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Gähnende Leere vor dem Triumphbogen in Barcelona: Inwieweit lassen sich die ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie mit jenen der Spanischen Grippe von 1918 vergleichen?  | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Anlagestrategien für die Corona-Krise

Diese Parallelen gibt es zur Spanischen Grippe

Während der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920 verloren Aktienmärkte knapp 20 Prozent, erholten sich aber wieder. Insbesondere die Aktienstile (Faktoren) High Dividend und Low Volatility haben Anlegern in dieser Zeit einen gewissen Schutz geboten.

Faktoren als Frühindikatoren

Seit Anfang des Jahres 2020 haben sich Faktoren jedoch sehr unterschiedlich entwickelt. Die Anlagestile Momentum und Low Volatility schnitten vergleichsweise besser als der breite Markt ab, während Small Caps und High-Dividend-Aktien (Value-Aktien) sich unterdurchschnittlich entwickelt haben.

Insgesamt war der März aus Factor-Investing-Perspektive ein schwieriger Monat. Eine leichte Bevorzugung von Value-Titeln mit niedriger Marktkapitalisierung hat die Wertentwicklung während des Kursrutsches erheblich beeinträchtigt, wie auch nachfolgende Tabelle zeigt.

Abbildung 1: Die Tabelle zeigt den relativen Ertrag von vier Aktienstilen im Vergleich zum Marktindex (in US-Dollar, Stand: 31. März). Wir verwenden allgemein zugängliche Indizes von MSCI und S&P. Quellen: Robeco, Bloomberg

Spanische Grippe als Orientierungshilfe für Anleger?

Der Zeitraum um 1918 ist in der häufig verwendeten Center for Research in Security Prices (CRSP)-Datenbank nicht enthalten – da die in der Datenbank gespeicherten Informationen erst ab dem Jahr 1926 beginnen. Aufgrund dessen können viele Anleger nicht nachvollziehen, wie sich die genannten Faktoren während des Ausbruchs der Spanischen Grippe entwickelt haben.

Bei der Analyse von Faktoren ist es daher sehr wichtig, etwaige Größeneffekte zu korrigieren, vor allem bei Titeln mit geringer Marktkapitalisierung, da tendenziell stärkere Verzerrungen und Kursschwankungen auftreten, was die Ergebnisse stark beeinflussen kann. Zudem ist der Zeitraum vor dem Beginn der CRSP-Datenbank besonders von wenig gehandelten Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung geprägt. Deshalb ist es wichtig, die Aktienerträge mit dem Marktwert zu gewichten, um wirtschaftlich signifikante Effekte untersuchen zu können.

Da die Spanische Grippe während des Ersten Weltkriegs auftauchte, herrschten am Aktienmarkt vor allem Sorgen im Hinblick auf den Kriegsverlauf. Im November 1916 erreichte der Aktienmarkt seinen Höchststand, verlor jedoch bis zu seinem Tief 1917 rund 20 Prozent.

Aktien mit hoher Dividendenrendite („High Dividend“) und schwankungsarme Titel („Low Volatility“) haben Anlegern damals schon einen gewissen Schutz geboten – wenngleich etwas schwächer als bei anderen Marktkorrekturen. Alle Aktien bewegten sich weitgehend parallel und die Korrelationen nahmen zu. Damit ähnelt die Situation des jüngsten Kursabschwungs im März 2020 dem damaligen Kurseinbruch.

Abbildung 2: Entwicklung des Aktienmarkts und der Aktienstile für den Zeitraum ab dem Höchststand des Aktienmarkts im Ersten Weltkrieg, über den Tiefstand bis zur Erholung. Quelle: Robeco.

In der Vergangenheit haben Epidemien und Pandemien häufig kurzfristige Korrekturen an den Aktienmärkten ausgelöst (beispielsweise im Fall von SARS, MERS, der Hongkong-Grippe und anderen).

Multi-Faktorenstrategie als Lösung?

Bei einer mehrere Anlagestile umfassenden „konservativen“ Strategie haben wir insbesondere die Faktoren Low Volatility, Momentum und Yield miteinander kombiniert („LowVol+“). Es handelt sich dabei um eine spezielle konservative Anlagestrategie, die neben Risikogesichtspunkten auch Value- und Momentum-Faktoren berücksichtigt. Dieser Ansatz zielt darauf ab, Aktien auszuschließen, die zwar geringes Risiko besitzen, gleichzeitig jedoch teuer sind oder eine schwache Dynamik aufweisen. Insgesamt konnten mit dieser „Multistil“-Strategie die Verluste während der Korrektur begrenzt und eine Outperformance während der Erholung erzielt werden.

Pandemien sind seltene Ereignisse. Jedoch kann uns die Vergangenheit wichtige Orientierung bei der Frage bieten, was wir zu erwarten haben.

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