Anleihen-Crash: Welche Anleihemärkte haben am meisten gelitten?

Anleihen-Crash

Welche Anleihemärkte haben am meisten gelitten?

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Am 20. April 2015 erreichte die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen ein Rekordtief von 0,075 Prozent. Innerhalb von rund sieben Wochen schoss sie um einen knappen Prozentpunkt auf 1,01 Prozent in die Höhe. Was sich auf den ersten Blick nicht besonders dramatisch anhört, ist der größte Renditesprung dieser Papiere seit Jahrzehnten.

Im Zeitraum vom 17. April bis zum 12. Juni hat es Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und mehr am schwersten getroffen. So büßten deutsche Staatsanleihen mit diesen Laufzeiten etwas mehr als 14 Prozent ihres Wertes ein. Aber auch vergleichbare Staatsanleihen aus der Eurozone verloren knapp 13 Prozent.

Aber nicht nur Staatsanleihen wurden von dem Crash in Mitleidenschaft gezogen: Euro-Unternehmensanleihen fielen laufzeitübergreifend um knapp 10 Prozent. Eine Anleihegruppe, die nicht mehr ganz so viel verloren hat – immerhin aber noch um die 5 Prozent – sind Papiere mit sieben bis zehn Jahren Laufzeit.

Der einzige Index, der seinen Wert in dem Zeitraum steigern konnte, ist der für globale Hochzinsanleihen (Markit iBoxx Global Developed Markets High Yield Index TR). Eine mögliche Begründung dafür ist, dass der Index selbst in US-Dollar notiert, aber auch zu mehr als 20 Prozent Nicht-Dollar-Elemente enthält. Die gewannen während des Mini-Crashs gegenüber dem Dollar an Wert und schützen somit den Index vor dem Absturz.


Über die Gründe für den Crash auf dem deutschen Anleihe-Markt wird derzeit diskutiert – vor allem weil er auf den ersten Blick nicht so recht mit dem groß angelegten Anleihe-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank zusammenpassen will. Auf den zweiten Blick aber vielleicht schon: Die Anleiheankäufe der EZB laufen schon eine ganze Weile und haben die ohnehin schon durch die Schuldenkrise verzerrten Kurse weiter steigen lassen.

Der jetzige Kursverfall lässt sich schlicht mit Gewinnmitnahmen von Investoren erklären. Hinzu kommt, dass in der zweiten April-Hälfte drei als sicher angenommene Trends brachen: Der Ölpreis stieg plötzlich, die Eurozone entwickelte sich wirtschaftlich besser als die USA, und der Euro wertete gegenüber dem Dollar auf.

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