Tim Schuldt, Equinet Bank

Tim Schuldt, Equinet Bank

„Anleihen von Sportclubs bleiben ein Nischenprodukt“

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Frage: Wenn sich die Anleihe des FC Schalke 04 als erfolgreich erweist, werden wir dann weitere Anleiheemissionen von großen Fußballvereinen oder anderen Sportclubs sehen?

Tim Schuldt: Es wird sicherlich vereinzelt immer mal wieder Fußballclubs geben, die Anleihen emittieren, es wird nach unserer Einschätzung jedoch keinen neuen Trend hierzu geben. Neben dem FC Schalke 04 kommen in Deutschland für eine Anleiheemission dieser Größenordnung nur noch zwei bis drei weitere Vereine in Frage. Auf europäischer Ebene konnten wir aber bereits ein paar Anleiheemissionen beobachten. So laufen aktuell Bonds von Manchester United, Arsenal London und Olympique Lyonnais. Für die meisten Bundesliga-Vereine kommen eher Fan-Anleihen in Frage. Diese sind nicht börsennotiert und richten sich in erster Linie an Privatanleger. Hier gibt es bereits einige Beispiele - so hat auch Schalke 04 vor ein paar Jahren eine Fan-Anleihe begeben.

Frage: Die Anleihe richtet sich primär an Institutionelle Investoren. Die breite Fanbasis von Sportclubs spricht aber auch dafür, Privatanleger vermehrt anzusprechen. Sollten Sportclubs nicht eher bei Fananleihen bleiben?

Schuldt: Fananleihen und Mittelstandsanleihen sind schlichtweg zwei verschiedene Produkte und richten sich auch an zwei unterschiedliche Zielgruppen. Die börsennotierte Anleihe hat dabei den klaren Vorteil, dass sie höher verzinslich und vor allem handelbar ist. Die Fananleihe hat hingegen den Vorteil einer geringeren Stückelung und einer Schmuckurkunde, die sie für die Fans erst richtig interessant macht. Eine Fananleihe ist kein reines Investment, sie spiegelt immer auch die Liebe zum Verein wider. Sicherlich wird es aber auch einige Privatanleger geben, die die Schalke-Anleihe aus der Liebe zum Verein heraus zeichnen werden. Dennoch ist die jetzige Schalke-Anleihe in erster Linie als Investment zu betrachten, beziehungsweise stellt für den Verein ein weiteres Mittel im Finanzierungsmix dar.

Frage: Würden Sie also einem Fußballclub aktuell eher eine Anleiheemission empfehlen und von einem klassischen Börsengang abraten?

Schuldt: Anleihe oder Börsengang - das wäre letztlich der berühmte Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Der prinzipielle Unterschied ist jedoch, dass man durch die Aktie am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens partizipiert, die Anleihe jedoch ein klassischer Kredit ist - nur eben nicht von Seiten der Bank, sondern in erster Linie von institutionellen Investoren. Es kommt somit immer auf die Präferenzen der Unternehmen und Investoren an.

Die Begebung einer Anleihe hat sowohl für den Emittent als auch für den Investor Vorteile. Der Emittent hat dadurch eine breitere Basis an unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten und ist nicht mehr abhängig von einzelnen Kreditlinien, wodurch sich die Flexibilität des Unternehmens erhöht. Für die Investoren bietet die Anleihe hingegen eine Anlage mit attraktiven Renditen. Natürlich sind auch Anleihen nicht risikolos, dies ist jedoch stark vom einzelnen Unternehmen abhängig.

Für die Anleihe von Schalke spricht beispielsweise der hohe Grundumsatz, der unabhängig vom sportlichen Erfolg jährlich erzielt wird. Hierzu tragen bei Schalke die etwa 40.000 Dauerkarten bei, die aller Voraussicht nach auch in der nächsten Saison wieder verkauft werden. Zudem wurden die TV-Rechte für die Bundesliga kürzlich zu deutlich verbesserten Konditionen mittelfristig verlängert, so dass ab 2013/14 mit deutlich steigenden Einnahmen zu rechnen ist. Auch die Werbeverträge laufen langfristig. Darüber hinaus weist Schalke stille Reserven in Höhe von rund 200 Millionen auf, die sich vor allem aus den Transferwerten der Lizenzspieler sowie dem Wert der Veltins-Arena generieren. Laut Forbes ist Schalke damit auf Platz sieben der wertvollsten Clubs weltweit.

Dies sind alles Aspekte, die für Stabilität sprechen und somit die Anleihe eines Fußballclubs wie Schalke zu einem hoch interessanten Investment für institutionelle Investoren machen.

Frage: Gibt es einen Markt für Sportinvestments oder wird es künftig einen geben? Welche Rolle spielt dabei die sportliche Performance des potenziellen Emittenten?

Schuldt: Das Thema ist zu speziell, daher wird es keinen breiten Markt für Sportinvestments geben. Einzelne Vereine können dahingehend jedoch sehr interessant sein. Es geht immer primär um das einzelne Investment und nicht um das Segment. Bei Fußball-Clubs ist vor allem das Management ein entscheidender Faktor, dies hat sich innerhalb der letzten Jahre enorm professionalisiert. Investments in Sportclubs sind daher heute interessanter als noch vor wenigen Jahren, dennoch bleiben sie ein Nischenprodukt.

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