Anleger-Ampel: Globales Wachstum schwächelt

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Derzeit sinken die globalen Wachstumserwartungen deutlich. Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur haben sich somit erhöht und die zunehmende, allgemeine Verunsicherung tut ein Übriges. Zudem ist eine überzeugende Lösung der Schuldenkrise nach wie vor nicht in Sicht. Den Politikern fehlen weiterhin überzeugende Konzepte und die notwendigen Mittel für eine rasche Umsetzung. Auch die Notenbanken der meisten Länder können keine notwendigen Impulse geben, um die angespannten Märkte zu beruhigen. Weitere geldpolitische Maßnahmen der US-amerikanischen Notenbank (Fed), das „Quantitative Easing Program“ (QE3), zur Ankurbelung der Wirtschaft sind vorerst nicht geplant. Fest steht vorerst eine Nullzinspolitik für die nächsten Jahre, und Leitzinserhöhungen liegen aus unserer Sicht in weiter Ferne.

Aufgrund der unsicheren Lage haben wir das schon niedrige Aktienexposure in unseren Portfolios noch weiter reduziert: Unsere gesamte Aktienquote liegt bei nur noch 2 bis 4 Prozent. Bei Aktien sind allenfalls selektive Engagements in „Food & Beverage“ („Essen und Trinken“) sowie in die kleinen Schwellenländer Indonesien und Thailand noch empfehlenswert. Staats- und Unternehmensanleihen bieten weiterhin ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis und bilden derzeit den Schwerpunkt in unserem Portfolio.

Ebenfalls in unserem Portfolio enthalten sind Gold, inflationsgeschützte Anleihen sowie Staatsanleihen aus den Emerging Markets (EM). Was den Goldpreis anbelangt, so reagiert dieser eher auf die ungelöste Verschuldung und weniger auf Inflationserwartungen.

Jetzt auf eine Trendwende zu setzen, wäre aus unserer Sicht zu früh, was sich in dem nach wie vor negativen Risikostatus (rot) der Assetklasse widerspiegelt. Erst ein signifikanter Aufschwung der Konjunktur, etwa in den Schwellenländern oder ein neues QE3-Programm, würden einen Wiedereinstieg in Risiko-Assets empfehlenswert machen.



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Zur Anleger-Ampel

Um rechtzeitig aus riskanten Assetklassen auszusteigen oder den frühzeitigen Einstieg zu finden, messen wir im Multi-Asset-Portfoliomanagement die absolute und relative Kursbewegung sowie die Korrelation von mehr als 100 verschiedenen Anlageklassen zueinander. Mit Hilfe dieses Barometers entsteht ein aussagekräftiges Frühwarn- bzw. Risikosystem. Wie bei einer Ampel werden zu meidende Assetklassen rot dargestellt. Anlagegruppen, die sich für ein Investment empfehlen, sind grün markiert, gelbe Positionen stehen unter Beobachtung.

Hintergrund

Jens Kummer (Foto) ist Head of Multi Asset der SEB Asset Management. Der Asset-Indikator stellt einen Auszug aus dem eigens entwickelten Multi Asset Total Return-Modell dar, auf dessen Basis seit 2008 der Investmentprozess der SEB Multi Asset-Fonds gesteuert wird.

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