Die Inflation bleibt hartnäckig, Zinssenkungen rücken in die Ferne. Im globalen Halbjahresausblick führen die Analysten des Vermögensverwalters aus, wie sich dem Umfeld höherer Zinsen begegnen lässt.
Die Renditen haben sich weltweit stetig nach oben bewegt, sodass Papiere, die regelmäßige Erträge bieten, wieder attraktiv sind. Entscheidend ist dabei, wie Anleger die Erträge erzielen, also welche Laufzeiten sie halten, wem sie Geld leihen und wann sie Illiquidität bzw. Einschränkungen bei den Verkaufsmöglichkeiten akzeptieren. Wir bevorzugen Erträge aus kürzeren Laufzeiten gegenüber denen langlaufender Anleihen, da Papiere mit höherer Duration empfindlicher auf Zinsänderungen reagieren.
Inflationsdruck dürfte weiter anhalten
Unserer Ansicht nach sind höhere Zinsen ein Charakteristikum des neuen Umfelds. Die Knappheit sorgt auf kurze und lange Sicht für Inflationsdruck. Die Märkte haben sich von den Erwartungen auf Zinssenkungen, die zu Beginn des Jahres noch weit verbreitet waren, inzwischen verabschiedet. Wir gehen davon aus, dass der Inflationsdruck nicht nachlassen wird, weil die Arbeitsmärkte angespannt sind und die Nachfrage nach knappen Ressourcen anhält. Das macht es weniger wahrscheinlich, dass die Fed die Zinsen bald senken wird.
Langlaufende Anleihen stehen vor einer zusätzlichen Herausforderung. Aufgrund der umfangreichen Neuverschuldung und der steigenden Schuldenlast werden Anleger wohl eine höhere Laufzeitprämie verlangen, um das Risiko für das Halten von Langläufern auszugleichen. Aber auch langfristige Anleihen könnten noch zulegen, wenn die Aktienkurse fallen, weil Sorgen über die Kaufkraft oder die Entstehung einer Blase aufkommen.
Allerdings bieten langfristige Anleihen nicht mehr denselben Schutz, den Anleger üblicherweise von ihnen erwarten, weil die Inflation wegen der Angebotsschocks hartnäckig anhält. Statt als Absicherung gegen Ausfälle sollten Anleger sie eher als Risiko behandeln, das bewusst dimensioniert werden muss.
Aus all dem ergibt sich eine Chance bei kurz- und mittelfristigen US-Staatsanleihen. Sie bieten eine deutlich höhere Rendite im Verhältnis zur Volatilität (siehe Grafik). Anleger können solide regelmäßige Erträge erzielen, ohne zu lange Laufzeiten in Kauf nehmen zu müssen.
Grafik: Wählen Sie Ihre Option für regelmäßige Erträge
Risikobereinigte Renditen ausgewählter Festzins-Exposures, 2004-2026
Die dargestellten Zahlen beziehen sich auf die Wertentwicklung in der Vergangenheit. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die Renditen der Indizes enthalten keine Verwaltungsgebühren, Transaktionskosten oder sonstigen Aufwendungen. Indizes werden nicht verwaltet, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Quelle: BlackRock Investment Institute mit Daten von LSEG Datastream und Lincoln, Juni 2026. Hinweis: Die Rendite pro Volatilitätseinheit wird berechnet als Rendite geteilt durch die annualisierte Standardabweichung der monatlichen Gesamtrenditen für Anleihen an öffentlichen Märkten bzw. der vierteljährlichen Gesamtrenditen für Private Credit über den gesamten Datenzeitraum. Index-Proxies: Bloomberg U.S. Treasury 1–3 Year für kurzfristige US-Staatsanleihen, Bloomberg U.S. Treasury Non-Callable 10+ Year für langfristige US-Staatsanleihen, JPMorgan GBI-EM Diversified für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung und Lincoln Senior Debt für Direct Lending (vorrangige Unternehmenskredite).
Wir mögen zudem Schwellenländeranleihen in Lokalwährung, kurzlaufende Eurozonen-Anleihen, Mortgage-Backed Securities, Hochzinsanleihen höherer Bonität sowie Strategien, die Derivate nutzen, um Prämien zu erzielen und gleichzeitig Risiken zu steuern.
Wir konzentrieren uns auf Private Credit und Unternehmensanleihen, bei denen die Renditen durch klare Cashflows, Schutzmechanismen für die Kreditgeber und Verwertungserlöse gestützt werden. Auch mit Infrastrukturanlagen lassen sich konstante Erträge erzielen, da sie regulierte oder vertraglich gesicherte Cashflows bieten, die oft an die Inflation gekoppelt sind.
Wir schauen sehr genau darauf, ob die Vorhersehbarkeit der Cashflows, die Kopplung an die Inflation und das Renditepotenzial eine etwaige Zinssensitivität ausgleichen.
Was das für Anleger bedeutet
- Unser Ziel sind stabile regelmäßige Erträge aus kurzlaufenden Anleihen, ausgewählten Private Credits und lokalen Schwellenländeranleihen.
- Wir meiden langlaufende Staatsanleihen wegen der anhaltenden Inflation und steigender Laufzeitprämien.
Der Artikel ist ein Auszug aus dem globalen Halbjahresausblick von BlackRock.
