China: Mit dem Rücken zur Wand
China hat weiterhin große Strukturdefizite. Die wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes sind vielfältig. Dazu zählen die hohe Verschuldung und die Zahlungsausfälle des krisengeplagten Immobiliensektors, die Schulden der Regional- und Kommunalregierungen, große Deflationsrisiken, beachtliche Überkapazitäten in der Industrie und die ungünstige Demografie. Auch die weltpolitische Lage ist für China nicht einfach. Die USA und Europa drohen mit neuen Zöllen, was das Land zu einer noch stärkeren Neuausrichtung seiner Exportwirtschaft zwingen könnte. Die Finanzen der lokalen Gebietskörperschaften sind alles andere als gut, weil sogenannte Local Government Financing Vehicles (LGFVs) in großem Umfang außerbilanzielle Kredite für Infrastrukturprojekte und die Stadtentwicklung aufgenommen haben. Strukturelle Faktoren schwächen Binnennachfrage und Konsum, was wiederum das Wachstum bremst. Der Aufstieg der Mittelschicht und die hohe soziale Stabilität hatten entscheidenden Anteil daran, dass sich Chinas Wirtschaftsmodell geändert hat, nachhaltiger wurde und der Konsum an Bedeutung gewann. Beim letzten Punkt ging es aber nur langsam voran, und die drohenden demografischen Herausforderungen machen es nicht besser. Im Median sind die Chinesen heute über 40 Jahre alt, gegenüber 38 Jahren in den USA und 29 in Indien. Unterdessen wurde eine niedrige Inflation, wenn nicht gar Deflation, mehr und mehr zum Dauerzustand. Sie belastet die Haushalts- und Unternehmensfinanzen.
Chinas Regierung will die Wirtschaft deshalb mit umfangreichen Maßnahmen stärken. Im November gab die Regierung Pläne für ein 10 Billionen Renminbi (1,4 Milliarden US-Dollar) schweres Umschuldungsprogramm für die lokalen Gebietskörperschaften bekannt, aber die erhofften direkten Finanzhilfen blieben aus. Entscheidend wird der Nationale Volkskongress im März sein, wenn Einzelheiten der Konjunkturprogramme bekannt werden dürften. Wir bezweifeln, dass die Maßnahmen angesichts der strukturellen Schwierigkeiten reichen, und sehen Defizite sowohl beim Volumen als auch beim Zeitplan, der koordinierten Umsetzung und der Effizienz. Fiskalpolitische Maßnahmen sind auf lokaler Ebene meist am wirksamsten, aber gerade hier ist das Geld besonders knapp.
Alles in allem bleiben wir für Chinas Wirtschaft skeptisch, sehen aber trotzdem einzelne Chancen. Wegen der sehr langsamen Umsetzung der Strukturreformen halten wir auch eine sorgfältige Sektorauswahl für wichtig. Aus unserer Sicht sollte man auf Sektoren setzen, die von den kommenden Maßnahmen besonders stark profitieren dürften. Dazu zählen Basiskonsumgüter wie Lebensmittel und alkoholische Getränke, Onlinespiele und Kommunikation. All diesen Sektoren drohen auch keine Schwierigkeiten durch höhere Zölle anderer Länder.
Fazit
- Man muss genau auf neue staatliche Hilfsmaßnahmen achten, vor allem im Umfeld des Nationalen Volkskongresses im März.
- Man sollte analysieren, welche Wertpapiere unter Zöllen leiden könnten.
- Interessant sind Sektoren und Unternehmen, die von Konjunkturprogrammen direkt profitieren können.