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Anleihen-Experte von Schroders Schwellenländer-Investments stehen vor der Kehrtwende

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2. Verkaufssignal: Verschuldung wird zum Problem

Aufgrund der Abwertung ihrer eigenen Währungen wird es für Schwellenländer schwieriger, Schulden in Fremdwährungen zu begleichen. Vor allem jene Staaten, die ein großes Auslandsdefizit haben und auf Fremdfinanzierung angewiesen sind, geraten dann unter Druck. Zu Zeiten lockerer Geldpolitik und niedriger Dollarkurse hatten sie günstige Schulden angehäuft und Anleihen in US-Dollar ausgegeben. Um die Zinsen für diese zu bedienen, müssen sie Dollar kaufen – das wird aber teuer und belastet den Staatshaushalt – das Ausfallrisiko steigt.

Sorgen um die Fähigkeit der Staaten, ihre Schulden zu bedienen, veranlassten Anleger zum Ausverkauf, vor allem bei Papieren von Ländern mit besonders gravierenden Währungskrisen: Türkei und Argentinien. So stürzten auf US-Dollar laufende türkische Anleihen über 20 Prozent in die Tiefe, die Türkische Lira verlor im Laufe dieses Jahres über 30 Prozent gegenüber dem Dollar, und der argentinische Peso verzeichnete vorübergehende Einbußen von mehr als 50 Prozent.

3. Verkaufssignal: Politik reagiert auf Liquiditätsengpässe

Regierungen und Notenbanken sehen dem Verfall der eigenen Währungen nicht tatenlos zu. Argentinien erwartet 50 Milliarden US-Dollar aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und hat seine Geldpolitik angepasst, um den Argentinischen Peso zu stabilisieren.

In der Türkei wurde hart gegen Leerverkäufer der Türkischen Lira durchgegriffen: Türkische Kreditgeber dürfen die Landeswährung nur noch eingeschränkt für Devisen-Swapgeschäfte nutzen, was die Handelskosten für Devisenspekulanten steigen ließ. Gleichzeitig wurden in einem 15 Milliarden US-Dollar schweren Handelsvertrag mit dem Emirat Katar Investitionszusagen gesichert und weitere steuerliche Maßnahmen in Aussicht gestellt, zudem erhöhte die Notenbank den Leitzins um 6,25 Prozentpunkte.

Indonesiens Währung durchlebt zwar keine so drastische Talfahrt wie die Türkische Lira oder der Argentinische Peso. Dennoch hat die Rupie im Verhältnis zum US-Dollar zehn Prozent nachgegeben. Die Zentralbank hat die Leitzinsen angehoben, um die Konjunktur abzukühlen und um Anleger zu beruhigen.

Doch der Erfolg der Schritte gegen die Währungsschwäche ist ungewiss. Am Ende könnten sie das Wirtschaftswachstum abwürgen.

Überhaupt gilt: Schnallen die Notenbanker der Schwellenländer ihre geldpolitischen Gürtel enger, könnte sich die gegenwärtig noch moderate Abkühlung der Konjunkturen verschärfen. Die betroffenen Märkte ringen darum, ihrer Situation durch bessere politische Rahmenbedingungen Herr zu werden – angesichts der verheerenden Anlegerstimmung ist das jedoch eine große Herausforderung.

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