Anlagevolumen von 18,5 Milliarden Euro

Chinesische Investitionsstrategien in Europa und Deutschland

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Die Statistik bietet relevante Anhaltspunkte für diese Annahme. Weltweit investierten chinesische Immobilienanleger 2014 die Rekordsumme von 15,6 Milliarden Euro. Ein Plus von 46 Prozent gegenüber 2013. Gewerbeimmobilien waren dabei der Haupttreiber und erzielten mit 10,6 Milliarden Euro einen Zuwachs um fast die Hälfte. Besonders beachtlich: Erstmals haben Gewerbeimmobilien-Investments außerhalb Chinas das inländische Marktgeschehen überflügelt. China zählt damit zu den weltweiten TOP 5 der wichtigsten grenzüberschreitenden Investorenländer, Tendenz nachhaltig: „Für 2015 erwarten wir ein globales Anlagevolumen chinesischer Investoren von bis zu 18,5 Milliarden Euro“, so Dr. Frank Pörschke, Geschäftsführer JLL Germany.

Europa war außerhalb Asiens in 2014 mit 5,2 Milliarden Euro Anlagevolumen die bevorzugte Destination der Chinesen. Es folgen Australien mit über 2,8 Milliarden Euro sowie die USA mit 2,4 Milliarden Euro. Die Statistik auf Städte heruntergebrochen, wird die Vorliebe der chinesischen Anleger für „Super-Cities“ überdeutlich. London ist mit rund 3,8 Milliarden Euro Anlagevolumen 2014 einsame Spitze. Kurz vor Jahresschluss hatte etwa die China Life Insurance rund 1,13 Milliarden Euro in den Londoner Canary Wharf Tower investiert. Auf Rang zwei folgt Sydney mit 2,1 Milliarden Euro. New York, San Francisco, Los Angeles, Chicago, Melbourne, Tokyo und Singapur verzeichnete jeweils Volumina zwischen rund 0,5 und 1,4 Milliarden Euro.

„Noch sind große chinesische Investoren wie Anbang Insurance, China Overseas and Investment, Fosun, Gemdale, Greenland Group, PICC, Pingan, Reignwood, Vanke oder Xinyuan Real Estate nur Experten ein Begriff. Dies kann sich jedoch schnell ändern. Zumal vier der weltweit zehn größten Staatsfonds ihren Ursprung in China haben. Drei davon sind sogar unter den TOP 5 nach Anlagevermögen. Auch die Privatinvestoren verfügen über immense Mittel und dürften zukünftig vermehrt in Immobilien investieren“, betont Pörschke.

Pörschke weiter: „Letztlich verfolgen international engagierte chinesische Investoren drei Strategien in Europa: Wachstumseuropa mit den Zielländern Großbritannien und Nordeuropa verspricht steigende Cashflows. Kerneuropa mit dem Vorreiter Deutschland bietet stabile Cashflows bei guten Renditen. Südeuropa wartet mit einer Erholungsphase, abnehmenden Risiken und zunehmendem Wachstum auf.“

Können die deutschen Immobilienhochburgen auf vermehrte chinesische Investments setzen? Ja, gewiss. Das föderale Deutschland wird zwar nicht mit London wetteifern können, aber es geht definitiv mehr. Das chinesische Investitionspotenzial auf dem deutschen Investmentmarkt ist sehr hoch. Nicht wenige Marktteilnehmer verorten China in der Erwartung für 2015 sogar noch vor Nordamerika. Schon im letzten Jahr lag der Anteil internationaler Investoren nach der Anzahl der Gebote hierzulande bei drei Vierteln – nicht zuletzt dank asiatischer Bieter. „Besonders von chinesischen Projektentwicklern, Privatinvestoren und Versicherungen dürfen wir 2015 vermehrte Aktivitäten erwarten. Vor allem Büro- und Hotelimmobilien werden hiervon profitieren. Bei den Städten werden Berlin mit dem Hauptstadt-Bonus und Frankfurt als EZB-Standort und Handelsplatz für Geschäfte in Renminbi im Fokus stehen“, so Pörschke.

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