Anleihen-Ausverkauf

„Im Moment ist alles sehr dramatisch“

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Europas Benchmark-Staatsanleihen waren wenig verändert, während Anleger die Wirtschaftslage in der Region bewerteten. Die endgültigen Verbraucherpreisdaten am Mittwoch dürften bestätigen, dass die Inflationsrate im Mai erstmals seit sechs Monaten gestiegen ist, nachdem die Angst vor einer Deflation zu einer geldpolitischen Lockerung der Europäischen Zentralbank im Volumen von 1,1 Billionen über Anleihekäufe geführt hat. Deutschland plant am selben Tag die Platzierung zehnjähriger Bunds im Volumen von 3 Milliarden Euro.

„Im Moment ist alles sehr dramatisch“, sagte Erik Nielsen, Chefökonom der UniCredit Bank in London im Interview mit Bloomberg Television. „Sobald wir in die Sommermonate kommen, also in ein paar Wochen, werden die Liquiditätsflüsse, Tilgungen, neue Emissionen und all die normalen Geldströme“ für Anleihen unterstützend wirken, so Nielsen.

Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Deutschland war vergangene Woche bis zum Londoner Closing um 17 Uhr am Freitag um einen Basispunkt auf 0,83 Prozent gesunken. Zwei Tage vorher hatte die Rendite mit 1,06 Prozent den höchsten Stand seit dem 19. September erreicht. Zum Vergleich: Erst am 17. April war mit 0,049 Prozent noch ein Rekordtief verzeichnet worden.

Nach Einschätzung von Nielsen dürfte die Rendite der Bunds in den nächsten Monaten um zehn bis 15 Basispunkte fallen, bevor sie im späteren Jahresverlauf wieder zulegt.

Im Euroraum waren die Renditen der Staatsanleihen gestiegen, nachdem die Rückkehr einer Inflation den Erfolg des Europäischen Zentralbank-Kaufprogramms signalisiert hatte. Die Jahresteuerung im Mai dürfte sich entsprechend der ersten Schätzung auf 0,3 Prozent belaufen, ergab eine Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen.

Deutschland hatte zuletzt am 13. Mai Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit begeben und damals eine Durchschnittsrendite von 0,65 Prozent bezahlt - verglichen mit dem Rekordtief von 0,13 Prozent bei der vorigen Auktion am 15. April. Auch Frankreich und Spanien werden in dieser Woche am Primärmarkt auftreten, ihre Auktionen sind für den 18. Juni angesetzt.

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