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John Taylor, Portfoliomanager Fixed Income bei AB

John Taylor, Portfoliomanager Fixed Income bei AB

Anleihen weltweit

Wir stehen vor einem volatilen Rentenjahr 2015

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Das Investment: Wo finden Investoren jetzt noch attraktive Renditen, ohne sich einem allzu großen Risiko auszusetzen?

John Taylor: Die größte Investmentchance besteht nach meiner Ansicht in einer klugen Diversifikation. Wer ein breites Anlageuniversum wählt, erhält einen gut ausblancierten Mix von Zinsänderungs- und Kreditrisiken. Anleger müssen ihre Wertpapiere genau analysieren und von ihnen wirklich überzeugt sein.

Wieso?

Den Märkten fehlt es teilweise an Liquidität, was ich aktuell für die größte Herausforderung halte. Investoren haben sich zuletzt auf einzelne Anleihesegmente fokussiert. Das hat dazu geführt, dass die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen und anderen „Spread-Assets“ massiv zusammengeschmolzen sind.

Kürzlich kam es zu starken Kursschwankungen. Sehen sie darin ein Zeichen für einen grundlegenden Wandel?

Absolut. Man stellt sich darauf ein, dass sich die Geldpolitik ändert und die Notenbanken zukünftig unterschiedliche Wege gehen. In dieser Anpassung dürfte es immer wieder zu Volatilitätsschüben kommen. Es gibt zahlreiche Unwägbarkeiten, und die Börse mag keine Unsicherheit. Grundsätzlich finden Anleiheinvestoren aber ein konstruktives Umfeld vor. Die Weltwirtschaft ist in einer gesünderen Verfassung als vor Jahren. Gleichzeitig schwindet der Inflationsdruck.

Die Spreads der Euro-Peripheriestaaten hatten einen turbulenten Herbst, wie sehen Sie den Ausblick für diese Länder?

Zahlreiche Peripheriestaaten wie Portugal und Irland befinden sich in einem viel robusteren Zustand als zur Euro-Schuldenkrise. Den dortigen Rentenmärkten hilft auch die Geldpolitik. Immer mehr Beobachter erwarten, dass die EZB ihr Kaufprogramm ausweitet und auch Staatsanleihen kauft. Sollte die EZB jedoch die gestiegenen Markterwartungen an neue Anleihenankäufe nicht erfüllen können, werden die Spreads von Peripherie-Papieren vermutlich auch zukünftig volatil bleiben.

Wie sollten sich Renteninvestoren aus Europa verhalten?

Sie könnten einen globalen Ansatz in Erwägung ziehen, der ihnen erhebliches Potenzial erschließt. Es besteht dann die Möglichkeit, in US-amerikanische Treasuries und britische Staatsanleihen zu investieren. Beides halten wir für attraktiver, als in kaum verzinste deutsche Bundesanleihen zu gehen. Hinzu kommt, dass der US-Dollar nach unserer Überzeugung gegenüber Euro und Yen stark bleiben wird.

Welche Anleihesegmente schätzen Sie noch?

Unserer Ansicht nach bieten Nachranganleihen europäischer Banken mit kürzerer Restlaufzeit mehr Chancen. Diese Titel verfügen über höhere Renditen als vorrangige Anleihen (Senior Bonds). Und: Der Bankenstresstest hat Unsicherheiten über die Gesundheit der Finanzinstitute reduziert. Des Weiteren sollten Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie von besseren Wirtschaftsdaten profitieren. Hypothekenbesicherte Anleihen aus den USA (Mortgage Backed Securities) bieten ebenfalls Chancen, weil sich der dortige Häusermarkt erholt.

Welche Papiere würden Sie umgekehrt eher meiden?

Vorsichtig sind wir bei den riskantesten aller Unternehmensanleihen - Papieren, die mit „CCC“ oder schlechter bewertet werden. Ihre Renditeaufschläge reichen nach unserer Meinung nicht aus, um die hohen Ausfallrisiken abzufangen. Zur Zurückhaltung raten wir auch bei sogenannten Leveraged Loans aus den USA. Sie bergen Zins- und Kreditrisiken, die der Investor unter Umständen gar nicht erkennt.


Was dürfen Rentenanleger 2015 insgesamt erwarten?

Die Volatilität sollte 2015 weltweit steigen. Der divergierende Kurs der verschiedenen Notenbanken und die mangelnde Liquidität in einigen Segmenten werden Marktunsicherheiten produzieren. Dabei kann es immer wieder zu schnellen Abwärtskorrekturen kommen. Kurzfristig orientierten Anlegern kann das Schmerzen verursachen. Langfristinvestoren können dies jedoch als Gelegenheit zum Einstieg nutzen.

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