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BNP-Studie Anleger machen Druck bei ESG, aber nicht nur wegen der Rendite

Thorsten Gommel, Leiter Deutschland, Österreich, Niederlande und Skandinavien bei BNP Paribas Securities Services
Thorsten Gommel, Leiter Deutschland, Österreich, Niederlande und Skandinavien bei BNP Paribas Securities Services: „Seit unserer ersten ESG-Studie im Jahr 2017 hat sich in der Branche einiges getan.“ | Foto: BNP Paribas

22 Prozent der 356 befragten Anleger haben Ökonomische-, Soziale- und Governance-Standards in mindestens 75 Prozent ihres Portfolios implementiert. Das ist ein Kernergebnis der BNP Paribas-Studie „ESG Global Survey 2021“. Damit übertreffen die Investoren ihre eigenen Erwartungen. In der selben Befragung im Jahr 2019 hatte kein einziger Investor vorausgesehen, einen so hohen ESG-konformen Portfolioanteil zu haben. 66 Prozent der Befragten berücksichtigen ESG-Kriterien allerdings in weniger als der Hälfte ihrer Portfolios.

Unterm Strich, so die Studie, verbreitet sich das Know-How in Sachen Nachhaltigkeit in allen Bereichen des institutionellen Asset Managements. Gaben in der Umfrage vor zwei jahren noch 23 Prozent der Befragten an, dass ESG-Kompetenzen in allen Bereichen ihrer Organisation verankert sind und nicht bestimmten Spezialteams vorbehalten sind, waren es in der aktuellen Umfrage 45 Prozent. Zudem bekennt sich mehr als ein Drittel der Branche zum Netto-Null-Ziel bis 2050.

„Seit unserer ersten ESG-Studie im Jahr 2017 hat sich in der Branche einiges getan. Asset Owner und Asset Manager binden ESG-Überlegungen inzwischen verstärkt in die Organisationen und strategischen Entscheidungen ein”, sagt Thorsten Gommel, Leiter Deutschland, Österreich, Niederlande und Skandinavien bei BNP Paribas Securities Services. „Dies wird in der Branche hoffentlich zu einer beschleunigten Asset Allokation in ESG-Strategien führen, was angesichts der immer dramatischeren Warnungen vor dem Klimawandel dringend erforderlich ist.”

In ihrem Engagement sorgen sich die Investoren nun auch mehr um Reputation, als um die Rendite. Anders als 2019 sorgen sich 59 Prozent um Reputation und Markenimage, was damit die Haupttreiber für ESG-Anlagen sind. Rendite kam mit 45 Prozent nur noch auf Platz 2. 38 Prozent verfolgen nun eine Thematische Strategie. 56 Prozent nutzen zudem negatives Screening, schließen also von vorneherein problematische Branchen, wie beispielsweise Waffenhersteller, aus.


Bei der Auswahl der Manager achten Asset Owner immer mehr auf gemeinsame Werte. Für fast die Hälfte ist dies bei der Managerauswahl entscheidend. Vor zwei Jahren sorgten sich nur ein Viertel der Befragten um diesen Aspekt. Immer wichtiger wird den Investoren auch der direkte Einfluss auf die Unternehmen, in die sie investieren. Weit über Stimmrechtsvollmachten hinaus werden Kontakte zu Firmen gesucht. 61 Prozent der Anleger gaben an, diesen Ansatz zu verfolgen.

Knapp 60 Prozent der Befragten bemängeln Probleme mit Daten und benannten dies als größtes Hindernis für die Integration von ESG. Vor zwei jahren lag der Wert allerdings noch leicht höher bei 66 Prozent. 51 Prozent der Befragten sagte, dass sie das “S”, also das Soziale als größte Herausforderung sehen.

57 Prozent der deutschen Anleger gelten als so genannte Net Zero Leaders, verglichen mit 35 Prozent weltweit und 38 Prozent in Europa. 37 Prozent sind der Net Zero Asset Owner Alliance / Asset Manager Initiative beigetreten, verglichen mit 11 Prozent weltweit und 15 Prozent in Europa. Etwa 17 Prozent der Anleger hierzulande berücksichtigen ESG-Kriterien inzwischen bei all ihren Investitionen. In zwei Jahren, so die Studie, dürfte deren Anteil bei 30 Prozent liegen. Ein Fünftel der deutschen Investoren betrachtet ESG schon heute als Notwendigkeit, verglichen mit 13 Prozent weltweit und 7 Prozent in Europa. Grüne Anlageinstrumente wie Green Bonds oder Loans sind in Deutschland beliebt. 70 Prozent der Investoren hierzulande integrieren diese ins Portfolio, verglichen mit 43 Prozent weltweit und 49 Prozent in Europa.

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