Die große Zweiteilung
Eine asynchrone Weltwirtschaft: 2025 dürfte sich die Konjunktur weltweit weiter auseinanderentwickeln. Die USA dürften aufgrund des hohen Konsums, des stabilen Unternehmenssektors und möglicher Steuersenkungen der Trump-Regierung weiter stark wachsen. Länder wie Deutschland, Frankreich und China stehen hingegen vor großen Herausforderungen durch politische Unsicherheit, Deflationsrisiken und eine Rezession in der Industrie. Da die Inflationssorgen weitgehend hinter uns liegen, wird der Wachstumsausblick künftig wohl größere Auswirkungen auf die Geldpolitik haben als bisher.
Zunehmende Hinweise auf eine divergierende Geldpolitik: Von wenigen Ausnahmen abgesehen dürften die Notenbanken ihre Geldpolitik weiter lockern. Ausmaß und Tempo der Zinssenkungen könnten sich aber von Land zu Land stark unterscheiden. Die Geldpolitik wird also nicht mehr überall gleich stark gelockert. Manche Notenbanken, auch die Fed, wollen ihren Leitzins möglichst auf das neutrale Niveau zurückführen – also auf einen Gleichgewichtswert, der Vollbeschäftigung bei unveränderter Inflation ermöglicht. Andere Notenbanken wie die EZB könnten Zinssenkungen weit unter das neutrale Niveau und damit eine sehr viel expansivere Geldpolitik planen.
Ein gutes Umfeld für aktive, weltweit anlegende Anleihenmanager: Sowohl die Geldpolitik als auch das Wirtschaftswachstum dürften sich also weltweit auseinanderentwickeln. Wir rechnen daher mit gewissen Verzerrungen und Bewertungschancen im neuen Jahr. Wenn die US-Konjunktur wie von uns erwartet stabil bleibt, spricht weniger für eine lange Duration bei amerikanischen Anleihen. In Regionen mit niedrigeren Wachstumsaussichten und einer vielleicht stärkeren Lockerung der Geldpolitik – wie dem Euroraum – scheint eine lange Duration strategisch interessanter. Unterdessen könnten sich einige Emerging-Market-Notenbanken aufgrund von Währungsabwertungen und der höheren USZinsen gezwungen sehen, ihre Geldpolitik nicht so stark zu lockern wie bislang geplant. Da sich die Emerging-Market- Länder aber fundamental stark voneinander unterscheiden, sehen wir hier bei Staatsanleihen Alphachancen durch eine aktive Länderallokation. Schließlich kann die divergierende Geldpolitik auch großen Einfluss auf die Kosten der Währungsabsicherung haben – zum Vorteil mancher Anleger und zum Nachteil anderer. Alles in allem glauben wir, dass es in nächster Zeit vor allem auf die Top-down-Sicht ankommt. Konjunktur, Wirtschaftspolitik und Makrorisiken werden entscheidend sein.
Fazit
- Wer internationaler in Anleihen investiert, kann weltweite Marktverzerrungen besser nutzen.
- Interessant ist eine überdurchschnittliche Duration in Regionen, in denen Wachstum und Inflation am stärksten nachlassen, wie zurzeit in Europa.
- Währungsabsicherung kann die Portfolioerträge steigern.