Anlegerfehler vermeiden Diese Trends sind bei Multi-Asset-Fonds tonangebend

Models auf der Mercedes-Benz Fashion Week: Auch Multi- Asset-Strategien haben sich längst zu Topstars der Investmentbranche gemausert.

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2014 zogen deutsche Anlieger Per Saldo rund 10 Milliarden Euro aus Aktienfonds ab, 2015 schossen sie 21 Milliarden Euro wieder hinzu, 2016 zeigte ein Minus von 2 Milliarden Euro – und im vergangenen Jahr kamen wieder 18 Milliarden Euro dazu. Die Zahlen des Fondsverbands BVI zeigen, wie wankelmütig Privatanleger den Aktienmärkten gegenüberstehen. Bei Mischfonds indes scheinen sie sich weniger von Marktentwicklungen leiten zu lassen. Hier waren in den vergangenen Jahren stete Zuflüsse zu verzeichnen.

Das zeigt auch eine Untersuchung von Allianz Global Investors: „Der erste Blick auf die monatlichen Zu- und Abflüsse seit Anfang 2002 zeigt, dass sich Multi-Asset-Fonds im Auf und Ab des Aktienmarkts stetiger entwickelt haben als reine Aktienfonds“, sagt Hans-Jörg Naumer. Der Leiter für globale Kapitalmarktanalyse und thematisches Research bei Allianz GI wertet dies als Zeichen dafür, dass Multi-Asset-Lösungen weniger dazu verführen, den Markt richtig timen zu wollen, sondern die Fonds eher der strategischen Umsetzung von Investmentzielen dienen.

Die Untersuchung hat zudem ergeben, dass sich die Fonds bestens dazu eignen, klassische Anlegerfehler wie Herdenverhalten oder Selbstüberschätzung zu vermeiden. Multi-Asset-Fondsanleger sind eher bereit, sich nicht vom Marktrauschen beeinflussen zu lassen, sondern scheinen disziplinierter zu agieren.

Auch institutionelle Anleger integrieren mittlerweile Multi-Asset-Strategien in ihre Portfolios, wie eine Umfrage der Rating-Agentur Scope Analysis unter 106 institutionellen Investoren zeigt. Während Versicherer nach wie vor zu einem sehr großen Anteil auf Anleihen setzen und nur 5 Prozent Multi Asset beimischen, geben Banken sowie Kirchen und Stiftungen an, hier 17 respektive 16 Prozent zu investieren. Ein Großteil der Mischfondsmandate sind dabei Absolute-Return-Produkte, die anstreben, über unterschiedliche Zeiträumepositive Erträge zu liefern.

Absolute Return ist aber nur ein Trend innerhalb des mittlerweile kaum noch überschaubaren Multi-Asset-Fonds-Universums. Viele Fonds orientieren sich nicht mehr an festen Allokationsspannen für die verschiedenen Anlageklassen, sondern genießen hohe Flexibilität bei den Gewichtungen.Entsprechend versuchen sie nicht, einen Index zu schlagen, sondern sie investieren ergebnisorientiert und haben ein absolutes Renditeziel vor Augen.

Bei der Zusammenstellung des Portfolios rücken zunehmend die Risiken in den Mittelpunkt: Statt nach Asset-Klassen wird häufig nach Risikofaktoren allokiert. Bei einigen Fonds rückt das Risiko ganz in den Vordergrund: Sei es, dass der Manager den Fonds in bestimmten Verlustgrenzen hält oder in festen Volatilitätsspannen. Letzteres kann auch Vorteile für den Anlageberater mit sich bringen. Da sich die offizielle Risikoklassifizierung von Fonds ebenfalls am Faktor Volatilität orientiert, kann so sichergestellt werden, dass der Fonds nicht aus einer Risikoklasse herausrutscht. Dies könnte eine Nachberatung oder gar einen Fondswechsel erfordern.

Active Index Portfoio – AIP

Bislang sorgten klassische Anleihen in Multi-Asset-Strategien für Stabilität in unruhigen Aktienzeiten. Angesichts der in den USA bereits begonnenen Zinswende wachsen jedoch die Befürchtungen, dass Anleihen möglichen Verlusten an den Aktienmärkten nicht mehr ausreichend entgegenwirken können. Daher ist der Trend zur Nutzung von alternativen Strategien, die nicht mit den Aktienmärkten korrelieren, zu beobachten. Darunter fallen etwa marktneutrale Relative-Value-Strategien. In diesem Rahmen taucht der Begriff Multi-Strategy-Fonds zunehmend auf.

Ein weiterer neuer Begriff lautet Active Index Portfolios, kurz AIP. Diese verbinden zwei aktuelle Trends im Asset Management: Multi Asset und kostengünstiges, passives Indexinvestment. Während es nur sehr wenige Multi-Asset-ETFs gibt, sind aktiv gemanagte ETF-Dachfonds eigentlich nichts Neues in Deutschland. Dieser Produktansatz soll zusammen mit einer Multi-Asset-Strategie unter dem Label AIP jetzt aber wieder neu belebt werden. Ein zentrales Argument der neuen Produkte sind niedrige Kosten, mit denen nicht alle älteren ETF-Dachfonds glänzen.