Anleihekäufe der EZB

Diese Daten könnten Draghis Optimismus untermauern

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Vom Geschäftsklima in Deutschland über das verarbeitende Gewerbe in Frankreich bis hin zu den Konsumausgaben in Italien steht ein Datenreigen aus den 19 Staaten des Euroraums an, der einen Einblick in den Stand der Erholung bietet.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat seit der Ankündigung seines Programms zur quantitativen Lockerung optimistischere Töne über die Wirtschaft angeschlagen. Am Montag erhält Draghi die Gelegenheit, seinen Standpunkt darzulegen, wenn er vor dem EU-Parlament in Brüssel spricht.

Sein Auftritt findet nur wenige Tage nach den Protesten vor dem EZB-Neubau in Frankfurt statt. Dort hatten die Demonstranten ihrem Ärger über die Zentralbank Luft gemacht, die nach ihrer Auffassung mit aufgezwungenen Sparmaßnahmen ganz Europa in wirtschaftliche Not gestürzt hat.

Angesichts einer immer noch nahezu rekordhohen Arbeitslosigkeit und starker Unterstützung für populistische Parteien wie Syriza in Griechenland steht Draghi unter zunehmendem Druck. Er soll gewährleisten, dass die geldpolitischen Impulse auch über die Bankbilanzen hinaus ihre Wirkung zeigen.

“Draghi wird weiterhin die Auswirkungen des QE der EZB anpreisen, doch davor warnen, dass Reformen notwendig sind, damit sich die Erholung ausweitet und langlebig ist,” sagte Thomas Harjes, leitender Ökonom für Europa bei Barclays in Frankfurt. “Es herrscht noch immer eine beträchtliche Unzufriedenheit in den Ländern, die einen sprunghaften Anstieg bei der Arbeitslosigkeit erlebt haben; und damit sich das ändert, muss sich die Beschäftigungsdynamik wirklich umkehren.”

Seit Draghi gegen den Widerstand aus Deutschland sein 1,1 Billionen Euro schweres Anleihekaufprogramm durchgeboxt hat, zeigt sich der EZB-Chef ungewöhnlich zuversichtlich über die Wirtschaftsaussichten im Euroraum. “Eine nachhaltige Erholung setzt ein”, sagte er am 16. März. “Wir haben Grund, die Aussichten optimistisch zu beurteilen.”

Die Daten in dieser Woche könnten seine Argumente stärken. Am Montag dürfte das Verbrauchervertrauen im Währungsraum auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren klettern, während der niedrigere Ölpreis die Preise dämpft und den Konsum belebt, ergab eine Umfrage von Bloomberg News. Am Tag darauf werden die Einkaufsmanagerindizes voraussichtlich zeigen, dass die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und Dienstleistungssektor über die ganze Region hinweg zugenommen hat.

Das Geschäftsklima in der größten Volkswirtschaft Europas, das am Mittwoch vom Ifo-Institut bekanntgegeben wird, hellt sich einer separaten Umfrage zufolge den fünften Monat in Folge auf. Am Freitag wird Italien dann Daten zu den Industrieaufträgen und Einzelhandelsumsätzen veröffentlichen.

Die EZB hat ihren Konjunkturausblick bereits nach oben korrigiert. Unter der Voraussetzung, dass die geldpolitischen Impulse voll umgesetzt werden, wird sich das Wachstum von 0,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,1 Prozent im Jahr 2017 beschleunigen. Solch ein Wachstumstempo hat es in der Region seit 2007 nicht mehr gegeben.

Doch während sich die Wirtschaftsaussichten verbessern, gibt es weiterhin politische Risiken. Die europäischen Abgeordneten dürften Draghi nicht nur über die Vor- und potenziellen Nachteile seines QE-Programms befragen, sondern auch über die Haltung der Zentralbank gegenüber Griechenland.

Dem Land dürfte in Kürze das Geld ausgehen, während sich die Verhandlungen über das Rettungspaket mit seinen europäischen Gläubigern in die Länge ziehen. Aus der Besorgnis heraus, die politischen Fortschritte zu gefährden, hatte die EZB einen Vorschlag ihres Aufsichtsarms abgelehnt, den griechischen Banken ein stärkeres Engagement bei kurzfristigen Staatspapieren zu verbieten, wie Bloomberg News aus informierten Kreisen erfuhr.

Draghi wird in dieser Woche auch vor dem italienischen Parlament sprechen. Hier dürfte es um Themen wie die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit gehen und die Frage, warum das Land es nicht schafft, wieder einen Wachstumskurs einzuschlagen.

In seinem Heimatland, in Frankreich und andernorts auf dem Kontinent wächst die Unterstützung für Parteien, die eine Abkehr vom Euro und die Rückkehr zu nationalen Währungen fordern. Draghi konnte den Unmut teils selbst in seinem Hinterhof beobachten, als bei der Eröffnung des EZB-Neubaus Autos in Flammen standen und Steine flogen.

“Die Konjunkturaussichten im Euroraum sind seit Jahren nicht mehr so gut gewesen wie jetzt,” sagte Christian Schulz, leitender Ökonom bei der Berenberg Bank in London. “Doch ernsthafte Risiken, die insbesondere von der Politik herrühren, verbleiben und können noch immer die Erholung verzögern.”

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