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Börsenhändler in New York: Die US-Wirtschaft behauptet sich gut, zusätzlich wird sie jetzt von einer moderaten Fed unterstützt.  | © Getty Images

Anleihen Die US-Zinskurvenhysterie ist unangebracht

Sonal Desai, Investmentchefin Franklin Templeton Fixed Income Group

Die jüngste Inversion der Zinskurve der US-Treasuries hat die Finanzpresse in einen gewissen Rausch versetzt. Ich sehe einen krassen Widerspruch darin, dass so viele Marktteilnehmer und Kommentatoren das erhöhte Maß an wirtschaftlicher Unsicherheit betonen und gleichzeitig flache oder invertierte Zinskurven als narrensichere Indikatoren für eine Rezession betrachten. Ich halte das für völlig fehl am Platze – die Zinskurve sagt nichts darüber aus, was der Realwirtschaft bevorsteht.

Ja, die anhaltende Unsicherheit im Handel hat einige Auswirkungen auf die Stimmung der Unternehmen. Aber wir leben seit fast drei Jahren mit Handelsunsicherheit, und mit sehr geringen wirtschaftlichen Auswirkungen. Die US-Wirtschaft behauptet sich gut, zusätzlich profitiert sie jetzt von einer moderaten Fed.

China zeigt ein wenig Schwäche, aber keine starke Verlangsamung. Die jüngsten Daten belegen, dass Chinas niedrigere Exporte in die USA durch stärkere Exporte in den Rest der Welt ausgeglichen werden. Die Schwäche in Europa ist hingegen ausgeprägter, insbesondere in Deutschland, wie wir es bei den jüngsten Daten zum Bruttoinlandsprodukt gesehen haben.

Die US-Wirtschaft schafft weiterhin mit einem robusten Tempo Arbeitsplätze, auch wenn die Arbeitslosenquote bereits auf einem 50-Jahres-Tiefstand liegt. Die Löhne und Gehälter stiegen 2017 um 4,7 Prozent, 2018 um 5 Prozent und in der ersten Jahreshälfte um 5,1 Prozent, wie das US Bureau of Economic Analysis informiert. Der private Konsum stützt die Wirtschaft, und die Sparquote der Haushalte liegt im Juni dieses Jahres bei vergleichsweise sehr guten 8,1 Prozent.

Kurz gesagt: Die Wirtschaftsdaten geben keine Hinweise darauf, dass die USA und die Weltwirtschaft am Beginn einer Rezession stehen. Die Märkte für Staatsanleihen sind nach wie vor durch die besondere Rolle verzerrt, die die Zentralbanken weiterhin spielen. Jüngst hat die Fed die Zinsen gesenkt und die Möglichkeit weiterer Senkungen signalisiert. Auch die Europäische Zentralbank hat die Tür zu einer Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung geöffnet.

Die Rentenmärkte setzen weiterhin auf die Geldpolitik der US-Notenbank. Die Fed ist jedoch jüngst auf dem Zinspfad umgekehrt – und ignoriert mit diesem Schritt die Wirtschaftsdaten. Die Wette auf die Fed gibt daher keinerlei Hinweis darauf, wohin sich die Wirtschaft entwickelt. Mit anderen Worten: Die Zinskurve von US-Treasuries weist keinen Wert als Indikator für eine Rezession auf. Die Zinskurve ist im Moment indes ein guter Indikator für die „Dovishness“ der Fed und ein Zeichen von Panik auf den Märkten.

Die Märkte und die US-Notenbank scheinen sich gegenseitig zu umkreisen, nähren sich gegenseitig mit Angst und ignorieren völlig, was in der Realwirtschaft tatsächlich vor sich geht.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

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