Für die Märkte war 2025 bislang nicht einfach. Vor allem die Politik sorgte für Irritationen und Volatilität. Das spricht nicht unbedingt für eine überdurchschnittliche Duration, zumal viele Notenbanken vorsichtiger werden (Thema 1). Dennoch halten wir Credits weiter für aussichtsreich, auch weil ihre Spreads wegen der hohen Risikoprämie für US-Staatsanleihen vielleicht viel weiter sind, als es scheint (Thema 2). Während Aktien Gegenwind drohen könnte, auch wegen ihrer extrem hohen Bewertungen, scheinen sich Anleihen wieder als defensive Assetklasse zu etablieren. Ein Grund dafür ist der absehbare weitere Rückgang der Korrelation zwischen Aktien und Anleihen (Thema 3). Angesichts der wachsenden Zweifel an der Ausnahmestellung der USA wird weltweite Diversifikation immer wichtiger. Emerging-Market-Lokalwährungsanleihen könnten davon am stärksten profitieren, zumal der Dollar weiter abwerten könnte (Thema 4). Die Aussichten für Lokalwährungsanleihen sind also gut. Unser letztes Thema ist Private Credit. An der Beliebtheit der Assetklasse bestehen keine Zweifel, aber nicht alles ist perfekt. Strategische Investitionen halten wir hier weiter für sinnvoll, doch sollten es internationale Investoren angesichts der aktuellen Herausforderungen hier nicht übertreiben (Thema 5). 

1. Duration: Nicht übertreiben

An vielen Märkten scheint eine neutrale Duration sinnvoll. Ohne einen wirklichen Konjunkturschock spricht in vielen Ländern immer weniger gegen eine überdurchschnittliche Duration. Viele Notenbanken sind vorsichtiger geworden, und nicht selten lassen Haushaltsrisiken die Langfristrenditen steigen. In den USA wartet die Fed erst einmal ab, bis die Auswirkungen der Zölle klarer werden. Am Markt rechnet man durchaus mit Zinssenkungen in den nächsten zwölf Monaten, aber es muss schon viel passieren, damit die Fed wirklich stark lockert. Unterdessen dürfte die EZB ihre Zinssenkungen bald beenden. Hier hat sich der Konjunkturausblick stark verbessert, auch dank großer staatlicher Ausgabenprogramme. Im Euroraum spricht also ebenfalls immer weniger für eine lange Duration.

 

Worauf achten wir jetzt? Einstweilen bleibt die Konjunktur schwer einzuschätzen, was gegen eine klare Meinung zur Zinsentwicklung spricht. Die Weltwirtschaft könnte unter den Zöllen, einem schwachen Konsum- und Geschäftsklima sowie Störungen des Welthandels leiden. In den USA könnte auch die restriktive Einwanderungspolitik Folgen für die Wirtschaft haben. Grundsätzlich sind Zölle preistreibend, doch dürfte man in nächster Zeit eher ihre Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum im Blick haben. Eine wirklich lange Duration scheint nur bei einem deutlich schlechteren Konjunkturausblick und Hinweisen auf eine sehr viel lockerere Geldpolitik sinnvoll.

In zwei Ländern ist es aufgrund lokaler Besonderheiten aber anders: In Großbritannien und Australien spricht durchaus einiges für eine längere Duration. Bei einer disziplinierteren Fiskalpolitik würde auch in vielen anderen Ländern die Nachfrage nach länger laufenden Anleihen steigen, aber so weit ist es unserer Ansicht nach noch nicht.

Grafik 1: US-Zehnjahresrendite wieder in der Mitte des Handelskorridors seit Jahresbeginn

FAZIT 

  • Steuern Sie die Duration aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage sehr sorgfältig.
  • Vor allem der Carry könnte für Ertrag sorgen. 
  • Achten Sie auf die Einzelwertauswahl. Sie ist die wichtigste Alphaquelle.