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Studie mit Ipsos
Anlageverhalten der Deutschen – Commerzbank gibt ein Update
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Studie mit Ipsos Anlageverhalten der Deutschen – Commerzbank gibt ein Update

Menschen in der Stuttgarter Innenstadt
Menschen in der Stuttgarter Innenstadt: Die Commerzbank hat Daten zum Spar- und Anlageverhalten der Deutschen gesammelt. | Foto: Imago Images / Arnulf Hettrich

Eine verbreitete Zuschreibung lautet: Die Deutschen sind Anlagemuffel. Investieren am Kapitalmarkt sei vielen Menschen hierzulande suspekt. Stattdessen werde Geld in klassische Sparanlagen gesteckt oder auf dem Girokonto geparkt. Allerdings deutete während der Corona-Pandemie vieles darauf hin, dass sich diese festgefahrenen Vorlieben auch ändern könnten. Denn viele Verbraucher eröffneten in der Zeit erstmals ein Depot und wagten sich an die Kapitalmarktanlage – oftmals über digitale Wertpapierhandelshäuser, sogenannte Neobroker. 

Wie ist es aktuell also um das Spar- und Anlageverhalten der Menschen in Deutschland bestellt? Die Commerzbank wollte das herausfinden und gab eine Umfrage bei der Marktforschungsfirma Ipsos in Auftrag. An diesem Mittwoch präsentierten Vertreter beider Seiten ihr Fazit in einer Medienkonferenz. 

Deutliche Mehrheit legt Geld zurück 

Die erste Erkenntnis klingt positiv: Sieben von zehn Verbrauchern legen hierzulande Geld zurück, vier von ihnen sogar regelmäßig. Durchschnittlich  sind es mehr als 100 Euro, die pro Monat auf die Seite kommen. Zusammengerechnet ergibt das eine stolze Summe: Die privaten Rücklagen in Deutschland umfassen 2,143 Billionen Euro. Bei der Commerzbank zieht man einen plakativen Vergleich: Auf jeden Einwohner gerechnet ergäbe das 50 Waschmaschinen.

Grafik monatlicher Sparbetrag
Grafik monatlicher Sparbetrag © Commerzbank

Die positive Nachricht wird nach dem Geschmack der Studien-Auftraggeber allerdings eingetrübt: Die Verbraucher sparten zu ziellos. 61 Prozent konnten keine konkrete Anlagestrategie benennen. 8 Prozent können allein mit dem Begriff „Anlagestrategie“ nichts anfangen.

Gefragt danach, welche Auswahlkriterien ihnen bei Geldanlagen wichtig seien, nannten die Befragten am häufigsten das Kriterium Sicherheit (52 Prozent). Es rangiert deutlich vor der Verfügbarkeit (39 Prozent) und der Rendite (35 Prozent). Diese Erkenntnis ist nicht neu: Der starke Fokus auf Sicherheit  hat sich auch aus vergangenen Umfragen zur Geldanlage hierzulande regelmäßig herausgeschält. 

Diese Geldanlagen sind am gefragtesten

Ein erheblicher Teil der Ersparnisse landet laut der Commerzbank-Studie auf Sparvehikeln wie Tages- und Festgeldkonten oder dem Sparbuch. Für solche klassischen Sparanlagen gibt es mittlerweile zwar wieder Zinsen – bei Festgeld-Angeboten steht aktuell oft eine 3 vor dem Komma. Allerdings gleicht das kaum die Inflation aus. Die Inflationsrate lag im Januar zwar nur 2,9 Prozent über Vorjahresniveau. In den Monaten zuvor hatte sie jedoch bis zu 9 Prozent betragen. In ihrem Waschmaschinenbild vergleicht die Commerzbank: Die Inflation nimmt den Verbrauchern von 50 Waschmaschinen pro Jahr ein Gerät wieder weg. „Das reine Sparen ist, was die Kaufkraft betrifft, leider eine reine Geldvernichtung“, konstatiert Thomas Schaufler, Privat- und Unternehmerkundenvorstand der Commerzbank.

Während klassisches Zinssparen in Deutschland also die Geldanlage Nummer eins ist, spielen die rentierlicheren Kapitalmarktanlagen weiterhin eine untergeordnete Rolle. Nur jeder Vierte kauft zumindest gelegentlich Wertpapiere, jeder Fünfte befüllt einen Wertpapier-Sparplan, ergab die Studie.

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Grafik Beliebteste Sparformen
Grafik Beliebteste Sparformen © Commerzbank

Eine Besonderheit entdeckten die Studienautoren, als sie das Verhalten der Sparer nach Altersklassen aufschlüsselten: Der Anteil der Personen, die regelmäßig sparen, ist unter den Millennials (44 Prozent) und der Generation Z (47 Prozent) am höchsten. „Das ist wohl einer der positivsten Befunde  überhaupt“, kommentierte Jörn Pyhel, der die Studie auf Ipsos-Seite verantwortete. Während also Angehörige der jungen Generation Z offenbar eingesehen haben, dass sie möglichst frühzeitig mit der Altersvorsorge starten sollten, sind es  gerade ihre Vorgängergenerationen, die die höchsten Sparbeträge erübrigen: Wer 250 Euro und mehr pro Monat zurücklegt, gehört am häufigsten den Millennials oder der Generation X an. Das dürfte sich auch aus deren potenziell höheren Gehältern herleiten lassen.

Große Gruppe von Nicht-Sparern 

Die Studie wirft jedoch auch ein Schlaglicht auf die andere Seite: die der Nicht-Sparer. 28 Prozent der hiesigen Verbraucher legen gar kein Geld zurück. Die meisten von ihnen schlicht deshalb, weil sie nichts erübrigen können. Erstaunliche Erkenntnis aus der Studie: Es sind überproportional viele ältere Befragte, die in diese Nicht-Sparer-Kategorie fallen.

Die Umfrage-Initiatoren der Commerzbank wollten auch wissen, wie gut Verbraucher sich beim Thema Finanzen auskennen. Dabei offenbarten sich einmal mehr die allseits schon bekannten Lücken : 31 Prozent der Befragten wissen nach eigener Auskunft kaum etwas über Aktien, 33 Prozent haben keine Ahnung von Fonds und 50 Prozent kein Wissen über börsengehandelte Finanzprodukte wie ETFs und ETCs – Anlagevehikel, die derzeit eigentlich als besonders populär gelten

Auch bei der Aufschlüsselung nach Geschlechtern beförderte die Studie Bekanntes zutage: Männer halten sich bei Finanzen durchschnittlich für kompetenter. Sie gaben auch öfter an, dass ihnen eine umfassende Anlageberatung unwichtig sei und sie ihre Finanzen lieber selbst regelten. 

Im Rahmen der Präsentation gab die Commerzbank einige allgemeine Ratschläge mit auf den Weg: „Das erste Investment sollte in die eigene Ausbildung gehen“, sagte etwa Schaufler mit Blick auf jüngere Generationen.

Allgemeines Fazit der Studienautoren: Die finanziellen Vorlieben ändern sich in Deutschland nur sehr langsam. Ein umfassendes Engagement an den Kapitalmärkten, wie es im Sinne der privaten Vorsorge für Verbraucher sinnvoll wäre, lässt weiter auf sich warten. 

Über die Studie

Die Studie im Auftrag der Commerzbank hat Ipsos im November 2023 durchgeführt. Befragt wurden 3.200 Erwachsene unterschiedlicher Altersklassen, Einkommen und Bildungshintergründe.

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