• In der Ära dauerhaft niedriger oder nahe Null liegender Zinsen ab 2009 sind die Renditen europäischer Hochzinsanleihen der allgemeinen Marktrichtung gefolgt und unter 3 Prozent gesunken
  • Der anschließende Anstieg erwischte jedoch viele Anleger auf dem falschen Fuß und zeigte erneut, dass Volatilitätsphasen häufig von kurzer Dauer sind und Anleger vor allem die längerfristigen Trends im Blick behalten sollten
  • Inzwischen sind die Renditen wieder attraktiver und die Marktvolatilität eröffnet interessante Möglichkeiten für aktive Manager. Daher sehen wir das aktuelle Marktumfeld als Chance für Anleger, ihre Anleiheallokationen neu auszurichten

In einem von schnelllebigen Trends und wechselhaften Stimmungslagen geprägten Investmentumfeld liegt der Reiz von festverzinslichen Wertpapieren traditionell darin, dass sie liefern, was ihr Name verspricht: stabile und zuverlässige Zinserträge. Mit der globalen Finanzkrise war das jedoch vorbei. Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld ab 2009 waren Anleihen plötzlich keine so verlässliche Ertragsquelle mehr und auch Hochzinsanleihen nicht mehr hoch verzinst. Nach der jüngsten Gegenbewegung könnte es jetzt wieder ganz anders aussehen und Anleihen in den nächsten Jahren ein sichereres Investment darstellen als Aktien.

High-Yield-Anleihen in Europa: Eine Erfolgsstory seit 25 Jahren

An den europäischen Kapitalmärkten gibt es Hochzinsanleihen als Anlageklasse seit rund 25 Jahren. Auch wenn High-Yield-Anleihen zum Teil noch immer als eher marginale Anlageklasse gelten, verzeichnen sie seit mehr als zwei Jahrzehnten ein anhaltendes Wachstum (Grafik 1). Viele Hochzinsemittenten weisen heutzutage einen Gewinn von 100 Millionen Euro und mehr aus und bringen Anleiheemissionen mit Tranchengrößen von mindestens 500 Millionen Euro an den Markt (250 Millionen Euro ist das Mindestvolumen für Emissionen). Prominente High-Yield-Emittenten sind zum Beispiel M&S, Avis, Land Rover, Asda und Virgin Media.*

Grafik 1: Das europäische High-Yield-Universum

Quelle: ICE BoAML Index HP00 European Currency High Yield Index, Stand: 30. April 2024

Steigende Anleiherenditen: Wie Hochzinsanleihen erneut attraktiv werden

Mit ihren quantitativen Lockerungsmaßnahmen wollten die Zentralbanken nach der globalen Finanzkrise die Volatilität reduzieren. In der Folge waren für mehr als zehn Jahre extrem niedrige Zinssätze knapp über der Nulllinie die Norm, und die Anleiherenditen folgten dieser Entwicklung. Als die Zinssätze wieder zu steigen begannen, war dies eine Überraschung für Anleger, die nur niedrige Zinsen und Anleiherenditen kannten. Viele von ihnen hielten Anleihen mit langen Laufzeiten und waren daher nicht für den Aufwärtstrend positioniert. Als die Renditen in den Jahren 2022/23 plötzlich drastisch stiegen, bekamen sie dies schmerzlich zu spüren.

Mit Renditen von rund 7 Prozent machen inzwischen auch Hochzinsanleihen ihrem Namen wieder alle Ehre.** Dabei liegt die Attraktivität langlaufender Anleihen darin, dass sie über viele Jahre verlässliche Einnahmen generieren: Bei einer fünfjährigen Anleihe mit einem Kupon von 7 Prozent zum Beispiel sind diese Einnahmen für fünf Jahre gesichert. Wenn die Inflation, wie erwartet, weiter nachlässt, sollten auch die Zinsen sinken. Mit langlaufenden Anleihen aber kann man auch dann noch höhere Renditen vereinnahmen, wenn die Renditen überall sonst wieder zurückgehen.

 

Weniger spannend sind die Credit Spreads, die derzeit unter ihren langfristigen Durchschnittswerten liegen. Ein attraktiver Aspekt von Anlagen in Hochzinsanleihen ist jedoch der Breakeven (Rendite dividiert durch Duration), der einen gewissen Schutz vor einer Spreadausweitung bietet. Auf dem aktuellen Renditeniveau könnten die Spreads derzeit um mehrere hundert Basispunkte steigen, bevor Anleger mit einem bestimmten Anleiheninvestment Geld verlieren (Grafik 2).

Grafik 2: Bewertungen (links) und Breakeven (rechts) europäischer Hochzinsanleihen

Quelle: Bloomberg und Columbia Threadneedle Investments, Stand: 31. März 2024. Der Breakeven wird berechnet, indem die Yield-to-Worst des Index durch die bereinigte Duration des Index geteilt wird. Die bereinigte Duration des Index wird berechnet, indem 1 abgezogen wird, um den Rolldown zu berücksichtigen. Dieser Breakeven-Wert gibt einen Hinweis darauf, wie stark die Renditen steigen können, bevor die Anfangsrendite des Marktes aufgezehrt wird.

Das macht festverzinsliche Anlagen so interessant und ist auch der Grund, warum während der langen volatilitätsarmen Phase in vielen Teilen des Marktes kaum noch Erträge zu vereinnahmen waren. Das hat sich geändert.

Im Jahr 2024 zeigt sich die Wirtschaft in einer relativ guten Verfassung. Die Daten aus den USA sind überraschend robust und die Finanzierungsbedingungen sind nicht sehr restriktiv, was für Unterstützung sorgt. Die Arbeitskosten sind nach wie vor recht stabil und weisen nur regional Anzeichen von Schwäche auf. Die Inflation wird unseres Erachtens weiterhin über den Zielen der Zentralbanken liegen. Es gibt geopolitische Sorgenfaktoren, die unsere Risikoeinstellung maßgeblich beeinflussen. Insgesamt sind wir jedoch der Ansicht, dass dieses Umfeld in Verbindung mit den steigenden Renditen im Vergleich zu den letzten Jahren einen guten Einstiegspunkt darstellt.

Die längerfristigen Aussichten sind ebenfalls vielversprechend, was unterstreicht, wie wichtig es ist, eine ausgewogene Sichtweise beizubehalten und sich auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren. Die jahrzehntelange Erfahrung mit Hochzinsanleihen zeigt, dass die Volatilität oft relativ kurzlebig ist und es vor allem auf die längerfristigen Trends ankommt.

Marktschwächen nutzen: Mit aktivem Management durch Volatilität navigieren

Wir bei Columbia Threadneedle Investments sind davon überzeugt, dass Volatilität Anlagechancen durch vorübergehende Marktschwächen eröffnet. Nutzen lassen sich diese jedoch nur mit einem aktiven Management. Die Zusammensetzung der Anleiheindizes basiert auf der Höhe der ausstehenden Schulden. Wenn ein Unternehmen beschließt, sich stärker zu verschulden, erklärt sich ein passiver Investor effektiv damit einverstanden, ihm so viel Geld zu leihen, wie es benötigt – mit den damit verbundenen Folgen. Beim aktiven Management ist das nicht der Fall. Als aktive Manager können wir wählerischer sein, Marktineffizienzen ausnutzen und uns wirklich mit den Stärken und Schwächen einzelner Anleihen auseinandersetzen.

Dafür setzen wir auf ein gründliches Kreditresearch und Risikomanagement. Unser Portfoliomanagement-Ansatz, bei dem Portfoliomanager, spezielle High-Yield-Analysten und breiter ausgerichtete Investmentanalysten zusammenarbeiten, kombiniert Investment-Research, verantwortungsvolle Investmentkriterien und Risikoanalysen, um risikoarme Titel mit hohem Performancepotenzial zu identifizieren. Wir halten Ausschau nach Inkonsistenzen in Ratings, die es uns zum Beispiel ermöglichen, ein Unternehmen mit einem B-Rating zu kaufen, das anschließend auf BB hochgestuft wird. Durch diesen sorgfältigen Prozess haben wir auf lange Sicht durchweg attraktive Renditen bei einer geringeren Volatilität erzielt.

Fazit: Warum jetzt der ideale Zeitpunkt für ein Investment ist

Die aktuellen Marktbedingungen bieten Anlegern eine gute Gelegenheit, ihre Anleihenallokation zu überdenken. Da die Renditen immer attraktiver werden und die Volatilität Möglichkeiten für ein aktives Management eröffnet, ist jetzt ein potenziell günstiger Zeitpunkt für eine Anlage in Hochzinsanleihen. Mit seiner globalen Reichweite, seiner Research-Intensität und seinem Engagement für verantwortungsbewusstes Investieren ist Columbia Threadneedle Investments gut aufgestellt, um Anlegern zu helfen, sich in einem komplexen und sich verändernden Investmentumfeld für den langfristigen Anlageerfolg zu positionieren.

 

Mehr zum CT (Lux) European Short-Term High Yield Bond ZE EUR finden Sie hier.

 

* Die Nennung bestimmter Unternehmen stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar

** ICE BoAML Index HP00 European Currency High Yield Index, Stand: 30. April 2024