Hohe Margen: Unternehmen bleiben rentabel

Stimmt die Theorie noch? Früher galt als sicher, dass die Gewinnmargen irgendwann zu ihrem Mittelwert zurückkehren. Ist eine Branche extrem rentabel, so die Theorie, drängen neue Firmen in der Hoffnung auf hohe Gewinne in den Markt. Der Wettbewerb nimmt zu, die Gewinne fallen. In wenig rentablen Branchen gilt das Gegenteil. Firmen verlassen den Markt, der Wettbewerb lässt nach, die Margen steigen. Weil schon kleine Änderungen große Auswirkungen auf die Gewinne haben können, müssen Anleger die Margen stets im Blick haben. Doch in den USA sind sie jetzt schon seit mehreren Jahren überdurchschnittlich hoch. Aber warum?

Strukturell fallende Kosten: Die amerikanischen Gewinnmargen liegen zurzeit nur wenig unter ihren Allzeithochs. Auf den ersten Blick ist das beunruhigend, doch drei Argumente sprechen gegen einen Rückgang. Erstens haben sich viele Unternehmen günstig refinanziert, als die Zinsen von 2020 bis 2022 nahe null lagen. Entsprechend günstig ist heute ihr Schuldendienst, entsprechend lang die Laufzeit des Fremdkapitals. Solange keine Umschuldungen nötig werden, müssen bis zur Endfälligkeit der Anleihen also keine hohen Zinsen gezahlt werden. Zweitens wurde die Körperschaftsteuer mit dem Tax Cuts and Jobs Act von 2017 auf 21% gesenkt, was die Gewinne vieler Unternehmen ebenfalls steigen ließ. Unter Trump 2.0 könnten weitere Steuersenkungen folgen. Drittens hat der Staat in den letzten vier Jahren mit riesigen Konjunkturprogrammen die Wirtschaft gestützt, direkt mit Subventionen oder indirekt durch Hilfen für Verbraucher. Unter Trump ist mit weiteren Maßnahmen dieser Art zu rechnen.

Positiver Produktivitätsschock: Wir stehen am Beginn einer neuen technologischen Revolution – mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz auf breiter Front und Durchbrüchen bei Quantencomputern. KI kann viele Bürojobs ersetzen oder grundlegend verändern. Sie kann große Arbeitsvolumen effizient bewältigen und ist gut skalierbar – zum Nutzen von Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Dazu zählt auch das Verarbeitende Gewerbe, wo sich Produktionsverzögerungen durch Smart Manufacturing verringern lassen. Wenn eine Maschine nicht einfach die Arbeit einstellt, sondern Sie rechtzeitig darauf hinweist, dass sie ein Ersatzteil braucht, kann das die Effizienz enorm verbessern. Die Kosten können fallen, die Margen steigen.

Man muss aber differenzieren: Natürlich hängen die Margen immer auch von firmenspezifischen Faktoren ab – von der Geschäftsstrategie, der Geschäftsleitung, der Wettbewerbsposition und vielem mehr. Auch wenn die Bewertungen bei hohen Margenerwartungen in der Regel ebenfalls höher sind, wird es stets auf die Einzelwertauswahl ankommen.

Fazit

  • Die Gewinnmargen sind auch aufgrund struktureller Veränderungen der Unternehmensfinanzen gestiegen.
  • Die insgesamt hohen Aktienbewertungen können auch damit zu tun haben, dass auch weiterhin mit hohen Margen gerechnet wird. Hohe Margen bedeuten zurzeit nicht, dass sie bald fallen.
  • Entscheidend wird aber die Einzelwertauswahl sein, selbst wenn die Margen insgesamt nicht nachgeben.