Unternehmen, die ihr Wachstum lange weitgehend aus hohen operativen Cashflows finanzierten, sind inzwischen zu bedeutenden Schuldnern am Investment-Grade-Markt geworden. Treiber sind der Ausbau von Rechenzentren und der wachsende Bedarf an leistungsfähigen Chips.

Im Primärmarkt können aktive Anleger auswählen, welche Emission zu ihrem Portfolio passt und ob der Spread die Laufzeit und die Bilanzrisiken angemessen vergütet. Indexfonds und indexnahe Mandate orientieren sich an ihrer Benchmark. Steigt dort das Gewicht eines Emittenten, müssen sie ihre Position häufig ebenfalls erhöhen. Ob der angebotene Aufschlag ausreicht, spielt für diese mechanische Anpassung keine Rolle.

Die großen Technologiekonzerne verfügen überwiegend weiterhin über hohe Ratings, ihre finanzielle Ausgangslage unterscheidet sich inzwischen jedoch erheblich. Besonders Oracle fällt mit einer Eigenkapitalquote von 16 Prozent und einer deutlich höheren Verschuldung aus der Gruppe heraus.

Für indexnahe Portfolios kann die wachsende Fremdfinanzierung dennoch bei allen großen Emittenten Folgen haben. Nehmen wenige Konzerne immer größere Beträge auf, fließt automatisch mehr Kapital zu denselben Schuldnern. Lange Laufzeiten erhöhen zusätzlich die Zinssensitivität. Die Kurse reagieren dann stärker, wenn Marktzinsen oder Kreditaufschläge steigen.

Tech-Anleihen-Emissionen: Anleger werden wählerisch

Barclays verweist auf erste Anzeichen, dass die Nachfrage dem Angebot nicht mehr im gleichen Maß folgt. Eine Google-Emission war im Frühjahr 2025 siebenfach überzeichnet, Amazon erreichte im Sommer 2026 noch das 1,5-Fache des geplanten Volumens. Direkt vergleichbar sind beide Transaktionen kaum, weil Volumen, Laufzeiten und Marktumfeld voneinander abweichen. Die schwächere Überzeichnung zeigt gleichwohl, dass Investoren neue Tech-Anleihen selektiver prüfen.

Ein hoher Spread bei einer langlaufenden Tech-Anleihe macht sie noch nicht mit einer durchschnittlichen BB-Anleihe vergleichbar. Ein Teil des Aufschlags vergütet die längere Zinsbindung. Ein weiterer Teil kann aus dem hohen Emissionsvolumen stammen, das der Markt innerhalb kurzer Zeit aufnehmen muss. Auch steigende CDS-Prämien erlauben keine eindeutige Diagnose. Mitunter spiegeln sie eine kritischere Einschätzung der Bonität. In anderen Fällen sichern Anleger damit größere Tech-Positionen ab. Die Kreditanalyse muss daher klären, ob sich die Bilanz tatsächlich verschlechtert oder ob vor allem das hohe Angebot den Preis bewegt.

Aktive Manager können das Gewicht einzelner Hyperscaler unterhalb der Benchmark halten, wenn neue Emissionen die Konzentration zu stark erhöhen. Bei langen Laufzeiten muss der zusätzliche Spread die höhere Zinssensitivität angemessen vergüten. Eine solche Abweichung vom Index ist allerdings keine pauschale Absage an Tech-Anleihen. Sie setzt voraus, dass der Manager für jede Emission prüft, wie sich der zusätzliche Fremdkapitalbedarf auf Verschuldungsgrad, Zinsaufwand und freien Cashflow auswirkt.

Bei den Hyperscalern reicht der Blick auf die bilanzierten Finanzschulden inzwischen allerdings nicht mehr aus. Noch nicht begonnene Leasingverträge und weitere vertragliche Verpflichtungen summieren sich bei den fünf Unternehmen bereits auf mehr als 2,6 Billionen US-Dollar. Dabei kann derselbe Emittent je nach Laufzeit und Emissionspreis unterschiedlich attraktiv sein.

Hyperscaler verändern den Emissionen-Markt insgesamt

Der große Finanzierungsbedarf der Technologiekonzerne wirkt zugleich auf andere Branchen. Wenn Hyperscaler einen erheblichen Teil der Nachfrage binden, müssen andere Emittenten möglicherweise höhere Aufschläge bieten. Das betrifft auch Unternehmen, deren eigene Kreditqualität sich gar nicht verändert hat. Banken, Industrieunternehmen oder Versorger können deshalb zu günstigeren Konditionen für Anleger an den Markt kommen, obwohl ihr wirtschaftliches Profil stabil geblieben ist.

Der Investment-Grade-Markt verändert sich damit bereits, obwohl die Ratings der meisten Hyperscaler noch stabil sind. Ihre Bilanzen sind innerhalb weniger Jahre erheblich gewachsen und werden durch die bereits vereinbarten Investitionen weiter zunehmen. Ein marktwertgewichteter Index macht aus zusätzlichen Anleihen automatisch mehr Gewicht. Er berücksichtigt aber weder, ob der Emittent das zusätzliche Kapital wirtschaftlich einsetzen kann, noch ob Laufzeit und Spread zum Risiko der Anleihe passen.

Über den Autor

Jens Franck

ist Partner und Leiter Portfoliomanagement bei der Fondsgesellschaft Nordix in Hamburg.