei Thomas Meyer zu Drewer, Leiter der Comstage-ETFs bei der Commerzbank, geht nichts über passive Indexfonds (ETFs). Das Handelsblatt ließ beide in der Ruhr-Uni zu Bochum aufeinander treffen.

Mainert sieht die Stärke von aktiv gemanagten Fonds darin, dass das Management Marktineffizienzen, also Fehlbewertungen, nutzten kann. Es kann auf die wechselhaften Gefühle der Anleger reagieren und so den Markt schlagen.

„Kein Markt ist effizient“, gibt Comstage-Mann Meyer zu Drewer zu. Er merkt aber an, dass eben jene Analyse von Ineffizienzen sehr teuer sei und so die Performance verderbe. ETFs kosten im Durchschnitt zwischen 0,1 und 0,5 Prozent. Aktive Fonds zwischen 0,8 und 2 Prozent. Alles im Jahr. „Diese Kostenschere vergrößert sich, je länger man ein passives ETF-Portfolio und einen aktiven Mischfonds gegeneinander laufen lässt“, sagt Meyer zu Drewer.

Mainert hält jedoch dagegen und nennt Maßstäbe, die das Management erleichtern. Zum Beispiel das Kurs-Buchwert-Verhältnis, die Dividendenrendite oder das Shiller Kurs-Gewinn-Verhältnis. Alles sinnvolle Kennzahlen, um Aktien miteinander einfach zu vergleichen. Mainert sieht bei kleineren Unternehmungen in Japan oder den Schwellenländern die größten Marktineffizienzen: „Dort haben Sie extrem gute Chancen, den jeweiligen Referenzindex zu schlagen.“

„Was nützt Ihnen ein schnelles Auto, wenn Sie als letzter im Stau stehen“, wendet Meyer zu Drewer ein. Anomalien könnten zwar in eine Richtung weisen. Ob es aber für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung gereicht hat, sieht der Anleger erst im Nachhinein. Dass die Anleger bei ETFs zögern, begründet Meyer zu Drewer emotional. Weil man eben doch Mut brauche, um den Durchschnitt zu kaufen.

Mehr zum Thema
"Durch aktiveren Managementansatz können Stiftungen Kursgewinne erzielen"Mit Aktien vom Aufschwung in Europa profitieren